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Interview: Wir haben mit FiNCH über sein neues Album „AUSSENSEiTER SPiTZENREiTER“ und denkwürdige Live-Momente gesprochen

01.07.2026 von Felix Goth

Genau eine Woche, bevor FiNCH mit gleich zwei Stadionshows sein HEiMSPiEL in der Alten Försterei – der Heimstätte des 1. FC Union Berlin – feiert, hat der Musiker am Freitag, den 26. Juni, sein mittlerweile sechstes Studioalbum „AUSSENSEiTER SPiTZENREiTER“ veröffentlicht. Das kompakte Release umfasst neun Tracks und zeigt einmal mehr, wie mühelos sich FiNCH zwischen unterschiedlichsten Genres bewegt.

Neben den Solosongs finden sich auf dem Album Features mit den Russian Village Boys, die ihn einst als Supportact auf Tour begleiteten und auf „GOPSTAR“ gemeinsam mit ihm eine Hardtek-Eskalation vom Feinsten liefern. Mit Bausa präsentiert er auf „MiT EiNEM AUGE ZU“ hymnisch angehauchten Urban-Pop, während das Reggae-inspirierte „KOH PHANGAN“ mit GReeeN endgültig unterstreicht, dass FiNCH sich nicht in musikalische Schubladen stecken lässt.

Auch die Solotracks könnten vielseitiger kaum sein. Während „FiNCH vs. FiNCH ASOZIAL“ als Rocksong mit einem tiefgehenden Zwiegespräch mit seinem eigenen Ich von vor 10 Jahren daherkommt, bewegen sich „MEHR ALS NUR EiN FAN“, „PROLET“ und „DU BRiNGST MiCH UM“ zwischen Techno-, Happy-Hardcore- und Trance-Einflüssen. Der Opener „iNTRO“ hingegen ist purer Rap – mit klitzekleinem Techno-Ausbruch.

Das emotionale Zentrum des Albums dürfte jedoch „TANKE“ sein – eine Hymne für alle, die ihre Abende lieber an der Tankstelle als im Szeneviertel verbringen und zwischen Chillen, Gesprächen und Feiern ihren eigenen Mikrokosmos schaffen. Passend zum Song erschien ein stimmungsvolles Musikvideo.

Eben dort, an der Tankstelle aus dem Video, fand schließlich auch die Releaseparty zum Album statt. Im Rahmen des Events hatten wir die Gelegenheit, mit FiNCH über das neue Album, seine Entwicklung als Künstler und denkwürdige Live-Momente zu sprechen.

Moin FiNCH! Heute ist „AUSSENSEiTER SPiTZENREiTER“ erschienen, first things first: Happy Releaseday! Mit dem Wissen von mittlerweile sechs Studioalben im Kopf: Gibt es etwas, das du deinem 2019er-Ich (bzw. eher 2018er-Ich) für die Produktion von „Dorfdisko“ raten würdest?

Genieß deine Zeit. Fahr zum Songschreiben weg, mach das nicht mehr nur im Studio, sondern fahr in den Urlaub und mach es dort mit deinen Freunden. Verkopf dich nicht so. Wenn Songs nicht sofort ankommen, ist das egal. Die können auch fünf Jahre später noch ankommen. Durch TikTok kann ein zehn Jahre alter Song auch zehn Jahre später noch mal nach oben ploppen. Also: nicht so verkopfen, entspannter nehmen.

Nach zuerst zwei Top2 Alben und dann drei Top1 Alben in Folge: Spürst du heute eher Druck, Erwartungen erfüllen zu müssen, oder überwiegt das Gefühl von Freiheit, tun zu können, worauf du Bock hast? 

Freiheit spüre ich, wenn der ganze Scheiß in meinem Leben vorbei ist. Nee, Freiheit auf gar keinen Fall. Druck ist natürlich da. Gerade in der Woche kurz vor dem Release und in der Woche des Releases, mit Charts und so, da ist natürlich immer Druck da. Also Druck, Druck, Druck. Wie Rene Redo sagen würde.

