Titelbild: Jakob Furis / Hintergrund Zitat: Maik Schuster
Eigentlich hätte es am 29. September endlich losgehen sollen. Doch die Giant Rooks mussten ihren Tourstart verschieben:Sänger Fred meldete sich wegen einer Mandelentzündung bei seinen Fans und kündigte an, die ersten beiden Konzerte nicht spielen zu können. Das Konzert in Bielefeld soll noch im Oktober nachgeholt werden, die Show in Oberhausen fiel aus. Wer ein Ticket für Oberhausen hat, kann laut Band stattdessen das Konzert in Düsseldorf besuchen. Die vielen Genesungswünsche haben zum Glück geholfen. Heute soll es in Frankfurt dann endlich losgehen.
Damit startet die Tour weiterhin vor dem Release des dritten Studioalbums „If Heaven Exists, This Might Be It“, das am 16. Oktober 2026 erscheint. Schon vor dem ursprünglich geplanten Tourstart haben wir mit Luca und Jonathan darüber gesprochen, wie es sich anfühlt, unveröffentlichte Songs zum ersten Mal live zu spielen, was fünf Freunde als Band zusammenhält und welcher Konzertmoment ihnen zuletzt besonders nahging.
Ihr habt eure Tour zum neuen Album schon vor dem Albumrelease gestartet. Wenn ihr Songs vor Leuten spielt, die sie noch gar nicht kennen – ist das eher aufregend oder auch ein bisschen beängstigend?
Luca: Vor allem ist gerade eine riesige Vorfreude da. Wir waren lange nicht mehr auf eigener Tour. Im Sommer haben wir viele Festivals gespielt, aber wieder vor Leuten zu stehen, die nur für uns da sind, ist immer super schön. Natürlich ist es auch aufregend. Dass das Album erst gegen Ende der Tour rauskommt, macht es noch spezieller. Ja, es kann gut sein, dass wir Songs spielen, die die Leute vorher noch nie gehört haben. Dann können wir schon mal schauen, wie sie live funktionieren, und die Leute können sie ein paar Wochen später auf Platte hören.
Jonathan: Das haben wir in unseren Anfangszeiten häufig gemacht: unveröffentlichte Lieder zuerst live gespielt. Wir fanden es fast ein bisschen schöner, die Songs erst vor Menschen zu präsentieren und ihre Reaktion zu sehen. Jetzt können die Leute die neue Musik wieder direkt beim Konzert für sich entdecken und müssen sie nicht zuerst über Kopfhörer hören.
Gibt es einen neuen Song, bei dem ihr besonders gespannt auf die Reaktion des Publikums seid?
Luca: Ja. Wir haben in den letzten Wochen sehr intensiv geprobt und das Set auf die Beine gestellt. Bei einem Song vom neuen Album hatten wir im Proberaum die ganze Zeit zusammen einen Vibe und haben uns vorgestellt, wie das auf der Bühne sein wird. Er ist, glaube ich, für uns alle einer der Favoriten auf dem Album.
Was macht ihn für euch live so spannend?
Luca: Er klingt sehr anders als alles, was wir bislang gemacht haben. Es ist schwierig, über einen Song zu sprechen, den noch niemand gehört hat, aber er hat etwas Böses, Düsteres. Gerade live könnte das gut rüberkommen. Darauf freuen wir uns extrem. Aber ich will noch nicht mehr verraten!
Ihr macht seit mehr als zehn Jahren zusammen Musik. Wie sehen die letzten zehn Minuten aus, bevor ihr auf die Bühne geht?
Jonathan: Wir fangen meistens schon eine Stunde oder anderthalb Stunden vorher an, uns einzeln fertig zu machen, uns warmzusingen oder warmzuspielen. Ungefähr zehn Minuten vor dem Konzert gehen wir dann gemeinsam Richtung Bühne. Dafür machen wir vorher sogar eine Uhrzeit aus. Uns ist wichtig, dass wir zu fünft zusammen losziehen. Kurz bevor unser Intro startet, stellen wir uns noch in einen kleinen Kreis, wünschen uns eine gute Show und sprechen uns gute Laune zu. Wir versuchen bei jeder Tour, einen neuen Spruch dafür zu finden, aber uns fehlt noch etwas Peppiges, das uns länger begleitet.
