Bilder: C. Hasselbusch, WMG, Universal Music
Nächste Woche ist Weltfrauentag, ein wunderbarer Anlass für das Team vom HEADLINER, einigen subjektiv ausgewählten Heldinnen unterschiedlichster Genres unsere kleine Bühne zu bieten! Den Start für unseren Countdown in Richtung Weltfrauentag machen wir mit Sprechgesang.
Rap ist ja eigentlich eine Musikrichtung, die vor testosteronlastigem Gepose nur so strotzt. Lauter Typen, die sich darum streiten, wer die dicksten Autos fährt, die schwerste Uhr am Handgelenk hängen hat, das meiste Geld stapelt und die heißesten Frauen im Musikvideo tanzen lässt. Wie soll das jetzt bitte zum Weltfrauentag passen?! Easy: Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe Künstlerinnen, die sich nicht mehr auf Auftritte im Musikvideo oder Gesang im Refrain beschränken lassen – sondern in erster Reihe mitmischen.
Und das in allen Spielarten und Facetten, die das Genre bietet. Man kann Artists wie Shirin David oder Katja Krasavice dabei zuhören, wie sie mit Designerdrip und Moneystacks flexen. Genauso gut kann man sich aber auch Juju oder Antifuchs geben und eher Battle- und THC-fokussierten Lyrics lauschen. Oder man hört Ebow, Nura oder Eunique – die gerne mal politische Botschaften in ihre Tracks einfließen lassen. Oder, oder, oder. By the way: Das mit den politischen Botschaften wollen wir den anderen Künstlerinnen auf keinen Fall absprechen! Wer sich in so einer gefühlten Männerdomäne breitmacht und für Sichtbarkeit sorgt, macht doch irgendwie von ganz allein ein Statement, oder?
Als Missy Elliott ihre Karriere Mitte der Neunziger startete, war die Welt komplett anders. Von Emanzipation und Gleichberechtigung war man damals (gerade im kleinen Rapkosmos) noch viel weiter entfernt als heute. Natürlich gab’s aber auch damals schon Ausnahmen wie Nina MC, die mit Deichkind Charterfolge feiern konnte oder Schwester S. vom Rödelheim Hartreim Projekt, die später solo als Sabrina Setlur ihre Kollegen locker in den Schatten stellte und bis heute die erfolgreichste deutsche Rapperin ist. Aber Missy Elliott ist nicht nur wegen ihres krassen Erfolges (knapp 25 Millionen verkaufte Tonträger) einzigartig. Wie sie damals einfach ihr Ding durchgezogen hat, das ist unvergleichlich. Mit komplett außergewöhnlichen Musikvideos, die sich keinem ästhetischen Diktat unterwarfen, mit einem komplett eigenständigen Sound, den man so sonst nirgendwo zu hören bekommen hat – kein Wunder, dass ihr Debütalbum von 1997, „Supa Dupa Fly“, auch heute noch supergut durchhörbar ist. All killers, no fillers! Und statt die Platte auf dem Label von P. Diddy zu veröffentlichen, hat sie einfach ihr eigenes gegründet. Missy hat viele der Werte, die sich heute Initiativen für Selbstakzeptanz, für Emanzipation und Gleichberechtigung auf die Fahnen schreiben, damals schon ganz intuitiv vorgelebt – we like!
Mit ihrer I-don’t-give-a-fuck-Attitüde ist Nicki Minaj sicherlich ein absolutes Vorbild für viele andere Künstlerinnen. Ob Shirin David in Deutschland, Cardi B in den USA oder ganz viele andere. Nicki lässt sich von niemandem in ihre Musik und ihre Performance reinreden. Findest du ihre Videos zu aufreizend? Nicht ihr Problem, guck halt Videos von wem anders. Wieso macht die jetzt plötzlich Chart-Pop mit David Guetta statt weiter Rap-Tracks zu droppen? Wen interessiert deine Meinung – der Club feiert Nicki für jeden einzelnen ihrer Good-Mood-Party-Banger! Man muss weder die Musik von Nicki Minaj mögen noch die Ästhetik, die sie in ihren Videos immer wieder zelebriert. Aber man sollte auf jeden Fall Respekt vor einer Künstlerin haben, die alles ihrer Vision von Musik und Frausein unterordnet und konsequent durchzieht. Und dieser Respekt drückt sich dann eben auch in globalem Erfolg aus: Zig Milliarden Klicks auf ihrem YouTube-Account, ebenso auch auf Spotify, millionenfach verkaufte Tonträger, zahlreiche Auftritte in Kinofilmen und TV-Serien sprechen eine deutliche Sprache.
Kann man zum Weltfrauentag eine Rapperin feiern, die mal mit der Zeile „Ich ficke deine Mutter ohne Schwanz“ in die Szene geplatzt ist? Wir finden: auf jeden Fall! Auch wenn das inhaltlich natürlich drastisch ist – das sind halt die Regeln im Battlerap. Man versucht die Konkurrenz mit allen Mitteln in die Schranken zu weisen, solange es nur auf dem Textblatt bleibt. Dafür spart man sich die reale, physische Gewalt. Wer lyrisch auf den Brettern liegt, muss halt nicht mehr ausgeknockt werden – easy. Und dass Juju (damals noch mit SXTN-Partnerin Nura, mittlerweile beide auf Solo-Pfaden unterwegs) Battlerap kann, beweist sie seit damals immer wieder. Wer sich in dieser zuweilen toxisch-männlichen dunklen Ecke der Musik breit macht, sorgt dann eben automatisch auch dafür, dass wirkliche Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern in allen Lebensbereichen ein Stückchen mehr zur Normalität wird. Stabil! Dass Juju sich aber nicht auf Battlerap beschränkt, steht längst außer Frage. Nach zwei Alben mit SXTN hat sie im Sommer 2019 ihr erstes Solo-Album „Bling Bling“ veröffentlicht und lässt darauf noch viel mehr Facetten ihrer künstlerischen Identität erkennen. Chartpop-Qualitäten bewies sie auf Singles wie „Melodien“ und „Vermissen“ – mit denen sie gleich noch ein paar männlichen Musikkollegen unter die Arme griff und Capital Bra und Henning May mit auf die wilde Fahrt in Richtung #1 nahm.