Bild: Maximilian König Bild: Maximilian König
Interviews

Backstage mit Stefanie Heinzmann: „Ich dachte immer, ich werde Bürosekretärin, und sing halt nebenbei“

05.12.2025 von Nadine Wenzlick

Mit „Circles“ hat Stefanie Heinzmann unlängst ihr bisher persönlichstes Album veröffentlicht: Die Songs behandeln die unterschiedlichen Phasen des Lebens. Auch Heinzmann blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Schon als Teenagerin sang sie in Chören und Bands – obwohl ihr der Gedanke an große Bühnen damals noch Angst machte. Durch Stefan Raabs Castingshow „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ wurde sie 2008 bekannt. Inzwischen hat sie sieben Alben veröffentlicht, zahlreiche Touren gespielt und Duette mit internationalen Größen wie Lionel Richie und Joss Stone gesungen. Im Interview verrät die 36-Jährige, warum sie das Rampenlicht heute mag, weshalb sie Räucherstäbchen und Buddhas aus ihrem Tourgepäck verbannt hat und was Fans auf ihrer kommenden Tour erwartet.

Bild: Maximilian König

Stefanie, dein neues Album trägt den Titel „Circles“ und ist ein Konzeptalbum. Welche Idee steckt dahinter?

Stefanie Heinzmann: Es ist wirklich das allererste Mal, dass ich ein Konzept für ein Album geschrieben habe. Bis jetzt sind meine Alben immer so entstanden, dass ich einfach Songs und Themen, die mich in dem Moment beschäftigt haben, gesammelt habe – auch viel Drama, ehrlicherweise. Mit zunehmendem Alter habe ich aber gemerkt, dass ich müde bin von diesem Drama und davon, immer die schlimmen Storys zu erzählen. Deswegen habe ich mich mit meiner Therapeutin zusammengesetzt – die es übrigens nicht gerne mag, wenn ich sie Therapeutin nenne. Sie sieht sich eher als meine Coachin und ist mittlerweile auch wirklich eine enge Freundin. Gemeinsam haben wir überlegt: Was sind Themen, die nicht nur mich, sondern alle Menschen beschäftigen? So sind wir auf die „Circles“ gekommen: Die Lebensphasen, die wir faktisch alle durchleben.

Zum Beispiel?

Wir sind alle mal Kind, wir sind alle mal Jugendliche oder junge Erwachsene. Und zu jeder Phase gehören Aufgaben und Dinge, die man zu lernen hat. Dieses Konzept fand ich wahnsinnig spannend. Wir hatten wirklich PDFs mit Diagrammen und Inhalten, die wir erzählen wollten. Dabei musste ich aber auch einiges wieder loslassen, weil Musik natürlich schwer in so einen Kasten zu packen ist. Aber insgesamt war es ein sehr schöner Prozess, der interessanterweise viel effizienter war als alles, was ich bis jetzt gemacht habe.

Welcher Song beschreibt die Phase, in der du dich aktuell befindest?

Das ist der Song „Power“. Ich habe mich in den letzten Jahren sehr viel auf die Suche begeben und mich gefragt: Was kann ich gut? Wofür stehe ich? Denn mein Fokus lag lange auf dem, was ich nicht kann. Aber ich habe erkannt, dass ich gar nicht alles können muss! Mittlerweile weiß ich sehr gut, was ich kann und wo ich Hilfe brauche. Und wenn man das erst mal weiß, kann man sich Leute suchen, die das, was man nicht so gut kann, für einen übernehmen. In dem Song singe ich deswegen zuerst „I got the power“, dann „You got the power“ und am Ende „We got the power“. Ich habe viele tolle Leute um mich herum und wir profitieren gegenseitig voneinander.

Im Herbst 2026 gehst du mit dem Album auf Tour – und die wird deutlich anders. Was genau erwartet deine Fans? 

Wir spielen zum allerersten Mal bestuhlte Konzerte und ich freue mich riesig darauf! Ich glaube, dass das den Konzerten eine ganz andere Facette verleiht. Normalerweise spiele ich in Clubs, da wird getanzt, gefeiert. Diesen Aspekt will ich auch auf jeden Fall beibehalten. Aber auf „Circles“ gibt es viele ruhige Songs, die mir sehr am Herzen liegen. Deswegen möchte ich, dass das Publikum sich auch mal hinsetzen, vielleicht die Augen schließen und sich einfach berieseln lassen kann. Deshalb haben wir bewusst Konzertlocations ausgesucht, die beides ermöglichen.

Gibt es einen Saal, auf den du dich besonders freust?

Das ist schwer zu sagen, weil ich natürlich ganz viele Säle noch nicht kenne. Aber ich freue mich zum Beispiel sehr auf die Laeiszhalle in Hamburg. Dort habe ich vor einiger Zeit die Mighty Oaks gesehen. Das ist so ein schöner Saal!