Luca: Ich bin mir sicher, dass uns noch etwas einfällt.
Und wie ist es mit Lampenfieber? Begleitet euch das noch?
Luca: Ich glaube, insgesamt hat sich das mittlerweile eher gelegt. Wir wissen, was wir machen. Ich habe das auf jeden Fall nicht mehr so stark, weil ich mir auf der Bühne sicher bin und mich vor allem freue. Wenn wir etwas Neues ausprobieren, zum ersten Mal einen neuen Song spielen oder mit einem neuen Setdesign andere Routinen finden müssen, ist es schon aufregend. Aber das ist eine schöne Aufregung.
Jonathan: Aus der Vorfreude wird bei mir oft eine Neugier darauf, wie das Neue bei den Leuten ankommt. Deshalb geht es mir ähnlich wie Luca.
Gibt es unter all den Konzerten der vergangenen Jahre eines, das euch besonders in Erinnerung geblieben ist?
Jonathan: Es ist schwierig, ein einzelnes Konzert herauszupicken. Besonders sind für mich oft Shows an Orten, an denen wir vorher noch nicht waren. Da ist dieser Nervenkitzel: Wie wird die Interaktion mit dem Publikum? Wir waren vor ein paar Jahren mit Louis Tomlinson in Südamerika unterwegs und haben ihn zum Teil in Fußballstadien supportet. In São Paulo hatten wir ein richtig tolles Konzert. Wir haben unten gespielt, die Zuschauerränge gingen nach oben und es war ungewohnt, dass die Energie des Publikums gewissermaßen auch von oben kam. Das war für mich ein Gänsehautmoment.
Luca: Wenn ich eines auswählen müsste, wäre es unsere erste Show in Mexiko-Stadt. Das war in einem kleinen Club, und wir wussten überhaupt nicht, was uns erwartet. Als wir mittags zum Soundcheck kamen, war die ganze Straße vor dem Club voll mit Menschen, die abends zum Konzert wollten. Bei der Show war dann eine Ekstase, die ich vorher noch nie gespürt hatte. Dieses Konzert werde ich für immer in Erinnerung behalten.
Auf dem Album geht es auch um Verbundenheit. Ihr seid selbst seit mehr als zehn Jahren zu fünft als Band zusammen. Was hält euch verbunden, wenn ihr gleichzeitig so viele Entscheidungen miteinander treffen müsst?
Jonathan: Eine unserer Stärken ist, dass wir alle auf unsere Weise verschieden sind. Jeder hat Interessen und Bereiche innerhalb der Band, in die er sich besonders hineinsteigern kann. Dadurch ergänzen wir uns gut. Aber die Frage ist natürlich viel emotionaler als nur: Wie teilen wir die Arbeit auf? Wir sind gegenseitig unsere besten Freunde. Wir können über alles sprechen, wenn es einem nicht gut geht und auch, wenn es einem gut geht. Wir waren in so vielen absurden Momenten zusammen, in Höhen und Tiefen. Das schweißt uns zusammen.
Luca: Da habe ich nichts hinzuzufügen!
Für die Aufnahmen wart ihr längere Zeit in England und habt euch dort ziemlich abgeschottet. Was wäre in eurem Studio in Berlin vielleicht anders gelaufen?
Luca: Wir waren zweimal in England, erst im Sommer und dann noch einmal länger im Winter. Dort waren wir wirklich für uns und konnten uns nur auf die Musik konzentrieren. In Berlin fährt man abends nach Hause, und dann ist der Alltag wieder da. Wir haben diese Abgeschiedenheit bewusst gewählt, weil wir uns ganz mit den Songs beschäftigen wollten. Das hat uns beim Schreiben und beim Fertigstellen sehr geholfen.
