Foto: Katja Ruge
Mit Fettes Brot hat Björn Lauterbach alias König Boris die deutsche HipHop-Szene maßgeblich mitgeprägt. Nach 30 Jahren im Geschäft ging die Band vergangenes Jahr auf Abschiedstournee. Nachdem Lauterbach 2012 bereits ein Soloalbum unter dem Namen Der König tanzt veröffentlicht hat, macht er nun als König Boris weiter: Am 26. April erscheint sein Album „Disneyland After Dark“, das sich mit der Großstadt und all ihren Facetten beschäftigt. Bereits einen Tag zuvor startet die dazugehörige Tour, die König Boris nach Köln, Hamburg und Berlin führt. Was die Leute erwartet, wie der Abschied von Fettes Brot für ihn war, und warum man niemals Yorsh trinken sollte, verrät der Hamburger im Interview.
König Boris: Die Verarbeitung der Tatsache, dass wir uns auflösen, und von allem, was daran traurig ist, fand ja zum Glück schon vorher statt, deswegen konnte ich das an dem Abend ein bisschen beiseite schieben. Ich hatte hauptsächlich ein Gefühl der Dankbarkeit, muss ich sagen. Dass die Leute da waren und dass uns so viel Liebe entgegengebracht wurde. Man ist ja dann auch ein bisschen im Abliefermodus und will, dass die Show gut wird, ohne dass da Emotionen in den Weg kommen. Deswegen habe ich versucht, mich auf das, was ich da mache, zu konzentrieren.
Es waren ja zwei Shows, insofern war das wirklich ein intensives Ausnahme-Erlebnis, gestreckt über ein komplettes Wochenende. Die Aufregung war natürlich groß – zweimal 30.000 Leute und alle erwarten Großes. Wir hatten auch eine illustre Zahl an Gästen, was logistisch nicht ganz unaufwändig war. Aber es war ein tolles Erlebnis! Samstagabend gab es dann noch eine crazy Aftershow-Party mit 1.000 Leuten und einem richtigen Rummel, inklusive Autoscooter, Schießbude und Kettenkarussell.
Ich glaube das Zeug steht da immer. Im Winter ist da so ein Winterzauber-Ding und Firmen können das mieten oder so. Die Leute, die dahinterstecken, hatten das dann einfach für uns angemacht. Die Party ging bis 5 Uhr morgens. Die Busse fuhren schon wieder und ich bin dann einfach in Bus gestiegen und nach Hause gefahren.
Corona war tatsächlich ein Beschleuniger dieser Entscheidung. Unsere letzte Tour ging ja kurz vorher, im Herbst 2019, zu Ende. Während der Pandemie Zeit entwickelten sich die Interessen ein bisschen auseinander und jeder von uns hat vor sich hingedödelt. Die Lust, noch mal ein Fettes-Brot-Album zu machen, war unterschiedlich stark ausgeprägt und dann haben wir gesagt ‚30 Jahre ist eine runde Zahl – dann lass uns jetzt Schluss machen und einen Abschied hinlegen, den es so noch nicht gegeben hat.
Auf jeden Fall!
Genau. Mit der Arbeit an „Disneyland After Dark“ habe ich tatsächlich schon in der Corona-Zeit angefangen, als alles brach lag. Ich wusste ja, dass erstmal kein Fettes Brot-Album kommen würde. Als wir dann aber entschieden haben, eine letzte Tour zu spielen, habe ich das Album erst mal hinten angestellt, um mich auf unseren Abschied zu konzentrieren.
Musikalisch klingt es tatsächlich deutlich anders. Der König tanzt beschreibe ich immer als das Album, das ich mit 16 gemacht hätte – wenn ich damals schon die Fähigkeiten gehabt hätte. Das war musikalisch und auch mit der ganzen Kostümierung ein echter Ausreißer. Mein neues Album ist viel dichter an mir dran, es ist weniger artifiziell. Es kam mir aber sehr zugute, dass ich das andere Solo-Album schon gemacht habe, weil mir dadurch klar war, was ich anders machen will beziehungsweise was ich nicht will. Mir war bei diesem Album sehr wichtig, dass ich den Entstehungsprozess genieße. Bei meinem ersten Album war ich irgendwie verkrampft, dieses Mal wollte ich Spaß an den Aufnahmen haben.
Schon, alleine hat man weniger Sicherheitsnetz und doppelten Boden. Wenn man zu Dritt auftritt und mal irgendeine Zeile vergisst, dann springt halt jemand anderes ein. Das fällt alleine schon mal weg. Und es ist natürlich auch von der Performance ein bisschen heftiger, weil man halt wirklich alles alleine durchziehen muss. Man steht als Einziger im Rampenlicht und der Druck ist noch einen Tick höher – denn wenn man verkackt, fällt es nur auf einen alleine zurück. Aber dafür ist der Applaus am Ende auch nur für einen alleine!
Ja, das war im Bürger- und Kultursaal meiner Schule. Ich war damals 12 und hatte eine Schülerband namens „Strawberry Power“. Wir hatten nur einen Song und den haben wir da gespielt. Ich weiß noch ich hatte eine weiße Lederhose und ein blaues Jeanshemd an und bin im Kunstnebel verschwunden (lacht).
