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Behind the Scenes: „TITANIC: Eine Immersive Reise“ in Köln und Hamburg

12.06.2025 von Susan Barth

Titanic: Eine Immersive Reise“ ist derzeit in Köln und Hamburg zu sehen und nimmt Besucher*innen mit auf eine eindrucksvolle Zeitreise. Wer die Blockbuster-Ausstellung betritt, geht an Bord – und das wortwörtlich. Dank der originalgetreuen Nachbauten und interaktiven Elementen taucht man ein in die Welt von 1912 und erlebt die faszinierende und berührende Geschichte der Titanic so nah wie noch nie. 

Bild: Malte Fiebing-Petersen

Titanic-Experte Malte Fiebing-Petersen beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit dem berühmtesten Passagierschiff der Welt und verrät im Interview nicht nur, für wen sich die Ausstellung eignet und warum ausgerechnet ein Holzstuhl zu seinen persönlichen Highlights zählt, sondern auch, welches Feedback ihn besonders berührt. Außerdem räumt er direkt mit dem ein oder anderen hartnäckigen Irrtum auf. Hättet ihr zum Beispiel gewusst, dass … – lest am besten selbst!

Malte, du bist Titanic-Experte und Vorstand des Deutschen Titanic Vereins. Mehr Profi geht nicht! Weißt du noch, wie das mit deiner Faszination für die Titanic begann?

Ganz genau sogar. Ich bekam zu meinem zehnten Geburtstag 1994 ein Modell der Titanic von Revell geschenkt, ein Plastikmodell-Bausatz, den man dann zusammenbauen musste. In dem Karton war auch mein allererstes Titanic-Buch. Damals eins von drei Büchern, die es dazu überhaupt in deutscher Sprache gab. Dieses Buch ist noch heute in Titanic-Kreisen so etwas wie eine „Bibel“, weil der Autor bereits in den 50er-Jahren viele Überlebende interviewt hat und damals Widersprüche zu den offiziellen Untersuchungsergebnissen aufdecken konnte. Das hat mich als Zehnjährigen völlig fasziniert. Denn ich fand heraus, dass in meinem kleinen Kinder-Lexikon Dinge standen, die gar nicht stimmten! 1997 kam dann die erste große Titanic Ausstellung nach Deutschland in die Hamburger Speicherstadt und das hat mir dann sozusagen den Rest gegeben (lacht).

Jetzt gibt es mit „Titanic: Eine Immersive Reise“ eine neue Titanic-Ausstellung in Hamburg. Was bedeutet eigentlich „immersiv“?

Immersiv ist ja mittlerweile ein kleines Modewort – viele wissen gar nicht genau, was es eigentlich heißt. Letztlich geht es darum, das Gefühl zu bekommen, mittendrin dabei zu sein und sich emotional voll auf etwas einzulassen. Nicht nur Gegenstände zu betrachten, sondern die Geschichte mit allen Sinnen zu erleben. Das ist in der Ausstellung besonders gut umgesetzt. Man kann etwa durch das 1:1 nachgebaute Brückenhaus der Titanic gehen, den Kesselraum betreten und den Wassereinbruch miterleben – inklusive Dampf, Hitze und Geräuschen. Man steht vor einer Kabine oder sitzt in einem Rettungsboot, das virtuell zu Wasser gelassen wird.

Klingt, als wäre man wirklich an Bord.

Genau das ist der Effekt. Es gibt dazu Videoprojektionen, die in Echtzeit den Ablauf der Kollision zeigen. Man steht vorne im Aussichtskorb und sieht, wie versucht wird, dem Eisberg auszuweichen. Auch wenn man weiß, dass es am Ende ganz knapp nicht geklappt hat – in dem Moment fiebert man richtig mit.


Bildergalerie – Titanic: Eine Immersive Reise

Alle Bilder: ExHub

Was ist dein Highlight der Ausstellung?

Beim Eintritt bekommt man eine Bordkarte mit dem Namen einer echten Person, die an Bord war – egal ob als Passagierin, Passagier oder Crewmitglied. Und im Laufe der Ausstellung erfährt man, wer diese Person war, was sie an Bord gemacht hat und – ganz am Ende – auch, ob sie überlebt hat. Das sorgt für eine sehr persönliche Verbindung während der ganzen Ausstellung und ist auf jeden Fall ein Highlight. Das, was für mich aber der größte Gänsehautmoment war, ist das Sitzen im Rettungsboot. Man befindet sich auf Meereshöhe, das Wasser um einen herum ist auf die Leinwand und den Boden projiziert, und man sieht in der Ferne die Titanic untergehen. Ich beschäftige mich seit über 30 Jahren mit dem Thema, aber dieser Moment hat mich tief berührt und getroffen.

Das ist ein Moment, den man wohl kaum in Worte fassen kann. Wie geht die Ausstellung mit der Balance zwischen Erinnerungskultur und Entertainment um?

Eins ist ganz klar: Es ist keine Spaßveranstaltung. Es wäre unwürdig, das Schicksal der vielen tausend Toten für einen reinen Unterhaltungszweck zu missbrauchen. Deshalb verzichtet die Ausstellung gerade während des Untergangs auf übermäßige Effekte. Es gibt in dem Teil keine originalgetreue Soundkulisse, wo man etwa Schreie hören könnte. Die Ausstellung will würdevoll erinnern, nicht schockieren. 

