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Behind the Scenes: „Das letzte Abendmahl“ – das Meisterwerk als immersives Erlebnis in Berlin

02.12.2025 von Susan Barth

Leonardo da Vincis „Das letzte Abendmahl“ gehört zu den berühmtesten Gemälden der Welt. Das Original ist in Mailand zu sehen, die Besuchszeit streng begrenzt, das Erlebnis kurz. Mit „Das letzte Abendmahl – Ein immersives Erlebnis“ kommt das Werk nun in einer Erlebnis-Ausstellung in die Parochialkirche nach Berlin-Mitte: mit dem Gemälde in Originalgröße, einem immersiven Filmerlebnis und interaktiven Stationen rund um Leonardo da Vinci, seine Zeit und die vielen Mythen, die sich um das Bild ranken.

Bild: Marcus Wortmeier

Hinter dem Projekt steht Marcus Wortmeier, der sich mit viel Leidenschaft für Kunst, Storytelling und Edutainment dem vielschichtigen und bedeutungsschweren Thema widmet. Im Interview lest ihr, warum ihn „Das letzte Abendmahl“ fasziniert und an welcher Stelle in der Ausstellung selbst er immer noch Gänsehaut bekommt. 


Marcus, ihr bringt „Das letzte Abendmahl“ in die Parochialkirche nach Berlin. Warum passt dieser Ort so gut zu eurer Ausstellung?

Marcus Wortmeier: Die Kirche ist für uns wirklich ein Glücksfall. In anderen Städten waren wir in klassischen Hallen unterwegs, aber hier in Berlin haben wir einen ganz besonderen Ort gefunden, der perfekt passt. Die Parochialkirche ist entweiht, es dürfen dort also Veranstaltungen stattfinden und gleichzeitig ist sie ein historisches Gebäude mit einer speziellen Atmosphäre. Das macht etwas mit dem Thema! Und natürlich spielt auch die Lage eine Rolle: Direkt am Alexanderplatz, die U-Bahn vor der Tür und für alle gut erreichbar. 

Wie ist das immersive Konzept rund um „Das letzte Abendmahl“ entstanden?

Es gibt viele Leonardo-Ausstellungen, aber mir war schnell klar: Wenn man versucht, „alles“ zu zeigen, wird es oberflächlich, alles wird nur angekratzt. Also haben wir uns auf dieses eine Werk konzentriert und überlegt, wie wir es wirklich erlebbar machen können. So ist die Idee entstanden, das Gemälde in Originalgröße zu zeigen, vor dem die Menschen, anders als in Mailand, so viel Zeit verbringen können wie sie möchten und es mit einer immersiven Ebene zu verbinden, die mehr über die Zeit und Mythen rund um das Gemälde erzählt.


Bild: together Promotion GmbH

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Was fasziniert dich persönlich so sehr an diesem Gemälde, dass du es neu inszenieren wolltest?

Für mich ist das Spannende, dass es ein Gemälde ist, das nie verkauft werden und nie verschwinden kann. Es kann nicht in irgendeiner Privatsammlung oder im Safe eines Oligarchen hängen. Es wird für immer in Mailand bleiben – denn es ist ja an eine Wand gemalt. Dieses Werk ist fest mit seinem Ort verbunden, und gleichzeitig gibt es unendlich viele Geschichten und Mythen dazu. Das hat mich gereizt: diese Einzigartigkeit und diese Tiefe, die man mit einer klassischen Reproduktion kaum vermitteln kann.

Ihr arbeitet in der Ausstellung mit einem immersiven Film und vielen Projektionen. Wie funktioniert dieses „Eintauchen“ in das Meisterwerk konkret?

Der Kern ist unser immersiver Film, der über 40 Minuten läuft und in vier Kapitel gegliedert ist. Wir wollten nicht einfach nur Bilder an die Wände projizieren, sondern eine Geschichte erzählen. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit dem Verrat, also dem Moment, in dem Jesus ankündigt, dass er verraten wird, und mit den Reaktionen der Apostel. Das zweite Kapitel heißt „Zerfall“ und zeigt die Geschichte des Gemäldes: Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg, Schäden, Restaurierungen. Im dritten Kapitel geht es um Adaptionen, denn das Bild wurde unzählige Male zitiert, kopiert und interpretiert. Und das nicht nur von Schülern Leonardos, sondern auch bis hin zu Popkultur-Versionen mit Marilyn Monroe und anderen Motiven. Im vierten Kapitel rücken wir Leonardo da Vinci selbst in den Fokus: seine Gemälde, seine Maschinen, seine Erfindungen. Und wir sprechen im Film ganz konkrete Fragen an, die viele Menschen zum „Letzten Abendmahl“ haben: Warum sitzen alle auf einer Seite des Tisches? Wer ist wer? Welche Rolle spielt Johannes – ist er vielleicht Maria Magdalena? Warum fehlen die Füße? Wie sind der goldene Schnitt und die perspektivischen Linien im Bild angelegt? Wir gehen auf diese Mythen und Kompositionselemente ein, ohne ihnen den Zauber zu nehmen. Dabei ist unser Anspruch Edutainment: Man soll gebannt sein und am Ende das Gefühl haben, eine Menge Neues mitgenommen zu haben.

Wo du von Edutainment sprichst: Wie findet ihr das richtige Gleichgewicht zwischen Wissen und Emotion?

