Bild: Universal Music, Machado Cicala, Sølve Sundsbø
Nächste Woche ist Weltfrauentag – ein wunderbarer Anlass, einigen subjektiv ausgewählten Heldinnen unterschiedlichster Genres unsere kleine Bühne zu bieten! Haben wir in den vergangenen Tag bereits den starken Frauen des Rap-, des R'n'B- und des Rock- und Metal-Genres gehuldigt, dürfen die Heldinnen des im wahrsten Sinne des Wortes populärsten Musik-Genres natürlich auf keinen Fall fehlen. Allein schon die schiere Anzahl der Vertreterinnen hat es uns aber recht schwer gemacht, eine persönliche Top 3 auszuwählen.
Doch erst mal vorweg: Was kann man über den Pop sagen? Kein anderes Genre hat wahrscheinlich unsere Alltagskultur seit Mitte des 20. Jahrhunderts so sehr geprägt. Von kreischenden Teenies bei einem Beatles-Konzert über mediale Skandale zur besten MTV-Sendezeit bis hin zu unsterblichen Songs wie „Heroes“, „Thriller“ oder „Like a Virgin“ – durch jedes Jahrzehnt hat er uns begleitet, sich mit uns weiterentwickelt und dabei mehr als eine Handvoll Weltstars am ewigen Pop-Olymp platziert. Popmusik ist vielfältig genauso wie seine Akteurinnen und Akteure. Doch auch die Schattenseiten der Industrie sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Gerade weibliche Stars werden von der Presse oberflächlich behandelt, oft steht ihr Aussehen und Privatleben mehr im Mittelpunkt als ihr Talent. Gut veranschaulicht auch im Musikvideo zu „The Man“ von Taylor Swift, in dem die Sängerin unter anderem diese mangelnde Gleichberechtigung in der Branche anprangert.
Tja, und da kommen wir wieder zur Krux an der Sache: Auch wenn im Nachfolgenden das Spotlight ausschließlich auf die Ladies des Genres gerichtet wird, fällt die Auswahl alles andere als leicht. Große Namen, die alle ihre Spuren hinterlassen haben. Allein auf Anhieb schießen uns eine ganze Reihe davon durch den Kopf – von Madonna und Christina Aguilera über Lady Gaga, Céline Dion, Jennifer Lopez, Shakira, Whitney Houston, Rihanna und Miley Cyrus bis hin zu Beth Dito und Peaches. Und die Spice Girls gibt’s auch noch…oder wieder! Für wen soll man sich da nur entscheiden? Nun, seht selbst.
Cher ist ein Pop-Phänomen der ersten Stunde: Den Grundstein für ihre rekordgleiche Karriere legte sie bereits in den 60ern mit ihrem damaligen Ehemann Sonny Bono im Duo. Schon damals konnte man erahnen, welches Potenzial in dieser Frau steckte. Klug, wandelbar, eigenständig und mit sehr viel Selbstironie ausgestattet, startete sie anschließend solo durch. Dabei war ihr großes Ziel immer die Selbstverwirklichung. Was andere davon hielten, war und ist der Medienikone gelinde gesagt ziemlich egal. Und der Erfolg gab ihr Recht.
Wenn man so will, hat Cher das Pop-Game nicht nur schon mehrfach durchgespielt, sie hat dem Genre ihren Stempel unwiderruflich aufgedrückt. Noch vor Lady Gaga, Madonna & Co. erfand sie sich laufend neu, experimentierte nicht nur mit ihrer Musik und machte damit ganz nebenbei den Auto-Tune salonfähig, sondern legte zudem noch eine Oscar-prämierte Schauspielkarriere hin – ganz abgesehen von ihrem Einfluss auf die Mode-Welt. Dass ihre Unabhängigkeit für sie an erster Stelle stand, brachte sie 1996 bei einem Interview auf den Punkt: „Meine Mutter sagte zu mir ‚Eines Tages solltest du sesshaft werden und einen reichen Mann heiraten‘. Ich sagte: ‚Mama, ich bin ein reicher Mann.’”