Für wen ist die Ausstellung gedacht – nur für Titanic-Fans oder auch für Familien?

Die Ausstellung zeigt die wahre Geschichte der Titanic und nicht die des Films. Viele kommen natürlich mit Bildern aus dem Kinofilm im Kopf, und es gibt auch Selfie-Spots, wie am Bug des Schiffs. Aber inhaltlich basiert alles auf aktuellen historischen Erkenntnissen. Zum Beispiel hatte der Kabinengang der ersten Klasse keine roten Teppiche, sondern schwarz-weiße Mosaikfliesen. Das ist heute durch Tauchaufnahmen belegt. Durch die Kombination aus Audioguide, Videoprojektionen und den begehbaren Räumen ist die Ausstellung auch für Kinder und Jugendliche sehr zugänglich. Aber man sollte bedenken: Am Ende sieht man die Namen der Verstorbenen. Das kann gerade für jüngere Kinder emotional herausfordernd sein. Ein besonderes Extra für alle ist die VR-Erfahrung am Schluss. Wer möchte, kann als Zusatzangebot mit einer VR-Brille zum Wrack der Titanic tauchen. Für etwa 15 Minuten begleitet man ein virtuelles U-Boot und läuft dann scheinbar direkt am Wrack entlang und hindurch. In Wahrheit bewegt man sich durch einen kleinen Raum, aber die Wirkung ist beeindruckend. Für viele ein schöner Abschluss!

Sind bei den Exponaten auch Originalteile der Titanic dabei?

Viele der Exponate in der Ausstellung stammen vom baugleichen Schwesterschiff oder dem Rettungsschiff. Aber es gibt auch Originalteile der Titanic! Der wertvollste Gegenstand und ein Highlight für mich ist ein originaler Deckstuhl. Weltweit existieren nur sieben Exemplare, die nach dem Untergang aus dem Wasser geborgen wurden – eines davon ist jetzt in Hamburg zu sehen. Solche Stücke erzählen eine Geschichte.

Welches Feedback der Besucher*innen freut dich besonders?

Mich freut es besonders, wenn Menschen, die sich schon lange mit dem Thema beschäftigen, noch etwas Neues lernen. Oder wenn sie kritisch nachfragen – zum Beispiel zu den Gittertoren aus dem Film, die angeblich Passagiere der dritten Klasse am Entkommen hinderten. Diese Tore hat es nie gegeben, aber wir zeigen sie bewusst als Einstieg für eine Erklärung im Audio-Guide, warum dieser Mythos nicht stimmt. Und natürlich ist es auch schön, wenn jemand durch die Ausstellung geht, seine Bordkarte liest und dann zum Beispiel sagt: „Ah, ich war Passagier in der dritten Klasse und so sah meine Kabine aus.“ Dann weiß ich, diese Person war wirklich drin in der Geschichte. Wenn man dann am Ende der Ausstellung erfährt, ob der Mensch, mit dem man sich kurz so verbunden fühlte, überlebt hat oder nicht, dann macht das etwas mit einem.

Du hast auch ein Buch geschrieben über Irrtümer, wenn es um die Titanic geht. Gibt es noch einen letzten Mythos, den du aus der Welt schaffen willst und den auch die Ausstellung aufgreift?

Die Titanic wollte keinen Geschwindigkeitsrekord brechen. Und die oft erwähnten fehlenden Ferngläser im Ausguck haben nichts mit dem Unglück zu tun. Die beiden Männer, die den Eisberg gesehen haben, haben überlebt und sie haben zwar bestätigt, dass es keine Ferngläser im Ausguck gab, aber: Selbst mit Ferngläsern hätte man den Eisberg kaum früher entdeckt. Seeleute beobachten mit bloßem Auge – erst wenn etwas auffällt, greift man zum Fernglas. Vielleicht haben die beiden kurz geschlafen. Zwischen der Sichtung und der Kollision lagen nur 70 Sekunden.

Und warum gab es keine Ferngläser?

Eine kuriose Geschichte: Die Ferngläser waren eingeschlossen – in einem Spind auf der Brücke. Und der Schlüssel dazu war... nicht an Bord. Ein Offizier, der kurz vor Abfahrt versetzt wurde, hatte ihn versehentlich in der Tasche mitgenommen. Und statt den Schrank aufzubrechen, ließ man ihn einfach zu, weil es in dem Moment nicht so wichtig war. Die Ferngläser blieben also dort drin.

Kaum zu glauben – was ist aus dem Schlüssel geworden?

Der hat den Untergang überlebt, weil er eben nicht mitgefahren ist. Und ist über 100 Jahre später für 1,8 Millionen Pfund versteigert worden. Mit der dramatischen Überschrift: Der Schlüssel, der die Titanic hätte retten können. Klingt gut – ist aber Quatsch und wurde sogar schon 1912 von Experten widerlegt. Aber die Geschichte zeigt, wie stark sich solche Mythen halten und wie wichtig es ist, sie einzuordnen. Genau das will auch die Ausstellung.

Wenn du „Titanic: Eine Immersive Reise“ in Köln oder Hamburg besuchen und an Bord gehen willst, bekommst du deine Tickets auf eventim.de.

Tickets Titanic: Eine Immersive Reise
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