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Interviews

Backstage mit Yvonne Catterfeld: „Mein Anspruch ist eigentlich immer, die Leute zu überraschen“

11.04.2025 von Susan Barth

Yvonne Catterfeld ist ein echtes Multitalent – und das stellt sie seit über 20 Jahren in der gesamten deutschen Musik- und Medienlandschaft immer wieder unter Beweis: Egal, ob man sie als Sängerin und Songwriterin, Schauspielerin oder Coachin bei „The Voice of Germany“ kennt. Anfang März veröffentlichte sie ihr achtes Studioalbum „Move“ und legte damit einen künstlerischen Neustart hin. Die zwölf energetischen Songs machen Lust auf mehr. Mehr Mut, mehr Bewegung, mehr Leichtigkeit und natürlich: Mehr Yvonne Catterfeld. Da passt es hervorragend, dass sie im Mai durch Deutschland tourt. Im Interview erzählt die Künstlerin, auf welche Songs bei der „Move“-Tour sie sich am meisten freut, von ihren ersten Bühnenerfahrungen und warum sie auf ihrer letzten Tour ein Trampolin dabeihatte. 

Bild: Adam von Mack

In „Move“ singst du „I’ve been covered up in dust / Time to shake it off / I gotta move”. Was sind Dinge in deinem Künstlerinnen-Dasein, die du mit dem neuen Album in Bewegung bringen wolltest?

Der Song „Move“ war der Ausgangspunkt für das gesamte Album. Als ich ins Studio ging, wusste ich weder, worüber ich schreiben sollte, noch fühlte ich mich besonders motiviert. Also habe ich mich gefragt: ‚Was ist gerade das Ehrlichste?‘ – und das war dieses Gefühl des Stillstands, aus dem ich ausbrechen und etwas Neues in Bewegung setzen wollte. Das Album spiegelt diesen Prozess wider: Es geht darum, sich aus festgefahrenen Strukturen zu lösen, aktiv zu werden und sich selbst anzutreiben. Dazu passt es perfekt, dass die Musik tanzbar und clubtauglich ist und genau diese Energie transportiert. Obwohl ich erst etwas in Richtung „Good Vibes“ als Titel vor Augen hatte, finde ich „Move“ im wahrsten Sinne des Wortes bewegender. 

Dein Ziel war es also dich selbst und andere zu bewegen? 

Ja! Wenn ich etwas gut kann, dann ist es, Menschen zu motivieren. Musik hat für mich eine unglaubliche Kraft: Sie kann meine Stimmung komplett verändern und mir Energie schenken. Ich habe unzählige Playlists für unterschiedliche Emotionen – von Power- über Chill- bis hin zu Anger- oder Party-Playlists. Das Album ist genau aus diesem Gedanken heraus entstanden. Jemand sagte einmal zu mir: ‚Du hörst eigentlich immer Gute-Laune-Musik – warum machst du nicht einfach genau das?‘ Und da hat es ‚Klick‘ gemacht. Während mein letztes Album stark von persönlichen Themen geprägt war, habe ich diesmal viel mehr darauf geachtet, allgemeine Stimmungen und Sehnsüchte einzufangen. Mit dem Album will ich auch andere mitreißen und inspirieren. 

Deine Musik hat sich mit deinem neuen Album verändert. Und du singst seit deinem letzten Album auf Englisch. Wie kam es zu diesen Veränderungen?

Veränderung gehört für mich zum Leben dazu. Ich glaube, wir bereuen am meisten die Dinge, die wir nicht gemacht haben. Als ich 20 war, habe ich eigentlich nur auf Englisch gesungen, aber mein Plattenvertrag war an deutsche Songs gebunden. Auf Deutsch zu singen war eine Umstellung für mich. Es war fast so, als würde ich eine neue Sprache lernen. Ich habe es mit der Zeit lieben gelernt, aber trotzdem habe ich gemerkt, dass ich musikalisch auf Englisch andere Möglichkeiten habe, mich auszudrücken. Die Entscheidung, die Sprache zu wechseln, fühlt sich für mich deshalb sehr natürlich an!

Was inspiriert dich zu deiner Musik? 

