Bild: Daniel Olsén
In unserer neuen Serie „Backstage“ treffen wir Künstler und Bands hautnah und sprechen mit ihnen über alles, was mit dem Live-Erlebnis zu tun hat: Triumphe und Pleiten, ihren ersten Konzertbesuch – und verrückte Tour Rider. Dieses Mal trafen wir Björn Dixgård, Sänger der schwedischen Rockband Mando Diao, deren elftes Album „Boblikov’s Magical World“ gerade erschienen ist. Ende November kommt die Band damit auf Deutschlandtour.
Björn Dixgård: Meine Schwester sagt, es war ein Typ namens Stefan Andersson, ein Kitsch-Sänger aus Schweden. Der schlechteste Troubador, den man sich vorstellen kann! Daran kann ich mich aber nicht erinnern. Die erste Show, an die ich mich erinnere, ist The Hooters. Sie spielten auf dem Dalarock Festival, dem Vorgänger des Peace & Love-Festivals in meiner Heimatstadt Borlänge. Ich war damals 14 und durfte mit meiner Schwester dorthin. Sie ist sechs Jahre älter als ich. Durch sie lernte ich INXS, Madonna, Blur, Oasis und all so Sachen kennen. Sie hatte immer einen Freund, dadurch war ihr Zimmer meistens leer und ich konnte mich durch ihre Plattensammlung hören. Und sie nahm mich auch oft mit auf Konzerte.
Ich war immer fasziniert von Musikern, schon als kleines Kind. Wenn wir damals, in den Achtzigern, in den Zirkus gingen, sah ich mehr den Musikern der Band zu als den Artisten! Ich spürte immer etwas sehr Großes, wenn ich ihnen zusah – und das ist heute noch so. Musik gehört für mich zu den wenigen Dingen im Leben, die magisch sind. Ein Kind zu bekommen ist magisch, Liebe ohne Grenzen kennenzulernen. Und Musik hat für mich auch eine Magie.
Da gibt es so viele! Unsere Auftritte beim Hurricane und Southside Festival letztes Jahr zum Beispiel. Für uns markierten diese Shows einen neuen Hitzerekord. Es war so warm, dass ich ein paar Mal das Gefühl hatte, als würde ich ohnmächtig werden (lacht). Aber die Shows und das Publikum waren großartig! Danach dachte ich nur: Wenn die Leute bei 40 Grad so abgehen, ist die Zukunft für Live-Shows groß! Für uns waren das mit die ersten Shows nach der Corona-Pause und es war schon auch angsteinflößend, wieder auf die Bühne zu gehen. Wir waren nicht mehr dran gewöhnt.
In der Großen Freiheit in Hamburg hat man eigentlich immer ein großartiges Publikum. In Schweden ist der Sound oft ein Problem, das ist in Deutschland so viel besser! Außerhalb von Deutschland mag ich das Razzmatazz in Barcelona sehr gerne.
Das kommt immer drauf an. Manchmal ist es witzig, etwas zu hören, das das komplette Gegenteil von dem ist, was man selbst macht. Zuletzt haben wir viel Neunziger-Jahre-HipHop gehört – Ice T, Ice Cube, 2Pac und so Sachen. Wenn man dann seinen ersten Song spielt und der so komplett anders klingt, ist das immer lustig. Ein kleines Selbstexperiment. Manchmal hören wir aber auch alte Bob-Dylan- oder Rolling-Stones-Platten.
Ich finde Rufus Wainwright ist ein unglaublich guter Songwriter, er ist sehr talentiert. Ich arbeite gerade an einem Soloalbum, das erscheinen soll, wenn bei Mando Diao gerade mal nichts ansteht, und er ist ganz oben auf meiner Liste.
Oh ja, oft sogar. Als ich Paul McCartney das erste Mal sah, ich glaube es war 2004, habe ich praktisch das ganze Konzert durchgeweint, weil ich so großer Beatles-Fan bin und es so eine tolle Show war. Das war eine der ersten Tourneen, auf der er wieder Beatles-Songs spielte und er machte das so gut – das war wirklich bewegend. Wenn ich selbst auf der Bühne stehe, bewegt mich auch das Publikum oft sehr. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, das man bei Konzerten hat, ist sehr stark. Die Tränen versuche ich mir aber zu verkneifen, weil ich dann nicht mehr singen kann. Aber nach unseren Shows habe ich schon oft geweint. Bei unserem ersten Konzert nach dem Ausstieg von Gustaf haben wir alle geweint! Wir waren vorher so angespannt, weil wir nicht wussten, wie die Leute reagieren, aber die Show war total gut und am Ende waren wir super erleichtert. Ich könnte hier von so vielen Abenden erzählen – wir sind ja Veteranen (lacht)!
Auf unserer ersten Tour durch Amerika gab es eine Menge Lowlights! Das war eine der spaßigsten Touren, die wir je absolviert haben, und gleichzeitig die grauenhafteste. Wir hatten zu unserem ersten Album gerade eine super erfolgreiche Tour durch Japan absolviert und vor Tausenden Besuchern gespielt. In Amerika kamen – bis auf die großen Städte wie New York und Los Angeles – oft nur eine Handvoll Leute. In Philadelphia tauchte wegen eines Schneesturms eine einzige Person auf. Wir fingen dann an, neue Songs zu proben, was ziemlich peinlich wurde, denn wir standen dabei mit dem Rücken zum Publikum und im Laufe des Konzerts kamen doch noch mehr Leute – ohne, dass wir es merkten… In Phoenix derweil rauchte ich vor der Show einen Joint – etwas, das bei uns tabu ist, genau wie Alkohol. Ich war deshalb die ganze Show über paranoid (lacht).
Nicht wirklich. Unser Drummer Patsu macht immer Push-Ups. So weit gehe ich nicht, aber ich fange schon an, mich etwas zu bewegen, um warm zu werden. Ansonsten versuche ich so wenig es geht zu sprechen, um meine Stimme zu schonen. Das wichtigste auf Tour ist eigentlich, mit seiner Energie zu haushalten und positive Vibes zu haben. Denn ohne die… Auf Tour zu gehen, ist wie mit der Familie in den Urlaub fahren. Wenn sich jemand daneben benimmt, funktioniert es nicht.
Eine Weile hatten wir Beatles-Postkarten auf unserem Rider stehen. Aber bis auf Japan haben wir die nie bekommen. Ansonsten steht bei uns wirklich nichts verrücktes drauf. Das Ding ist ja: Als Band bezahlt man den Rider doch selbst! Von daher halten wir uns zurück. Was übrigens in jedem Backstage-Raum fehlt, ist ein Flaschenöffner. Das klingt sehr unglamourös, aber ich habe in 20 Jahren nicht einen einzigen gesehen. Zum Glück haben wir immer Snus Tabak dabei, mit den Dosen kriegt man Flaschen auch auf.
Die Deutschlandtour von Mando Diao startet am 28. November in Berlin. Die genauen Termine und Tickets findet ihr, wenn ihr auf den Button klickt.