Jonathan: Das Besondere an den Real World Studios war für mich auch der Raum. Das Studio liegt an einem Teich und hat eine riesige Fensterfront. So viel Tageslicht ist in Aufnahmestudios eher ungewöhnlich. Und der Aufnahmeraum ist so groß, dass alle Instrumente aufgebaut stehen bleiben konnten. Man konnte spontan zum Klavier, zur Orgel oder zu einer Gitarre gehen und etwas ausprobieren, an das man sonst vielleicht gar nicht gedacht hätte. Das hat unsere Arbeit dort sehr intuitiv gemacht.
Ihr habt euch für dieses Album vorgenommen, euch von Erwartungen von außen zu lösen. Welche Erwartung musstet ihr dabei am stärksten ignorieren?
Luca: Wir haben das am Anfang gar nicht so ausdrücklich ausgesprochen. Aber als wir angefangen haben, Skizzen für das dritte Album zu schreiben, war uns fünf irgendwie klar: Wir machen jetzt erst mal ein halbes Jahr Musik nur für uns. Wir schauen, was dabei herauskommt, und machen das, worauf wir Lust haben. Wir haben in dieser Zeit keine Kommentare oder Ideen von außen einarbeiten müssen. Wir fünf sind selbst sehr meinungsstark, wenn es um Musik geht, und haben uns auf diese fünf Stimmen verlassen. Erst als die Songs standen, haben wir sie den Menschen gezeigt, mit denen wir arbeiten, und auch Freund*innen und Familie. Das war für uns viel schöner, als wenn von Anfang an ganz viele Stimmen auf uns eingeprasselt wären.
In „The Big Night Out“ steht eine Trennung im Raum. Gleichzeitig klingt der Song groß und mitreißend. Was reizt euch daran, schwere Gefühle musikalisch nicht unbedingt schwer klingen zu lassen?
Jonathan: In einem großen Gefühl steckt oft noch viel mehr, es hat viele Facetten. Wir finden es spannend, mit Kontrasten zu arbeiten. Wir benutzen dafür manchmal den Begriff „Bild-Ton-Schere“, auch wenn er nicht immer ganz in den Kontext passt. Wenn Musik und Gefühl gegeneinanderstehen, können bestimmte Gedanken oder Gefühle gerade dadurch deutlicher werden. Musikalisch mögen wir es außerdem, Verspieltheit hineinzubringen und nicht immer alles in festen Strukturen auszudrücken.
Luca: Das schlägt für mich auch eine Brücke zum Albumtitel. „If Heaven Exists, This Might Be It“ klingt erst mal nach etwas sehr Großem. Uns war aber wichtig, mit dem Cover, den Geschichten und der Musik zu zeigen, dass dieses Schöne, dieses Angekommensein auch im ganz Kleinen liegen kann. In einer Beziehung oder in einem einzelnen Moment, in dem man sich wohlfühlt.
Wann hattet ihr zuletzt so einen Moment?
Luca: Letzte Woche beim New Pop Festival in Baden-Baden. Das war unser letztes Konzert vor der Tour, und wir haben dort „The Big Night Out“ zum ersten Mal live gespielt. Wir fünf standen um ein Mikrofon herum mitten im Publikum. Wir waren alle aufgeregt. Aber es war unfassbar schön, die Gesichter der Menschen zu sehen, die gerade diese Musik und Freds Gesang genießen. Das hat mich sehr berührt.
Jonathan: Mir ist sofort derselbe Moment eingefallen. Bei unseren Konzerten gibt es immer wieder viel Nähe zum Publikum. Aber dadurch, dass wir mit Gitarre und Gesang gemeinsam mitten zwischen den Leuten standen, hatte das noch einmal etwas viel Persönlicheres. Das war wirklich ein Gänsehautmoment.
Wenn ihr die Giant Rooks auf ihrer Tour live erleben wollt, bekommt ihr noch letzte Tickets auf eventim.de.
Update vom 07. Oktober 2026, 11:00 Uhr
Im Januar und Februar 2027 gehen Giant Rooks auf große Europa- und UK-Tour. Neben Städten wie Barcelona, Istanbul, London und Paris steht auch eine deutsche Show auf dem Tourplan: Am 10. Februar 2027 spielt die Band in der Garage in Saarbrücken. Tickets bekommt ihr ab Freitag, 9. Oktober, um 11 Uhr auf eventim.de.