Meine Inspiration kommt aus ganz unterschiedlichen Quellen. Beim letzten Album war es vor allem meine eigene Geschichte – persönliche Erfahrungen, Veränderungen, Emotionen… Das war fast wie Tagebuchschreiben. Dieses Mal bin ich oft mit leerem Kopf ins Studio gegangen, ohne genau zu wissen, wohin es gehen soll. Statt allein zu Hause zu schreiben wie bei den meisten Songs von Change, kam ich diesmal noch mehr in einen kreativen Austausch mit anderen. Am Ende geht es für mich immer darum: Was will ich mit einem Song auslösen? Soll er motivieren, aufbauen oder zum Nachdenken anregen? Diese bewusste Auseinandersetzung mit der Wirkung meiner Musik ist mir unglaublich wichtig. 

Viele deiner neuen Songs stecken voller Lebensfreude und Energie. Wo findest du davon am meisten in deinem Alltag? 

Tatsächlich auch in der bewussten Wahl von Musik! Zuhause läuft immer Musik, weil ich Stille nicht besonders mag. In der Natur ist das anders, da finde ich Ruhe schön, aber sonst brauche ich Musik um mich herum. Daneben ist mir Zeit mit meinen Liebsten am wichtigsten. Gemeinsam lachen, Quatsch machen, Humor teilen – das ist für mich essenziell. Und dann ist da das Tanzen. Das macht mich wirklich glücklich! Ich habe es für meine Videos wieder neu für mich entdeckt. Die Glückshormone, die dabei freigesetzt werden, sind einfach unglaublich. Und natürlich bringt mir auch mein Job wahnsinnig viel Freude. Auf der Bühne, im Studio oder beim Schreiben. 

Gibt es einen neuen Song, bei dem du dich besonders freust, ihn auf Tour live vor deinen Fans zu performen?

Ja, definitiv „Rock You“ und „Wanna Dance“. Da geht es genau um das, was in den Titeln steckt. Viele Menschen sind im Alltag oft angespannt und brauchen selbst auf Konzerten eine Weile, bis sie auftauen. Bei den beiden Songs können wir zusammen alles einmal abschütteln. Ich wünsche mir, dass wir zusammen tanzen! 

Viele deiner Fans begleitest du seit über 20 Jahren – und sie dich natürlich auch. Kannst du dich noch an dein erstes Konzert erinnern? Und daran, ob du sehr aufgeregt warst?

Ich glaube, das war mit Udo Lindenberg… Nein, das stimmt nicht! Meine ersten Live-Auftritte hatte ich, während ich studiert habe. Ich war in einer Band, in der ich 70er-Jahre-Songs von Michael Jackson oder Stevie Wonder gesungen habe und in einer Funk-Band – das hatte ich fast vergessen! Ich war sogar in einer zwölfköpfigen Salsa-Band. Ich kann mich witzigerweise gar nicht mehr erinnern, dass ich aufgeregt war. Ich glaube, das kam erst später. 

Vielleicht als du viel allein auf der Bühne standest?

Ich glaube, ja. Ich mag es total, mit der Band auf der Bühne zu stehen, ich bin gar nicht so gerne allein im Fokus. Das bin ich am Ende natürlich, aber das Zusammenspiel mit der Band gibt mir so viel. Deshalb ist es mir auch jetzt total wichtig, dass wir uns alle gut kennen und Spaß miteinander haben! Dadurch ist auch jedes Konzert immer ein bisschen anders. 

Hast du denn jetzt noch Lampenfieber? 

Ja, ich habe richtig schlimmes Lampenfieber. Es ist nie ganz verschwunden – obwohl man denkt, es müsste mit der Zeit besser werden. Vielleicht wäre das anders, wenn ich ausschließlich auf der Bühne stehen und ständig Konzerte geben würde. Aber da ich auch drehe und immer wieder Pausen dazwischen habe, fühlt sich jeder Auftritt ein bisschen an wie ein Neubeginn. Die Nervosität legt sich meistens nach ein, zwei Songs – dann kommt die Routine und der Spaß! 

Yvonne Catterfeld - In Between (Behind The Scenes)



Hast du bei Live-Auftritten einen hohen Anspruch an dich? 

Mein Anspruch ist eigentlich immer, die Leute zu überraschen und bei Live-Shows ihre Erwartungen zu übertreffen. Das ist natürlich ein hoher Anspruch. Zu hören, dass es jemanden noch mehr berührt, meine Stimme in echt zu hören und sie live noch besser findet als auf der Platte, ist ein so schönes Kompliment für mich. Man kann sich auf der Bühne ganz anders ausleben als im Studio, wo man zwar eine Vision und eine Vorstellung davon hat, wie es live sein wird, aber wo man eben immer nur gegen eine Wand singt.

Hast du bestimmte Rituale, bevor du auf die Bühne gehst?

