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Behind The Scenes: Im UDOVERSUM auf den Spuren von Udo Lindenberg

26.05.2026 von Susan Barth

Herzlichen Glückwunsch, Udo Lindenberg! Der Panikrocker, Maler und die Ikone mit Hut und Sonnenbrille wurde am 17. Mai 80 Jahre alt. Das muss gefeiert werden und wo ginge das besser als in Hamburg, der Wahlheimat des Musikers, in der er seit 2022 sogar Ehrenbürger ist? Für die neue Ausstellung UDOVERSUM über das Leben und Werk von Udo Lindenberg konnte es keinen besseren Ort geben als das Stilwerk, direkt an der Elbe, in der Hansestadt. 

Über mehrere Ebenen erstreckt sich eine ganze Welt voller Musik, Malerei, Filme und mehr. Und auf den ersten Blick ist klar: Die Besucherinnen und Besucher sind begeistert. Manche kommen mit Hut und Sonnenbrille, andere tanzen zu den Songs im Audioguide und wieder andere vergessen in der Ausstellung sogar die Zeit. 

Kurator und Archivar Frank Bartsch hat uns verraten, was das UDOVERSUM von allen bisherigen Udo-Lindenberg-Ausstellungen unterscheidet und welche drei Highlights ihr auf keinen Fall verpassen solltet.

Bild: privat

Frank, wann war dir klar, dass die Ausstellung keine klassische Rückschau wird, sondern ein ganzes „UDOVERSUM“?

Frank Bartsch: Naja, das liegt schon mal daran, dass Udo nicht gerne zurückschaut, sondern eher fragt: Was kommt als Nächstes? Was kann man noch machen, welche Ideen gibt es, welche Projekte? Er hat viel mehr Spaß daran, sich etwas Neues auszudenken, als sich an der eigenen Geschichte zu erfreuen.

Zum 80. Geburtstag wollte ich deshalb keine klassische Retrospektive machen. Letztes Jahr gab es zwei Ausstellungen, da ging es fast nur um Malerei. Mir fehlt da die Musik, mir fehlt das Gesamte und auch der Mensch selbst. 

Was steckt für dich in diesem Begriff „UDOVERSUM“?

Du brauchst die Musik, du brauchst die Shows, du brauchst die Kunst, du brauchst den Menschen. Wo kommt er her, wo will er hin? Das alles muss man darstellen. Und es gibt ja sowieso diese eigene Udo-Stilistik: Udoversum, Udonaut, Udogramme, solche Begriffe. Das fanden wir sehr passend.

Udo hat immer groß gedacht. „THINK BIG“ – das ist schon so eine Mission bei ihm. Er kommt aus Gronau, aus einer kleinen Stadt in Westfalen, als Nachkriegskind. Nach dem Krieg war vieles stumm, düster, eng. Daraus ist bei ihm ein riesiges Fernweh entstanden. Dieses Gefühl: Da gibt es noch mehr, da muss ich raus, ich muss etwas Größeres machen. Das passt zum Begriff UDOVERSUM. 

Wie seid ihr bei der Auswahl vorgegangen, wenn man so viele Facetten erzählen will: Musiker, Maler, politische Figur, Kunstfigur, Mensch?

Wir haben uns verschiedene Themenfelder ausgedacht. Wenn wir schon in Hamburg sind, mussten wir natürlich etwas zu Udos Hamburg machen. Die Hamburg-Karte ist ein gutes Beispiel. Da habe ich mit Udo zwei Nächte lang die Köpfe rauchen lassen: Wo hat er früher gewohnt, bevor er im Hotel gelebt hat? Diese ganzen Häuser haben wir rekonstruiert, so weit es uns gelungen ist.

Er war irgendwann schon genervt und hatte keine Lust mehr, darüber nachzudenken, weil er auch nicht wusste, was daraus wird. Es war eine Überraschung, dass wir hier sein Hamburg in eine Karte gebracht haben: Wohnorte, Wirkungsstätten, Stadion, Barclays Arena, Fabrik, Panic City, Rockliner, das UDOVERSUM. Das sind Sachen, bei denen auch Leute, die schon viel über Udo wissen, noch mal etwas Neues entdecken können.