Die meisten Menschen haben dich ja das erste Mal wahrgenommen, als du Stefan Raabs Castingshow „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ gewonnen hast. Du hast aber schon viel früher Musik gemacht, in einer Mundart-Rockband. Wann entstand bei dir der Wunsch, auf der Bühne zu stehen? 

Nie! (Lacht) Ich habe immer gerne gesungen, aber ich war so unsicher, dass ich gar nicht dieses intrinsische Gefühl hatte: Ich muss auf die Bühne. Ich habe mit 13 angefangen zu singen und mit 14 Gesangsunterricht genommen, danach war ich im Chor, in der Schülerband – überall, wo man singen kann. Mit 16 hatte ich dann diese Mundart-Band – und war so überfordert! Die Ansagen zwischen den Songs musste immer unser Bassist machen, weil ich mich so geschämt habe. Deswegen hatte ich nie den Wunsch, durchzustarten und auf großen Bühnen zu stehen. Ich dachte immer, ich werde Bürosekretärin, und sing halt nebenbei – weil ich mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen konnte. Ich habe mich nie getraut zu träumen, aber ich bin sehr dankbar, dass das Leben es anders für mich wollte.

Inzwischen wirkst du auf der Bühne, als würdest du dich sehr wohl fühlen. Wann hat sich das geändert?

Natürlich fand ich es großartig, als ich Stefan Raabs Castingshow gewonnen habe. Auf einmal hatte ich eine fette Band, ein Album, wir waren auf Tour. Das hat alles sehr viel Spaß gemacht – und trotzdem war ich immer noch sehr überfordert und unsicher. Ich habe es gemacht, aber ich habe es mir nicht wirklich zugetraut. Erst als ich um die 30 war, hat sich das geändert. Heute bin ich voll drin und will nichts anderes mehr machen.

Kannst du beschreiben, was mit dir passiert, wenn du auf der Bühne stehst?

Das ist so ein Ankommen. Wenn ich auf die Bühne gehe, habe ich ein wahnsinniges Bedürfnis, zu verbinden. Ich möchte den Leuten ein gutes Gefühl geben und merke, dass ich mich dann selbst wohlfühle und komplett aufmache. Auf der Bühne gibt es bei mir keinen Filter mehr. Singen ist für mich sehr heilsam. Es tut einfach gut und ist für mich ein tolles Ventil.

Erinnerst du dich noch an das erste Konzert, das du besucht hast?

Das war DJ Bobo in Visp – also da, wo ich herkomme – in der Litterna-Halle, eine alte Eishockeyhalle. Ich war damals neun Jahre alt. Er hatte dieses Piratenschiff und ich stand in der ersten Reihe und war völlig geflasht. 

Was war dein allererster Auftritt? 

Bei meinem allerersten Auftritt vor Menschen habe ich den ganz einfachen Song „Respect“ von Aretha Franklin gesungen – und ehrlich, es war eine absolute Katastrophe! Bei meinem ersten Auftritt mit Band hatte ich noch einen Notenständer mit auf der Bühne und war einfach nur aufgeregt. Man kann von mir wirklich nicht sagen, dass ich für die Bühne geboren bin (lacht). Ich habe mir das erarbeitet.

Hast du heute noch Lampenfieber?

Ja, aber anders. Früher hatte ich panische Angst, das war schon fast Todesangst. Heute bin ich zwar aufgeregt, aber nicht mehr so extrem. Zum Beispiel bei TV Shows, weil ich da will, dass alles gut geht und man eben nur zweieinhalb Minuten hat, um abzuliefern. Bei Festivals hingegen bin ich gar nicht aufgeregt, da habe ich einfach nur Bock. 

Mentale Gesundheit ist für dich ein wichtiges Thema. Wie sorgst du auf Tour dafür, dass es dir gut geht?

Eigentlich ist egal, ob ich auf Tour bin oder nicht. Ich mache immer die gleichen Dinge. Ich habe einen Fokus auf viel atmen, viel sitzen, zur Ruhe kommen. Ich ziehe mich mehrmals am Tag zurück, lese ein bisschen und versuche loszulassen. Wenn ich merke, dass mich etwas stresst, gucke ich: Was kann ich ändern und was nicht? Und dann lasse ich los. Mantras spielen bei mir auch eine große Rolle. Ich spreche Gedanken oft laut aus. Und achte darauf, dass ich mich mit Leuten umgebe, mit denen ich mich wohlfühle, bei denen ich ganz ich selbst sein kann.

Hast du Rituale bevor du auf die Bühne gehst? 

Das habe ich wirklich alles losgelassen! Früher hatte ich 1000 Räucherstäbchen und Kerzen, Glücksbringer, einen Koffer voller Buddhas – das war wirklich der Wahnsinn. Je älter ich geworden bin, desto mehr habe ich versucht, mich von so äußeren Dingen zu lösen. Ich brauche nicht mehr als mich selbst – denn ich traue mir das zu. Genau das sind die Sachen, die ich mir dann vor der Show sage.