Ja, vor allem gemeinsam mit der Band. Meine Gospelsänger sind großartig und übernehmen das gemeinsame Einstimmen und kleine Rituale. Das schweißt uns zusammen und sieht fast so aus wie bei einem Fußballteam vor dem Anpfiff, wenn alle im Kreis stehen. Gleichzeitig brauche ich vor dem Auftritt viel Zeit für mich. Ich bin meistens ziemlich angespannt und ziehe mich gerne zurück. Klar, manchmal schminke ich mich mit den Mädels zusammen, aber ich stimme mich auch allein ein. Ich singe mich ein, mache Atemübungen und, wenn möglich, baue ich Bewegung mit ein. Auf einer Tour hatte ich ein kleines Trampolin dabei – das war perfekt, um in die richtige Energie zu kommen. Denn auf der Bühne von null auf hundert zu schalten, ist gar nicht so einfach.

Als Jury-Mitglied bei The Voice hast du Menschen auf ihrem musikalischen Weg begleitet. Was nimmst du aus dieser Zeit mit?

Die Zeit bei The Voice war für mich total inspirierend – gerade in den ersten Jahren, in denen ich selbst musikalisch etwas weniger aktiv war. In der Rolle als Coach bin ich richtig aufgegangen, es hat mir unglaublich viel gegeben, für andere da zu sein, sie auf ihrem Weg zu begleiten und an ihr Potential zu führen. Und irgendwann hat die Arbeit mit so vielen talentierten Menschen in mir die Lust geweckt, selbst wieder Musik zu machen, der Gedanke, ich kann nicht nur als Coach inspirieren, sondern auch als Musikerin. Und dann fing ich plötzlich an zu Hause Change zu schreiben und damit den Grundstein für ein englisches Album zu legen. Wenn man anderen empfiehlt, lieber bei Englisch zu bleiben, musste ich diesen Weg endlich auch gehen. 

Als Jury-Mitglied warst du vor kurzem auch bei „Chefsache ESC 2025“ zu sehen. Was macht es mit dir, so junge Acts zu sehen, die ganz oder eher am Anfang ihrer Karriere stehen?

Es ist total erfrischend, junge Acts zu erleben, die noch so viel Hoffnung und Unbefangenheit mitbringen. Ich meine das ganz positiv – sie stürzen sich voller Begeisterung ins Abenteuer, ohne sich allzu viele Gedanken über mögliche Konsequenzen zu machen. Gerade beim ESC, wo der Druck enorm ist, bewundere ich diesen Mut. Ich selbst wüsste nicht, ob ich mich das trauen würde – nicht nur für sich selbst aufzutreten, sondern gleich für ein ganzes Land zu stehen, ist eine riesige Verantwortung. Und gerade in Deutschland kann das Publikum ja auch sehr kritisch oder sogar hart sein. Für mich wäre das viel zu stressig. Umso beeindruckender finde ich es, wie frei und furchtlos diese jungen Talente an die Sache herangehen.

Und wo wir schon über den ESC sprechen. Wie schätzt du die Chancen für „Baller“ von Abor und Tynna ein?

Das lässt sich schwer vorhersagen, weil beim ESC letztlich die Live-Performance und der Gesang entscheidend sind. Der Song kam im Publikum vor Ort und auch bei meinen Jury Kollegen extrem gut an – auch losgelöst vom Wettbewerb. Aber allein reicht das meiner Meinung nach nicht. Es kommt eben auch stark auf die Künstler und ihre Performance im entscheidenden Moment an. Tynna hat eine tolle Ausstrahlung, etwas Magisches, Anziehendes, und beide sind wirklich bezaubernd. Trotzdem muss sie gesanglich absolut präsent sein – gerade live auf so einer großen Bühne. Die gute Nachricht ist: Sie haben noch so viel Zeit. Wenn sie die nächsten zwei Monate nutzen, um weiter an der Performance und vor allem an den Strophen zu feilen, sehe ich durchaus gute Chancen. Vielleicht nicht gleich ganz vorne, aber ich halte einen Platz in der oberen Hälfte für absolut möglich. Die großen Spekulationen überlasse ich dann aber lieber Stefan.

Wenn ihr Yvonne Catterfeld live erleben wollt, bekommt ihr Tickets für die „Move“-Tour auf eventim.de. Die Termine in Leipzig und Dresden mussten leider kurzfristig abgesagt werden. Auf Instagram erklärt die Musikerin, warum. 

Yvonne Catterfeld Tickets
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