Auf „AUSSENSEiTER SPiTZENREiTER treffen wieder unterschiedliche musikalische Einflüsse aufeinander. Hast du damit alles untergebracht, was dich musikalisch geprägt hat – oder gibt es noch Genres, in denen du dich ausprobieren willst?

Ich habe mal wieder was Neues ausprobiert. Mit der GReeeN-Nummer, mit „Koh Phangan“, eine Reggae-Nummer quasi. Ich bin aber für alles offen, und das ist nur ein weiteres Puzzleteilchen im ganzen Konstrukt. Ausgetobt habe ich mich noch nicht. Es gibt auch Musikrichtungen, die ich schon gemacht habe und die ich auch mal wieder machen will, weil ich dann irgendwann Bock drauf habe. Aber jetzt gerade war der Vibe so, wie er war. Und ich bin sehr zufrieden mit dem ganzen Produkt am Ende.

Wie kommst du eigentlich auf deine Features? Du hast mit sehr unterschiedlichen Acts gearbeitet – von Silbermond über Matthias Reim, Blümchen, Katja Krasavice und Scooter bis jetzt zu GReeeN, Bausa und den Russian Village Boys.

GReeeN kenne ich schon seit 2019. Da habe ich ihn das erste Mal auf einem Festival in Österreich kennengelernt. Wir kennen uns jetzt schon seit sieben Jahren und haben jetzt das erste Mal was zusammen gemacht. Das war relativ zufällig, dass wir zur gleichen Zeit in Thailand waren. Dann haben wir unsere Geschichten füreinander erlebt, jeder hat seine Sache erlebt, und darüber haben wir dann Musik gemacht.

Die Bausa-Nummer war schon länger geplant. Da hatten wir mehrere Anläufe gebraucht, und dann hat es wunderbar geklappt. Und die Russian Village Boys, das dritte Feature auf meinem Album, mit denen habe ich auch schon sehr, sehr lange Kontakt. Ich glaube, die haben mich 2020 schon zu ihrem Konzert eingeladen. Das wurde dann wegen Corona abgesagt, glaube ich, oder ich konnte nicht. Irgendwas war. Und sie waren ja auf meiner Tour auch als Voract dabei. Dann war klar: Wir müssen mal was zusammen machen.

Gibt es noch Feature-Träume, die du dir erfüllen willst?

Es gibt noch ein paar Träume, die ich mir erfüllen will. Näheres dazu dann irgendwann, wenn ich Lust habe, darüber zu reden.

Deine Stadionshows in der Alten Försterei stehen kurz bevor. Was war für dich bisher der beeindruckendste Moment als Artist auf der Bühne?

Das kann ich nicht sagen. Es waren zu viele gute Konzerte. Ich will keins abwerten. Aber natürlich war die Open-Air-Tour 2024 schon sehr, sehr, sehr krass. Allein schon mit diesem Flug mit dem Helikopter zum Wacken und wieder zurück. Ich glaube, dieses Wochenende war das krasseste: Wuhlheide, Wacken, Wuhlheide – drei Ws. Das war schon geisteskrank. Die ganze Open-Air-Tour.

Und welcher Konzertmoment ist dir als Fan im Publikum besonders im Kopf geblieben?

Rock am Ring 2023 bei Flogging Molly. Sehr lustig. Als ich mit einem Lasso auf dem Rücken von irgendjemandem saß und Menschen im Moshpit gefangen habe. Das waren so zwei, drei, vier, fünf Momente – ich weiß nicht, wie viele das jetzt waren –, die mir sehr im Kopf geblieben sind. Aber ansonsten: Ich glaube, wenn mal Ruhe eingekehrt ist, dann ploppen manchmal wieder ein paar Momente hoch, wo man sagt: Ey, wisst ihr noch, das und das war geil? 

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