Bild: Robert Maschke
Seit er 2008 bekannt wurde, ist Farid aus dem deutschen Fernsehen kaum noch wegzudenken. In seinen zahlreichen eigenen TV-Shows hat er schon Prominente wie Helene Fischer und Jürgen Klopp verzaubert oder seine Highlights der Zauberkunst präsentiert. Aber auch live ist Farid ein Erlebnis. In seinen interaktiven Shows vereint er Zauberkunst mit Psychologie, Suggestion und Schauspiel. Anlässlich seines aktuellen Programms „Magic Unplugged – Plus Edition“ trafen ihn zum Interview.
Farid: Als ich sechs Jahre alt war, hat mein Großvater mir gezeigt, wie eine Münze verschwindet – so kam ich zur Zauberei. Wenig später habe ich Magier im Fernsehen gesehen, alles auf Videokassetten aufgenommen, aus Pappkartons nachgebaut, meine Schwester da reingesteckt und versucht, meinem Großvater nachzueifern. Mit 14 habe ich dann aber erfahren, dass er gar kein großer Magier war, sondern nur zwei Taschenspielertricks konnte – und ich hatte gedacht, ich habe Copperfields Lehrer vor mir! Mein erstes richtiges Kunststück war dann tatsächlich etwas, dass ich bei David Copperfield gesehen hatte und das wegweisend für mich und meine künstlerische Karriere war. Da ging es um einen Bleistift und einen Geldschein. Etwas, wo ich den Eindruck hatte, das kann ich nachmachen. Alltagsgegenstände, die man sich im Idealfall vom Publikum ausleiht. Und das ist bis heute mein Markenzeichen.
Es war ein unglaublich schönes Gefühl, mir etwas nicht erklären zu können und ich glaube das ist immer noch ganz wichtig. Das ist der Grund, warum ich auf der Bühne stehe. Nicht weil ich sage „ich kann etwas, was ihr nicht könnt“, sondern ich will versuchen, die Leute nochmal zum Kind werden zu lassen, ihre Alltagsprobleme für einen Moment beiseite zu schieben. Diese Magie, die uns leider irgendwann genommen wird, darum geht es mir. Von der Technologie her wird alles immer weiter auf die Spitze getrieben. Wir müssen uns alles erklären können – und dadurch wird uns viel genommen. Aber wir sehnen uns vielleicht ein bisschen nach dieser Märchenwelt – und diesen gewissen Zauber versuche ich zurückzugeben.
Das ging schnell bei mir. Mit 14 hatte ich meine ersten Auftritte, mit 15 durfte ich sogar in der Berliner Staatsoper zaubern. Ich lebte damals noch in Wien und hatte dort einen Gastauftritt. Ich wusste damals schon, dass ich gerne Magie im Fernsehen machen will.
Das war der Deal mit meinem Vater. Er hat gesagt „mach was Anständiges, dann darfst du nebenbei zaubern“. Mein Traum war meine eigene TV-Show, in der ich für Zuschauer oder Prominente zaubere, aber das konnte sich damals niemand vorstellen, weil es sowas nicht gab. Ich konnte nicht sagen „so wie der“. Aber irgendwann konnte ich meinem Vater seine Bedenken nehmen, weil er gesehen hat, dass ich ein gewisses Talent habe und es funtkionierte. Und 2009 hatte ich dann tatsächlich meine erste Pro7-Show „Street Magic mit Farid“. Mittlerweile habe ich meine achte eigene TV-Show. Inzwischen genieße ich es aber auch sehr, auf der Bühne zu stehen.
Das ist nochmal ein ganz anderes Erlebnis! Ich weiß die Arbeit im Fernsehen sehr zu schätzen, weil man bestimmte Möglichkeiten hat, Dinge zu präsentieren, und interessante Gäste begrüßen darf. Aber live auf der Bühne zu stehen, ist ein ganz besonderer Moment und ich gehe wirklich jeden Abend mit dem Ziel auf die Bühne, alles dran zu setzen, dass die Leute den Abend nie wieder vergessen. Irgendwer ist immer im Publikum, der mich das erste Mal sieht und vielleicht auch das letzte Mal. Der wird mich immer so in Erinnerung behalten. Da interessiert es nicht, ob ich vielleicht wenig geschlafen habe oder es beim Aufbau Probleme gab. Meine Aufgabe ist es, wirklich alles zu geben.
Nicht den einen Auftritt. Es gibt so viele einzelne Momente und emotionale Sachen. Vor allem, wenn Zuschauer nach der Show zu mir kommen, mir ihre Lebensgeschichten erzählen oder sagen, wie viel Kraft ihnen mein Schlussmonolog gegeben hat.
Ich möchte nicht zu viel über meine neue Show verraten, aber es gibt immer einen Schlussmonolog, der die Show zusammenfasst und wo man merkt: Sie hat einen gewissen Aufbau und sollte an genau diesen Punkt kommen. In meiner letzten Show zum Beispiel habe ich immer gesagt, dass ich das beste Beispiel dafür bin, dass alles möglich ist. Ich hatte eine verrückte Idee, bei der jeder gesagt hätte „Niemals schaffst du es mit einem Delorian auf der Bühne zu stehen“. Und egal, wie viele Jahre ich gebraucht habe, ich habe einen Weg gefunden. Deswegen lasst euch von niemandem erzählen, dass ihr irgendetwas nicht schaffen könnt. Das endete dann in einem Schlussapplaus, den ich unterbrach mit den Worten: „Tut mir einen Gefallen: Zeigt den, die euch fallen sehen wollen, dass ihr fliegen könnt“ – und in dem Moment setzte die Musik von Hans Zimmer ein und ich hob vom Boden ab. Das hat sehr viel mit den Zuschauern gemacht. Zum Teil kamen sie ein Jahr später noch mal zu einer Show und sagten Sachen wie 'guck mal, ich habe 40 Kilo abgenommen'. Sowas motiviert mich. Ich versuche den Zuschauern immer etwas mitzugeben.