Bild: Milan Schmalenbach

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Bild: Sound Selection

War Udo selbst stark in den Aufbau involviert?

Nein, gar nicht. Zum Glück. (lacht) Der Künstler hat natürlich eigene Vorstellungen. Er sieht sich heute im Hauptfokus als Maler, also hätte er wahrscheinlich alles voller Kunstwerke gehängt. Aber genau das hatten wir gerade im vergangenen Jahr getan. Zum Geburtstag wollte ich den ganzen Menschen zeigen, sein gesamtes Werk und eben auch das musikalische Werk, das ja riesengroß ist.

Gab es beim Aufbau auch Dinge, die dich herausgefordert oder überrascht haben?

Was mich wirklich herausfordert oder überrascht, ist, wenn man etwas komplett Neues macht. Zum Beispiel der Bereich zu „Onkel Pö“. Das wollten wir schon 2023 in Rostock machen, aber da hat das Budget nicht gereicht. Jetzt haben wir die Bühne ein bisschen nachempfunden, mit Film, Tapete und der Schaukel in Mondform, auf der man tolle Selfies machen kann.

Das sind die Sachen, die auch für mich noch besonders sind: etwas möglichst originalgetreu hinzukriegen. Bei der Schaukel habe ich sogar mit den Bühnenbaukollegen geschimpft, weil sie erst silber bezogen war. Im Film ist sie aber gold. Dann wurde goldener Stoff bestellt, aber der Lieferant hatte nicht genug. Am Ende wurde sie doch silber. Aber solche Details sind mir wichtig.

Für wen ist die Ausstellung gedacht? Für eingefleischte Fans oder auch für Leute, die Udo bisher nur als Hut-und-Sonnenbrille-Ikone kennen?

Wir haben versucht, sie so allgemein zu halten, dass wirklich jede und jeder etwas entdecken kann. Die eingefleischten Fans finden Highlights, Kunst oder Fotos, die bisher nicht veröffentlicht waren, oder Informationen auf der Hamburg-Karte, die sie noch nicht kennen.

Aber es ist auch so aufgebaut, dass jemand, der sich noch gar nicht so mit Udo beschäftigt hat und jetzt vielleicht durch seinen Geburtstag neugierig wird, sich durch den Audioguide gut führen lassen kann und viel über ihn erfährt. Das UDOVERSUM ist für Hamburger, für alle, die in Hamburg zu Besuch sind, und auch für „Wiederholungstäter“, die schon andere Ausstellungen gesehen haben. Diese hier ist komplett neu.

Die Ausstellung zeigt auch sehr persönliche Dinge: Skizzen, Notizen, Songtextfragmente. Gab es Stücke, die fast schon zu privat waren?

Privat ist bei Udo das, was passiert, wenn die Kamera aus ist und er bei sich zu Hause ist. Solche Sachen haben wir hier natürlich nicht. Aber sonst ist Udo da nicht verschlossen.

Wir zeigen zum Beispiel ein Buch mit Skizzen. Das war eigentlich ein Gästebuch mit leeren Seiten, das er im Hotel Atlantic an der Bar annektiert und dann vollgemalt hat. Da sind Studien drin: Wie male ich Augen, wie male ich Nasen? Da sind Telefonnummern drin, Songtextfragmente von Songs, die es später wirklich gab. Das ist ein Juwel, weil es von vorne bis hinten voll ist. Und ja, das ist wirklich etwas Privates. Keine Kunst, die gemalt wurde, um sie zu verkaufen oder auszustellen, sondern Experimente, erste Versuche, auch mit Likörellen.

Wie wichtig war es dir, neben Erfolg und Mythos auch Brüche und Krisen sichtbar zu machen?

Das ist mir sehr wichtig. Es ist ja nicht immer alles aalglatt, es gibt Berg und Tal, Auf und Ab. Das sehen wir zum Beispiel, wenn es um den Film „Atlantic Affairs“ geht. Der ist für mich eine Perle. Das war 2002, also vor dem großen Comeback, in einer Zeit in der Udo persönlich durch schwierige Jahre gegangen war.