Auch über 20 Jahre später lässt sie keinen Zweifel daran, dass sie sich diesen Status hart erarbeitet hat. Mit starken Statements über Twitter oder aber beispielsweise als sie beim Women’s March 2018 in Las Vegas die Frauen aufforderte, weiterhin für ihre Rechte zu kämpfen, Ungerechtigkeit nicht einfach hinzunehmen und die Politik mitzugestalten. Dem ist nichts hinzuzufügen!
Cher sagte einst über P!nk: „Ich bewundere jeden, der sich für das einsetzt, woran er glaubt – ganz egal ob Mann oder Frau. An etwas zu glauben – vor allem wenn andere das nicht tun – ist ziemlich schwierig heutzutage.“ Und wenn man eines über Alecia Moore aka P!nk sagen kann, dann, dass sie definitiv dafür einsteht, woran sie glaubt. Anstatt sich zu Beginn des neuen Jahrtausends von ihrer Plattenfirma ein Image aufdrücken zu lassen, forderte sie mehr Einfluss und grundlegende Veränderungen für ihre musikalische Zukunft. Zu dieser Zeit ein mutiger Schritt für eine Künstlerin Anfang 20, die gerade erst ihr Debüt veröffentlicht hatte. Doch mit der Hilfe ihres Jugendidols Linda Perry, Ex-Frontfrau der 4 Non Blondes, schrieb sie den Nachfolger „M!ssundaztood“, landete damit einen internationalen Erfolg und der Rest ist Geschichte: #1-Alben, ausverkaufte Touren rund um den Globus und Auszeichnungen en masse.
Ihre Bühnen-Perfomances spielen zudem in einer ganz eigenen Liga. Kein Wunder, dass die New York Times sie als „bahnbrechendste Künstlerin“ ihrer Pop-Generation betitelte. Außerdem nutzt die Sängerin ihre Popularität und ihre Musik, um sich für Minderheiten und das „Anderssein“ stark zu machen sowie Missstände anzuprangern wie beispielsweise in ihrem Song „Dear Mr. President“. 2015 wurde sie zudem zur UNICEF-Botschafterin ernannt. Über alldem steht eine Persönlichkeit mit einem klaren Standpunkt: Ich bin schön, so wie ich bin, und ich werde nichts davon verändern, nur weil es anderen nicht passt. „So raise your glass, if you are wrong in all the right ways!”
Von Null auf Weltstar in ein paar Augenblicken – auf diese einfache Formel lässt sich die bisherige und noch recht frische Karriere von Billie Eilish reduzieren, wenn man es ultrakurz haben möchte. Mit DIY-Sound aus dem Homestudio und einem äußerst eigenwilligen Style hat es die Musikerin und Sängerin innerhalb kürzester Zeit geschafft, eine weltweite Fanbase aufzubauen. Gemeinsam mit Bruder Finneas schreibt sie Songs, und wer weiß, vielleicht schafft sie es ja in Zukunft, ihn auch noch zum Star zu machen.
Bemerkenswert: Billie entzieht sich den in Instagram und anderen Medien vorgelebten Ansprüchen daran, wie eine Frau heutzutage auszusehen habe, völlig. Während Kollegin P!nk sich mit einer glücklich-in-jeder-Form-und-Größe-Attitüde ihren Kritikern stellt, legt die 19-jährige Sängerin sogar noch eine Schippe drauf und steckt sich ganz bewusst in möglichst weite Klamotten um irgendwelchen belanglosen Gossip über ihren Körper von vornherein gar nicht erst möglich zu machen. Und landet dann trotzdem auf dem Soundtrack zum irgendwann-wenn-es-wieder-möglich-ist in die Kinos kommenden neuen Bond-Film. Kann man da schon von einem Kampf gegen das System von innen sprechen? Oder fügt sich die Filmreihe vielleicht auch ein Stück weit den so dringenden gesellschaftlichen Entwicklungen? [FG]