Das war mir eigentlich davor schon klar! Ich bin musikbegeistert seit ich ein kleines Kind war. Das fing mit sechs an, AC/DC war meine erste große Liebe. Auf der Wiese hinter unserem Haus habe ich Konzerte veranstaltet mit Playback, und Tickets an die Nachbarskinder verkauft. Das war irgendwie schon immer in mir drin. Ich habe aber nie darüber nachgedacht, ob das vielleicht mal mein Beruf werden könnte. Ich wollte einfach nur Musik machen. Mein alter Musiklehrer hat mir mal erzählt, dass ich der Mensch mit den meisten Schülerbands auf meiner Schule war.
Konzerte sind schon immer auch aufregend. Das ist mit einer gehörigen Portion Anspannung verbunden, aber es ist jetzt nicht so, dass ich kotzen muss oder so. Sowas gibt es ja auch! Bei mir ist das eher eine Anspannung – und ich glaube die ist auch ganz gut.
Oh, eine Menge! Zum Beispiel als wir mit Fettes Brot Zuhause in Hamburg das erste Mal in einer Arena gespielt haben. Vorher waren es immer nur Clubs gewesen und dann hat unser Management irgendwann gesagt: Das nächste Mal nehmen wir die große Arena! 2005 war das. Das Ganze wurde dann auch noch live auf MTV übertragen! Auch den einen oder anderen Auftritt bei Rock am Ring werde ich nicht vergessen, vor 70.000 Leuten oder so. Das sind Momente, an die erinnert man sich für den Rest seines Lebens. Oder unsere Show auf Helgoland vor ein paar Jahren – da haben unsere Fans das Meisterstück verbracht, auf dem Weg nach Helgoland den kompletten Biervorrat der Fähre auszutrinken. Da war ich ein bisschen stolz auf unsere Fans (lacht).
Mit dem Goethe-Institut haben wir so einige Shows im Ausland gespielt. In der Ukraine waren wir, in Italien, Dänemark, wir haben auch mal in Amsterdam gespielt, in der Schweiz, Österreich, Belgien – und in Russland waren wir mal. Da haben wir den Fehler gemacht, Bier mit Wodka zu trinken. Yorsh heißt das, das trinken nur Leute, die kein Geld haben, um möglichst schnell betrunken zu werden. Am nächsten Morgen waren von 14 Leuten nur drei beim Frühstück…
Klar, das gab es auch. Ende der Neunziger haben wir mal in der Fabrik in Hamburg gespielt. Da waren wir ein bisschen zu selbstsicher im Vorwege, hatten nicht genug geprobt – und dann sind uns die Texte reihenweise entfallen. Das hat sich dann so verselbstständig: Der erste vergaß eine Zeile, dann wurde der nächste nervös – am Ende haben wir uns alle gegenseitig angeschrien. Der Abend war echt die Hölle. Aber wir haben daraus gelernt und es hat sich nicht wiederholt! Einmal bin ich in Kiel tatsächlich auch von der Bühne gefallen, zwei Meter tief in einen dunklen Graben. Da habe ich mich gut erschrocken! Und ein anderes Mal bin ich in die Bühne eingebrochen. Das war so eine alte Theaterbühne und auf einmal war ich bis zum Hals weg. Das stand am nächsten Tag sogar in der BILD-Zeitung, warum auch immer…
Boom Box ist gut! Ich hab die schon erlebt Backstage. Scooter haben eine wandgroße Box mit einer höllischen Lautstärke! Das geht richtig ab da. Wir umarmen uns mit der Band noch mal und trinken vielleicht ein Glas Sekt oder so, aber das war’s. Nichts ritualisiertes. Stell dir vor, du kannst das aus irgendeinem Grund mal nicht machen, dann gehst du mit einem scheiß Gefühl auf die Bühne.
Ein eigenes Kissen ist gut. Früher hatte ich oft Bücher dabei, aber ich habe es in den 30 Jahren, die ich auf Tour fahre, nicht einmal geschafft, eins zu lesen. Deswegen lasse ich sie inzwischen gleich Zuhause. Dafür haben wir mit Fettes Brot immer eine Tischtennisplatte mitgenommen, die war Gold wert. Eine aktive Zeitüberbrückung, ohne sich komplett zu verausgaben – Tischtennis ist dafür perfekt. Und es macht tierisch Spaß!
Das war von Tour zu Tour unterschiedlich. Es gab Touren, da war ich richtig gut – und auf anderen eher nicht so…
Auf jeden Fall. Sport machen, Fahrrad fahren, laufen und spazieren gehen an der Elbe liebe ich, das ist total mein Ding. Und der Hamburger Hafen fasziniert mich auch immer noch. Obwohl ich das alles in- und auswendig kenne, stehe ich da und denke „wow“. Dieses Gefühl von „man könnte überall hin“, ich finde das toll.
Ich werde mit drei Musikern unterwegs sein und wir werden natürlich viel von meinem neuen Album spielen, aber auch ein paar ältere Sachen von Der König tanzt und Fettes Brot. Die Clubs sind ja klein, also wird es sicher sehr intensiv und simpel werden, also im besten Sinne. Es wird keine übertriebene Light-Show geben, sondern ich werde versuchen mit meiner Person und meinen Songs zu überzeugen (lacht). Ich glaube das könnte sehr gut und ein großer Spaß werden!
Die „Disneyland After Dark“-Tour von König Boris startet am 25. April. Alle Termine und das passende Ticket findet ihr mit einem Klick auf den Button.