Biografisch ist auch dieser „Vertrag mit sich selbst“ interessant. 2004 hat er beschlossen, die Sucht und den Alkohol gegen Erfolg einzutauschen. Das hat er dann auch durchgezogen. Es gab noch einmal einen Rückfall 2006, als sein älterer Bruder gestorben ist, aber das war kurz, und er kam von selbst wieder raus. Und danach kam das Comeback.

Der Audioguide ist kein klassischer Museums-Audioguide. Was macht ihn so besonders?

Wir sagen immer: ein Audioguide in Hörspielqualität. Mit dem Audioguide hört man praktisch „Radio UDOVERSUM“. Er besteht aus 27 Teilen. Du gibst in der Ausstellung Nummern ein und bekommst dann im Prinzip einen Radiospot zu diesem Bereich. Da sind prominente Sprecherinnen und Sprecher dabei, natürlich auch Udo und ganz viel Musik. 

Dazu kommen die Screens und Videos in der Ausstellung. Mit dem Audioguide kannst du dich dort einloggen und bekommst den Ton synchron dazu. Mir war wichtig, Filme nicht nur in zehnminütigen Ausschnitten zu zeigen. Vielleicht gucken die Leute zehn Minuten, vielleicht fünfzehn, vielleicht den ganzen Film. 

Wie viel Zeit sollte man mitbringen?

Ich glaube, zwei Stunden. Wir haben aber auch Besucherinnen und Besucher, die vier Stunden hier sind, und das finde ich gut. Das bedeutet ja, dass es ihnen gefällt. Wichtig ist auch: Die Toiletten und die Gastronomie sind außerhalb der Ausstellungsräume. Man kann also rausgehen, Kaffee trinken, kurz verarbeiten, was man gesehen hat, und dann wieder reinkommen. 


Bild: Linus Harwig

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Warum spricht Udo aus deiner Sicht bis heute so viele Generationen an?

Zum einen durch die Kollaborationen mit jüngeren Künstlern. „Cello“ mit Clueso hat seine Hörerschaft enorm verjüngt. Oder mit Apache, das haben ja sogar Kinder im Kindergarten gesungen, das war völlig verrückt.

Aber ich glaube, es ist auch seine Haltung. Sein Standing. Für viele ist er eine Art Vorbild, völlig egal, ob sie seine Musik mögen oder seine Kunst. Du kannst hier eigentlich jeden fragen: Jede und jeder hat irgendeine Geschichte mit oder über Udo, wie er oder sie ihn entdeckt hat oder wie er einen begleitet hat.

Wenn du jemandem nur drei Dinge in der Ausstellung zeigen dürftest: Welche wären das?

Auf jeden Fall die Hamburg-Karte. Dann den Bereich mit „Onkel Pö“ inklusive Film. Und dann das große Display mit den Konzertfilmen: Wir haben die Highlights der letzten Touren aus etwa 15 Jahren in zehn Minuten zusammengeschnitten. Inklusive des Flugs über das Brandenburger Tor zum 25. Jahrestag des Mauerfalls 2014. Das ist ein Zusammenschnitt, den man so noch nicht gesehen hat. Vielleicht auch das Entrée mit dem großen UDOVERSUM-Schriftzug… Aber mein Highlight ist die Hamburg-Karte.

Was ist für dich das schönste Feedback von Besucherinnen und Besuchern nach dem Ausstellungsbesuch?

Schön ist natürlich, wenn Leute rausgehen und sagen: Ich habe Udo in ganz vielen Facetten noch einmal besser kennengelernt. Dass sie berührt sind, beeindruckt sind.

Udo arbeitet bis heute jeden Tag. Das ist schon speziell. Er hat mit zwölf seinen ersten Preis als Schlagzeuger gewonnen und seitdem zieht sich dieses „immer nach vorne“ durch sein Leben. Er hat mit der Musik im deutschsprachigen Raum eigentlich alles erreicht, mit der Malerei auch. Aber er will trotzdem weiter. Ein Welthit steht noch auf seiner Bucketlist. Und wenn der kommt, dann wäre das nächste Ziel wahrscheinlich die Welttournee.


Wenn ihr das UDOVERSUM in Hamburg besuchen wollt, bekommt ihr eure Tickets auf eventim.de.

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