Das kann ich nicht verraten! (Lacht) Es ist nicht so, das noch nichts passiert wäre. Wenn man ständig versucht, sich zu steigern und selbst zu übertreffen, werden die Dinge, die hinter den Kulissen passieren, natürlich auch immer aufwändiger, komplizierter und sensibler. Aber mein Vorteil ist ja, dass ich vorher nicht ankündige, was passiert. Wenn ich etwas verschwinden lasse, sage ich nicht, wo es wieder erscheinen wird. Falls also etwas mal nicht klappt, es woanders oder gar nicht wieder erscheint, weiß das ja keiner. Ich versuche einfach immer mich auf alles so gut es geht vorzubereiten. Ich habe immer einen Plan zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun und zehn. Dadurch kann ich mit einem gewissen Selbstvertrauen auf die Bühne gehen und auch mit schwierigen Situationen umgehen.
Nein, gar nicht. Am Anfang vielleicht, aber in den letzten 15 Jahren nicht mehr. Wenn wir jemand neues im Team haben, der eine wichtige Aufgabe hat, dann bin ich vielleicht etwas angespannt. Oder wenn wir nicht richtig proben konnten. Aber nervös bin ich nicht. Wie ich eingangs schon meinte, sage ich den Leute ja nicht „ich bin vom Himmel gefallen, mein Vater ist Zeus und ich kann etwas, das ihr alle niemals können würdet“. Und deswegen habe ich das Publikum glaube ich im Rücken. Und dann kann auch nichts Schlimmes passieren.
Mir ist wichtig, dass alle vor der Show nochmal zusammenkommen. Dass wir uns, auch wenn danach jeder wieder an seinen Platz muss, fünf Minuten vorher einmal die Hand geben. Denn wir machen die Show zusammen. Aber ansonsten habe ich keine Rituale. Kein Mondwasser (lacht).
Gar nicht, ich übe generell nicht. Meine Übung ist das Entwickeln von neuen Sachen. Die gewissen Fähigkeiten – psychologisch, rhetorisch, Fingerfertigkeit – habe ich und deswegen gibt es kein richtiges Proben. Ein Tour-Tag sieht meistens so aus, dass wir versuchen, so früh wie möglich in die Location zu kommen und alles aufbauen, so dass wir um 19 Uhr pünktlich den Einlass machen können. Bis dahin haben wir eine Menge zu tun, weil jede Bühne anders ist. Es gibt viel einzuleuchten und da ist Magie ein sehr sensibles Thema. Jeder Millimeter, jeder Lichtstrahl muss sitzen, sonst könnte später irgendwas nicht so aussehen, wie ich es mir wünsche.
Ich habe das Glück, dass die Gäste, die ich bisher hatte, tatsächlich alle persönlich von mir eingeladen waren. Ich schreibe denen bei WhatsApp und wir haben bisher noch keine harten Absagen kassiert. Nico Rosberg, der bei der ersten Staffel absagen musste, weil er da nochmal Vater geworden ist, war dann in der zweiten Staffel und Jürgen Klopp hat es jetzt auch geschafft. Michael Jordon – das wäre noch ein Wunsch von mir!
Der Zug ist leider abgefahren!
Ja, der Zauber ist mir leider genommen worden. Auf unserem Level kann man das Gegenüber nur noch mit faulen Tricks täuschen. Das heißt wenn wir uns in einem Restaurant verabreden, kommt das Gegenüber schon mal eine halbe Stunde vorher und spricht irgendwas mit der Kellnerin ab. Und beim nächsten Mal komme ich dann eine Stunde früher und so weiter. Aber mit fairen Mitteln wird es sehr schwierig. Leider. Ich hätte dieses Gefühl gerne mal wieder.
Es gibt noch viele Dinge, die ich gerne auf die Bühne bringen will – an einigen arbeite ich schon sieben oder acht Jahre. Aber nach Las Vegas zieht es mich gar nicht. Ich hätte sogar schon mal die Möglichkeit gehabt, auszuprobieren, ob es funktioniert, aber das ist nicht meins. Ich möchte hier in Deutschland Magie als Kunstform etablieren.
Aus der „Magic Unplugged Tour“ haben wir eine Plus Edition gemacht, das heißt etwa 60 Prozent der Show wurden verändert, einem Feinschliff unterzogen und um neue Sachen ergänzt, die wir schon für die Tour danach ausprobieren. Die Zuschauer erwartet eine sehr interaktive Show, die bizarr und lustig werden kann. Ich vertraue ihnen sehr viele Geheimnisse an und bringe sie dazu, über ihre Grenzen hinaus zu gehen. Es wird eine sehr ungewöhnliche Show. Also ein Abend, den man wahrscheinlich nicht so schnell wieder vergisst.
Farid ist noch bis August mit seinem Programm „Magic Unplugged – Plus Edition“ auf Tournee. Die Termine und Tickets findet ihr mit einem Klick auf den Button.