Der Schlüssel war die Autorin, die wir für die Story gefunden haben. Sabine Schweitzer produziert Shows und Fernsehsendungen und hat gleichzeitig Kunstgeschichte studiert. Genau diese Kombination war für uns ideal: Sie kennt Dramaturgie, Emotion und Unterhaltung und sie kennt den kunsthistorischen Hintergrund. Sie hat das Skript für den Film geschrieben und den Ton gesetzt, der nicht trocken, aber auch nicht reißerisch ist. Rund um den Film gibt es weitere Ebenen: große Tafeln mit Hintergrundinfos, eine Timeline zu Leonardo, Stationen zu seinen anderen Werken und Maschinen, Tablets mit Quiz- und Wissensspielen, eine Zeichenecke, in der man selbst aktiv werden kann, und extra kindgerecht aufbereitete Inhalte auf Stelltafeln. So entsteht ein toller Mix: Man wird emotional abgeholt und lernt dabei auch noch etwas dazu. 

Für wen ist die Ausstellung eigentlich konzipiert – eher für Menschen, die Leonardo und das Gemälde erstmal entdecken wollen oder auch für Kunstkenner*innen?

Für beide Gruppen, und genau das war uns wichtig. Viele denken beim Titel auch erstmal automatisch an eine religiöse Zielgruppe, aber das wäre viel zu eng gefasst. Wir sprechen kunstinteressierte Menschen an oder Menschen aus Kunsthochschulen, die sich für Perspektive und Komposition interessieren. Es kommen Leute, die das Original schon in Mailand gesehen haben und das Bild hier nochmal in Ruhe auf sich wirken lassen wollen. Gleichzeitig besuchen uns auch viele Familien, Schulklassen, Touristinnen und Touristen, die sich einfach neugierig darauf einlassen. Ein Highlight für mich war eine Vorstellung, in der ausschließlich Nonnen waren und sich in den Sitzsäcken fläzten und auf den Hockern Platz nahmen – und in der Mitte saß der Pfarrer! Das zeigt ganz gut, wie breit das Publikum ist: vom Kloster bis zur Schulklasse. Unser Ziel ist, alle in die Ausstellung einzuladen und niemanden auszuschließen.

Wie erlebt ihr Familien und Kinder in der Ausstellung?

Familien sind ein wichtiger Teil unseres Publikums. In Basel zum Beispiel hatten wir Sonntage, an denen fast nur Familien mit Kindern da waren. Für die Jüngeren ist der lange Film natürlich nicht immer der Hauptanziehungspunkt, vor allem nicht für Kinder unter fünf Jahren – aber dafür gibt es Bereiche, in denen sie malen, stempeln oder selbst kreativ werden können. Viele Eltern und Lehrkräfte sagen uns hinterher: „Das, was wir hier in einer guten Stunde erlebt und gelernt haben, würden wir im Unterricht oder zuhause normalerweise so nie vermitteln können.“ Für Schulen haben wir sogar ein eigenes pädagogisches Konzept entwickelt, damit Lehrkräfte ihren Besuch vorbereiten können. 

Ihr seid mit dem Thema Leonardo und „Das letzte Abendmahl“ ja sehr nah an der klassischen Kunst – gleichzeitig nutzt ihr ein Format, das manche eher dem „Spektakel“ zuordnen. Gab es bei der Konzeption besondere Herausforderungen?

Wir wollten unbedingt vermeiden, dass es eine reine Effektshow wird. Immersive Formate verleiten ja schnell dazu, einfach alle Effekte zu nutzen, die möglich sind. Uns war aber klar: Das darf bei „Das letzte Abendmahl“ nicht passieren. Es geht um Respekt vor dem Werk und vor dem Thema. Deshalb haben wir von Anfang an gesagt: Es ist Edutainment und kein Kitsch. Dafür haben wir immer wieder gefragt: Dient das, was wir planen, der Geschichte oder nur dem Effekt?

Immersive Ausstellungen boomen seit einigen Jahren. Warum, glaubst du, funktionieren sie so gut?

Das hat viel mit dem Medienkonsum unserer Gesellschaft zu tun. Wir sind es gewohnt, überall Bilder und Bewegtbild zu sehen. Wenn man dieses Prinzip auf Kunst und Kultur überträgt, senkt das die Hemmschwelle. Menschen, die vielleicht nie in eine klassische Gemäldegalerie gehen würden, lassen sich auf eine immersive Ausstellung eher ein. Und gleichzeitig erreichen wir auch Menschen, die seit Jahrzehnten in Museen gehen. Besonders spannend finde ich das ältere Publikum: Viele von ihnen erleben so etwas zum ersten Mal, spielen an unseren Tablets, schauen sich alles genau an und sind unglaublich dankbar, dass ihnen Kunst auf eine neue, zugängliche Art vermittelt wird. Wichtig ist mir, dass wir den Edutainment-Charakter wirklich erfüllen. Die Menschen sollen rausgehen und sagen: „Ich habe etwas verstanden, ich habe etwas dazugelernt und es hat sich für mich gelohnt.“ Wenn wir das schaffen, war es die ganze Arbeit wert.

Gibt es einen Raum oder Moment in der Ausstellung, bei dem du selbst jedes Mal Gänsehaut bekommst?

Mich erwischt es tatsächlich immer wieder, wenn ich um die Ecke komme und auf das große Bild zulaufe. Dieses Format in Originalgröße – über neun Meter breit und rund vier Meter hoch – hat einfach eine riesige Dimension und eine enorme Wucht. Das ist für mich der Eyecatcher und jedes Mal der Moment, an dem ich denke: Genau dafür machen wir das.


Wenn ihr die Ausstellung in Berlin besuchen möchtet und nicht nur in „Das letzte Abendmahl“, sondern in Leonardo da Vincis Welt eintauchen wollt, bekommt ihr eure Tickets auf eventim.de.

Das letzte Abendmahl Tickets
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