Und was passiert in den ersten Minuten, nachdem du von der Bühne kommst?

Dann bin ich meistens total ausgelassen. Manchmal gibt es Shows, auf denen viel Druck ist. Danach fühle ich mich oft komplett leer. Dann habe ich alles gegeben und kann nicht mehr. Aber nach Festivalshows sitze ich meist einfach da und wir labern. Das hat etwas sehr Leichtes!

Wie sieht ein perfekter Konzertmoment für dich aus? Lässt sich das beschreiben?

Je älter ich werde, desto bewusster erlebe ich diese Momente. Ich hatte letztens gerade wieder so einen Moment, bei einer TV-Show. Beim Singen habe ich meine Background-Sängerin angeguckt und gedacht: Wie wunderbar, dass ich mit so tollen Leuten Musik machen darf! Solche Momente gab es früher nie, da hat man einfach gemacht und das gar nicht so bewusst wahrgenommen. Das liegt natürlich an meinem Mindset. Wenn ich da stehe, die Leute alle mitsingen und tanzen, der Sound ist toll – das ist einfach das Schönste auf der Welt.

Gibt es ein Lied, das du besonders gerne spielst?

Viele. Im Moment natürlich vor allem die neuen Songs. Da steckt so viel Arbeit drin, dass ich einfach wissen möchte, wie die Leute auf die Stücke reagieren, wie sie sie fühlen. Auf der anderen Seite muss ich immer sehr grinsen, wenn ich „My Man Is A Mean Man“ spiele. Das ist mein ältester Song, kein anderes Stück habe ich so oft gespielt. Gleichzeitig ist der Song so weit weg von mir, was den Inhalt angeht. Das ist der toxischste Song auf dem Planeten! Aber egal, wo ich spiele, singen ihn alle mit. Das ist schon witzig und auch schön.

Welche deiner Auftritte sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Da kommen mir direkt ganz viele Bilder in den Sinn. Meine allererste Tour zum Beispiel: Mit Band in diesem Nightliner von einem Club zum nächsten zu fahren – das werde ich niemals vergessen! Oder auch das Open Air Gampel in meiner Heimat. Als ich dort das allererste Mal auftreten durfte, konnte ich das fast nicht tragen, um ehrlich zu sein. Mit der Hälfte des Publikums bin ich aufgewachsen, da stehen dann Schulfreunde und Lehrer, die Frau vom Bäcker – und ich dachte, was mache ich jetzt hier? Besonders waren auch meine Konzerte in der Elbphilharmonie im letzten Jahr. In solchen Locations spielen zu dürfen, ist einfach magisch.

Du hast im Laufe deiner Karriere auch viele Duette gesungen, zum Beispiel mit Lionel Ritchie, Joss Stone oder Tower of Power. Welche Erinnerungen verbindest du damit?

Lionel Richie ist einfach toll. Ich war damals unfassbar aufgeregt und konnte kaum Englisch, aber er hat mich damals total herzlich aufgefangen. Mit Tower of Power aufzutreten, war unglaublich: Als 18-jähriges Mädchen stand ich auf einmal mit diesen Funk-Legenden auf der Bühne, die länger Musik machen, als ich auf der Welt bin. Und Joss Stone zu treffen, war für mich etwas ganz Besonderes, weil ich damals riesiger Fan war.

Wovon träumst du in Bezug auf deine Karriere noch?

In meinem Leben sind so viele Sachen passiert, die ich alle nicht habe kommen sehen. Ich bin da eher jemand, der versucht mit dem Flow zu gehen. Tatsächlich fühle ich mich aber im Moment so angekommen, dass ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl habe, ich möchte größer werden. Dass ich denke: So eine Arena-Tour könnte ich doch auch mal machen! Das habe ich mir vorher nie zugetraut. Mir ist natürlich klar, dass man das nicht erzwingen kann und so, wie es jetzt ist, ist es auch okay. Aber ich könnte mehr, ich könnte so eine Bühne füllen! Und das ist toll zu wissen. Also falls die Leute bereit sind – ich bin es!

@eventimgermany Songschnipsel raten mit @StefanieHeinzmann ? 2026 geht sie mit der Circles Tour auf eine besondere musikalische Reise. ✨ Unser Headliner-Team hat ein Backstage-Interview mit Stefanie geführt. Den Link zu den Tickets und zum Artikel findet ihr in unserer Bio! ? #stefanieheinzmann #challenge #interview #konzert #eventim ♬ Originalton - eventimgermany

🎤

Ihr wollt Stefanie Heinzmann live erleben?

Schaut ✨ hier mal nach, um Tickets zu ihrer "Circles"-Tour 2026 zu bekommen!


Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren