Bild: Stefan Cordes/ZDF
Spannende Stars auf Entdeckungsreise und neue Interpretationen bekannter Hits zusammen mit lokalen Artists: Das sind die beiden Hauptzutaten des ZDF-Formats „Song Trip“. Auch dieses Jahr können wir uns wieder über Versionen bekannter Stücke freuen, die es ohne die jeweilige Reise wohl nie gegeben hätte. Nach dem Vietnamtrip von Nico Santos und Rea Garveys Besuch in Norwegen und Finnland, geht es morgen weiter mit neuen Eindrücken und neuer Musik. Bei der Watch Party sehen sich Peter Maffay, Nico Santos, Yvonne Catterfeld und Rea Garvey gemeinsam ihre Reisen an – und ihr könnt von zuhause aus mit dabei sein.
In der dritten Folge reist Yvonne Catterfeld auf die Kapverden und findet dort nicht nur neue musikalische Farben für ihren Hit „Irgendwas“, sondern auch ein anderes Gefühl von Zeit, Gemeinschaft und Leichtigkeit. Du kannst die Sendung morgen Abend um 23:30 Uhr im ZDF sehen oder jederzeit in der ZDF-Mediathek.
Im Interview erzählt die Musikerin von Batuko-Rhythmen, der Dachterrassen-Performance auf São Vicente mit den lokalen Stars Fattú Djakité und DIEG, der kapverdischen „Morabeza“ und davon, warum ausgerechnet ein geplatzter Plan zum Motto ihrer Reise wurde.
Ich finde das Format wirklich besonders – und es gibt immer weniger davon auf diesem Niveau. Man bekommt kulturell etwas vermittelt, ohne dass es sich nach Lehrfilm anfühlt: Es ist unterhaltsam und leicht, aber trotzdem gehaltvoll.
Mich hat gereizt, dass ich gerne reise und andere Länder und vor allem Kulturen entdecke. Und ich wusste: Es ist im Januar – für mich neben November der ekligste Monat. Ende des Jahres hat man noch das Gefühl: kurz Pause, Weihnachten, alles zur Ruhe kommen. Und dann, im Januar, knallt es sofort wieder: Der Druck steigt, es geht los. Genau da p*assten die Kapverden perfekt – weil dort das Leben nach einem völlig anderen Rhythmus funktioniert.
Musikalisch kam mir das am nächsten. Ich höre zu Hause keine deutsche Musik – seit meiner Jugend viel englischsprachige Musik: Soul, Acoustic Rock, Reggae, afrikanische Musik. Kapverdische Musik ist noch einmal etwas Eigenes: Diese Mischung aus brasilianischen, portugiesischen und afrikanischen Einflüssen – die Morna mit ihrer tiefen Melancholie, der mitreißende Funáná – das hat mich total fasziniert. Und ich wollte schon immer mal dorthin.
Wir waren nicht auf den klassischen Touristeninseln, sondern auf Santiago – dem rauen, lebendigen Herzstück des Archipels. Dort ist das Leben sehr ursprünglich, und es herrscht auch viel Armut. Am Anfang hat mich das kurz erschrocken – wir fuhren durch sehr arme Viertel, überall lag Plastikmüll. Die Landschaft war trotzdem wunderschön. Die Kapverden sind ein Archipel aus zehn ganz unterschiedlichen Inseln – auf manche davon möchte ich unbedingt noch.
Gleichzeitig kommt man durch so eine Sendung kulturell ganz anders an einen Ort heran, als wenn man dort Urlaub macht. Im Urlaub bewegt man sich meist in der Tourismusblase – echten Kontakt mit den Menschen, die dort wirklich leben, hat man selten.
Man ist schon immer ein bisschen außen vor. Aber was mich sehr berührt hat: Die beiden Künstler, Fattú Djakité und DIEG, waren unglaublich herzlich und immer dabei – nicht nur vor der Kamera, sondern auch dahinter. Beide haben Kinder und haben sich trotzdem so viel Zeit genommen. Das ist diese Morabeza, die man auf den Kapverden überall spürt – eine herzliche Offenheit ohne Hintergedanken.
Wir waren dann auch in einer berühmten Bar, in der viele große Musikerinnen und Musiker von Kap Verde spielen. Da war man plötzlich mittendrin in der Szene. Diese Lebensfreude, die die Menschen dort haben, vermisse ich manchmal in Deutschland. Dort wächst man mit weniger auf, ist auch mit weniger zufrieden – und nutzt das Leben auf eine andere Weise. Musik braucht dort keine Institution: Hier schickt man Kinder in die Musikschule. Dort wird alles von Generation zu Generation weitergegeben, auf der Straße, bei Festen, in der Familie. Da singt jeder. Für mich als Musikerin ist das ein Paradies.
Die Menschen sind entschleunigt. Sie laufen langsamer, man merkt, dass sie nicht so unter Zeitdruck stehen. Hier in Deutschland spürt man diese permanente Anspannung: Pünktlichkeit, Tüchtigkeit, alles muss funktionieren. Das sind gute Werte – aber manchmal sperren sie einen auch in einen engen Käfig ein.
Auf Kap Verde gibt es dieses Lebensmotto: „No stress.“ Am Anfang denkt man: Klar, das sagen alle. Aber die leben das wirklich. Und dann noch: „No plans.“ Eigentlich ist das schön – einfach mal keinen Plan haben. Für unser Team hat das sofort Stress ausgelöst, weil nichts nach Plan lief. Aber für mich wurde es fast zum Motto dieser Reise: Pläne über den Haufen werfen und schauen, was passiert.
Total. Ich hatte den Plan, den Song auf Englisch zu machen – ich dachte: Ich fahre auf die Kapverden, also singe ich ihn auf Englisch, dachte, das würde den Musikern auch entgegenkommen. Ich hatte den Text schon vorbereitet. Dann habe ich ihn auch als englische Version vorgesungen und DIEG sagte ganz vorsichtig: Er verstehe den deutschen Text zwar nicht, aber auf Deutsch mache der Song emotional mehr mit ihm. Das fand ich spannend und musste ich mir auch letzten Endes selbst eingestehen. Es gibt einfach Songs, die funktionieren nur auf Deutsch. Und andere funktionieren nur auf Englisch.
„Irgendwas“ hat auf Deutsch auch eine Wut. Wenn ich ihn bei Konzerten singe, merke ich, dass er etwas trifft – er spiegelt unsere Gesellschaft: immer mehr wollen, Konsum, materielles Denken, nie zufrieden sein. Viele im Publikum stehen da und denken: Ja, stimmt. Das macht irgendwas mit mir.
Und es ist viel Text rausgefallen. Manchmal ist eben weniger mehr. Die Künstler haben ihre eigene Strophe mit einem anderen Text eingebracht. Dadurch ist ein ganz anderer Song entstanden.
Ich durfte bei einer Gruppe von Frauen mitmachen, die Musik gemacht haben – Batuko. Die Frauen haben ein Leder zwischen den Beinen und machen mit den Händen unglaublich tolle Rhythmen darauf. Das ist überraschend anstrengend. Aber es kreierte eine gewaltige Energie und Power.
Ich erinnere mich auch an eine selbstgemachte Suppe, die über dem Feuer in einem riesigen Topf gekocht wurde, eine Cachupa. So etwas liebe ich. Alles, was ursprünglich ist. Wir machen das manchmal zu Hause im Garten auch, mit einem großen Kessel, Gulaschsuppe, viele Leute einladen. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass dort Verbindungen, Zugehörigkeit und das soziale Leben noch eine viel größere Rolle spielen.
Ich weiß noch, dass ich einen Gedanken dazu hatte: Der Song hat ja eigentlich eine Schwere und eine gewisse Wut, ist anklagend. Aber dort hat sich das umgedreht in Leichtigkeit, jemanden auffordern und einladen statt zu belehren. Es ging plötzlich darum, das Leben zu feiern, den Moment zu feiern und sich mit dem zufriedenzugeben, was man hat.
Am Ende geht der Song komplett in diese Leichtigkeit. Er macht Spaß, man will tanzen, man will sich bewegen. Solche Momente waren für mich im Leben immer prägend. Ich war mit 18 einmal allein in London, nach der Schule, und dort haben Musiker am Covent Garden gespielt. Die Leute haben auf der Straße getanzt. Daran hat mich das erinnert. Ich liebe das so. Das findet man hier in Deutschland selten.
Ja. Wir haben entschieden, den Song rauszubringen. Das war eigentlich nicht geplant, aber ich dachte: Warum nicht? Ich mag das Feeling von dem Song. Er war damals recht erfolgreich, und vielleicht freuen sich Leute darüber, ihn noch mal anders zu hören.
Musikalisch hat mich die Reise auf jeden Fall inspiriert. Ich liebe Reggae wirklich sehr! Nicht, dass ich jetzt Reggae mache, aber ich glaube, ich werde mit meiner Musik nach dem letzten Album „Move“, wieder mehr „back to the roots“ gehen. Mit meinem letzten Album Move, das eher Dance/Pop ist, habe ich experimentiert, und das hat mir super viel Spaß gemacht. Auch auf der Bühne, gerade bei der Tour. Aber jetzt komme ich vielleicht wieder mehr zu meinem Ursprung zurück, warum ich Musikerin geworden bin. Wie genau, weiß ich noch nicht. Aber ich habe schon eine Vision.