Bild: Stefan Cordes/ZDF Bild: Stefan Cordes/ZDF
Interviews

„Das, was kommt, kommt“: Nico Santos über seinen Song Trip nach Vietnam

16.07.2026 von Susan Barth

Song Trip“ ist zurück! In dem ZDF-Format verlassen bekannte Musikerinnen und Musiker ihre vertraute Umgebung und begegnen anderen Kulturen über das, was sie am besten können: Musik. Die lokalen Artists sind dabei nicht bloß Begleitung, sondern prägen die Songs gleichberechtigt mit. So entstehen Versionen bekannter Stücke, die nicht nur anders klingen, sondern auch etwas über den Ort erzählen, an dem sie entstanden sind. Für diese Staffel treffen sich Yvonne Catterfeld, Nico Santos, Rea Garvey und Peter Maffay zur Watch Party, um die musikalische Reise der jeweils anderen zu sehen.

Bild: Sami Grill/ZDF

In der ersten Folge reist Nico Santos nach Vietnam und taucht in eine Musikszene ein, in der traditionelle Klänge und moderner Pop ganz selbstverständlich nebeneinanderstehen. In Hanoi erlebt er „synchronisiertes Chaos“, begegnet dem jungen Künstler Mai Chí Công, der Volkskünstlerin Hoàng Thị Bích Hồng und dem Klang der Đàn bầu. Aus diesen Eindrücken entsteht eine neue Version seines Hits „Play with Fire“ – mit traditionellen Instrumenten und vietnamesischen Sounds. Ihr könnt die Sendung morgen Abend um 23:30 Uhr im ZDF sehen oder jederzeit in der ZDF-Mediathek. Im Interview mit uns erzählt der Sänger voller Freude von seiner Reise.

Nico, was hat dich an „Song Trip“ gereizt – und warum ausgerechnet Vietnam?


Immer wenn ich Musik mit Reisen verbinden kann, ist das für mich schon ein Gewinn. Fast wie ein Geschenk. Wir haben ein paar Länder zur Auswahl bekommen und für mich war sofort klar: Ich war noch nie in Asien. Viele Musikkolleginnen und -kollegen waren schon in Thailand, Indonesien, Japan oder China. Das war die Gelegenheit. Und das Coole an „Song Trip“ ist, dass dieses Format es schafft, ein echtes Local-Gefühl zu erzeugen. Du bist nicht einfach nur Tourist oder westlicher Sänger, der irgendwo hinkommt. Du bist mit den Menschen bei ihnen zu Hause, hörst ihre Gespräche, bist wirklich dabei. Natürlich habe ich nicht immer alles verstanden, aber ich hatte trotzdem das Gefühl, in dieser Zeit dazuzugehören. Das fand ich am spannendsten daran. 

Wie hast du Hanoi erlebt, als du dort angekommen bist?


Synchronisiertes Chaos. Wirklich. Du gehst raus und musst die ganze Zeit aufpassen, dass du nicht von 400 Mopeds oder Autos überfahren wirst. Das war auf jeden Fall ein Kulturschock. Oder wenn du sechs oder sieben Leute auf einem Moped siehst. Oder wenn Essen direkt auf der Straße serviert und gekocht wird.
Aber genau das war auch cool. Es war so anders als alles, was ich kannte. Ich bin auf Mallorca aufgewachsen und lebe jetzt in Berlin. Unterschiedlicher als mein Aufwachsen und Vietnam geht es kaum. Und genau das wollte ich sehen, fühlen und hören.

Du bist dort in eine Musikszene eingetaucht, in der alte Traditionen und moderner Pop selbstverständlich nebeneinander existieren. Was hat dich daran überrascht?


Ich glaube, als Außenstehender hört man sehr genau, welche Einflüsse aus alter Musik noch in der neuen Musik drinstecken. Vielleicht wissen wir bei deutscher Musik gar nicht mehr so genau, wie viele alte Einflüsse da noch mitschwingen. In Vietnam habe ich das sehr deutlich gehört.
Da gibt es diese ganz traditionellen Instrumente wie die Đàn bầu (Anm. d. Red.: einsaitige Kastenzither aus dem 18. Jhd.), die sehr präsent sind. Und ich fand es schön zu hören, wie stolz die Menschen darauf sind. Sie benutzen ihre eigenen Klänge, ihre Traditionen, ihre Instrumente. Das fand ich sehr, sehr cool. Und deshalb wollte ich das unbedingt auch in meinem Song haben: ganz traditionelle vietnamesische Musik, aber eben auch das Neue. 

Du hast unter anderem mit vietnamesischen Musikerinnen und Musikern gearbeitet. Wie war diese Begegnung für dich?


Es gab einen modernen Sänger, Mai Chí Công, ich glaube, er war 19 oder 20. Und dann gab es den Then-Gesang, der sogar UNESCO-Weltkulturerbe ist. Die Künstlerin hieß Hoàng Thị Bích Hồng. Jedes Mal, wenn sie im Raum war, war da sofort eine andere Atmosphäre. Sie hatte so eine Ruhe und gleichzeitig so eine Kraft. Man hat sie direkt gespürt.

Und obwohl sie schon so viel erlebt hat und sie schon vor so vielen Menschen gesungen hat, war sie total wissbegierig und nervös, Teil davon zu sein. Sie hatte noch nie westliche Musik gemacht. Das war schön zu sehen: Jemand, der seit 60 Jahren Musik macht, wird plötzlich in eine ganz neue Welt katapultiert und fühlt sich wieder so, als würde er etwas zum ersten Mal einsingen oder einspielen.

Bild: Stefan Cordes/ZDF

Nico Santos (2.v.r.) mit dem vietnamesischen Musiker Mai Chí Công (l.), der vietnamesischen Volkskünstlerin Hoàng Thị Bích Hồng (2.v.l.) und dem Local Guide Phạm Thùy Mi (r.).

Was hat dich in der Zusammenarbeit besonders beeindruckt?


Der Respekt. Egal, welche Musik jemand gemacht hat: Keine Musik war kleiner oder größer oder wichtiger. Jeder hatte Respekt vor der Kunst der anderen Person. Das war sehr schön.

Bei „Song Trip“ geht es nicht nur darum, einen Song neu zu arrangieren, sondern ihn wirklich durch ein anderes Land verändern zu lassen. Was hat „Play with Fire“ durch Vietnam dazugewonnen?


Für mich war das Wichtigste, mit einer Version rauszugehen, die nicht klingt wie meine Originalversion. Im besten Fall sollte jedes Instrument aus Vietnam kommen oder dort eingespielt werden. Und das haben wir Gott sei Dank geschafft.
Ich war mit einem Kumpel dort, der als Produzent dabei war, und ich habe gesagt: Es wird vielleicht ganz anders klingen als der Originalsong, aber lass uns alles machen, lass uns das wagen. Lass uns alle möglichen Atmosphären aufnehmen. Der Song fängt jetzt mit einer Aufnahme an, die wir mitten auf der Straße gemacht haben. Da gibt es so einen Swoosh, so einen Riser, wie man ihn manchmal vor einem Song hört. Bei uns ist das einfach ein Moped, das neben uns vorbeifährt.

Dann beginnt der Song mit einem großen vietnamesischen Chor und eine Đàn bầu. Wir wollten so viel Vietnam wie möglich in „Play with Fire“ haben, sodass man den Song zwar noch erkennt, aber trotzdem eine ganz andere Version hört. 

War es für dich leicht, den Song, so wie er war, loszulassen?


Ja. Es gibt Künstlerinnen und Künstler, die vorher genau wissen wollen, mit wem sie arbeiten. Ich habe gesagt: Leute, ich lege die Verantwortung ab. Ich will einfach alles aufsaugen. Das, was kommt, kommt. Und dann machen wir das Beste daraus.
Ich hatte wirklich großes Glück. Ich hatte super nette Künstlerinnen und Künstler um mich herum, und es war sehr easy, mit ihnen Musik zu machen. Alle haben neue Ideen und neue Inspirationen in den Song gebracht. Neue Instrumente, neue Lyrics. Ich glaube, das war das Coolste, was mir auf dieser Reise passieren konnte.

Eine deiner neuen Singles heißt „Optimist“. Sie handelt davon, den eigenen Blick bewusst zu verändern. Hat Vietnam dieses Gefühl noch einmal verstärkt?


Ja, ich glaube wirklich. Es gab auf der Reise immer wieder Momente, in denen Sachen schwierig waren oder schiefgelaufen sind. Auf einer Fahrt von Hanoi nach Sapa sind uns hunderte Dinge passiert, die leider nicht funktioniert haben.
Aber ich glaube, genau dadurch habe ich die kleinen Sachen noch mehr wertschätzen gelernt. Ich bin positiver geblieben und habe mir gesagt: Nico, sieh die schönen Sachen. Sieh die positiven Dinge, die dadurch passieren. Davon habe ich sehr viel mitgenommen. 

Hat die Reise auch deinen Blick auf Musik verändert?


Auf jeden Fall. Vietnam hat mir noch einmal eine größere Bandbreite gegeben. Ich habe mehr Inspiration dafür bekommen, wie etwas klingen kann. Es gab zum Beispiel einen Moment, in dem mir einer der Künstler etwas vorgespielt hat: erst instrumental, dann Gesang, dann wieder instrumental, aber gepaart mit einem Beat, den er selbst gebaut hatte.
Das sind Sachen, die man vielleicht auch auf meiner Tour sehen wird. Allein dafür hat sich der Trip schon gelohnt. 

Wo du schon die Tour ansprichst: 2026 spielst du große Arena-Shows. Nimmst du etwas von diesem Gefühl mit auf die Bühne?


Ja, total. Die Tour ist für mich die ganze Zeit schon so ein großes Thema, weil sie relativ am Ende des Jahres stattfindet. Seit dem 1. Januar 2026 freue ich mich auf den Start dieser Tour. Für mich ist sie der große Abschluss dieses Jahres. Wir reden über nichts anderes. Das macht schon echt viel Vorfreude.


Wenn du Nico Santos nach seiner Reise in den Norden Vietnams live auf seiner Arena-Tour 2026 erleben möchtest, bekommst du deine Tickets auf eventim.de.

Nico Santos Tickets
Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren