Alle Bilder: Stefan Heilemann
Seit rund drei Jahrzehnten ist Bülent Ceylan als einer der größten Comedians Deutschlands auf den Bühnen des Landes sowie im TV präsent. Aus der Tatsache, dass sein Herz für Heavy Metal schlägt, hat er dabei nie ein Geheimnis gemacht. Schwarze Klamotten und Fingernägel, lange Haare, mit denen er in seinen Programmen auch gerne mal gekonnt headbangt – Bülent ist Metalfan mit Leib und Seele. Als er dann 2019 bei „The Masked Singer“ unter Beweis stellte, dass er auch noch richtig gut singen kann, lag es natürlich irgendwie auf der Hand, ein eigenes Album herauszubringen. Und genau so sollte es dann auch kommen. 2024 erschien mit „Ich liebe Menschen“ ein Album, das Musik, Humor und Haltung vereint. Auf der zugehörigen Tour und bei Auftritten auf Metal-Festivals wie dem Wacken Open Air präsentierte Bülent Ceylan seine Songs erstmals live.
Zweieinhalb Jahr später legt er nun sein zweites musikalisches Werk „B.L.N.T.“ vor – und lässt keinen Zweifel daran, dass er es ernst meint mit der Musik. Der Vertrag mit Napalm Records und das Duett „Wolfsherz“ mit Doro Pesch sowie „Randale und Radau“ mit Michael Rhein (In Extremo) zeugen umgekehrt davon, dass die Metalszene Bülent Ceylan als den ernstzunehmenden Musiker anerkennt, der er ist. Auch wenn auf „B.L.N.T.“, wie auf dem Vorgänger, der Humor nicht außen vor bleibt – wir haben es hier schließlich mit Bülent Ceylan zu tun – handelt es sich in erster Linie um ein Metalalbum. Hinter Titeln wie „Fünf vor Zwölf“, „Keiner kommt hier lebend raus“, „Ein Hoch auf die beschissenen Zeiten“ oder „Diktatürk“ verbergen sich hintergründige Songs mit klaren Botschaften.
Zum Release von „B.L.N.T.“ sprachen wir mit Bülent Ceylan über seine Verbindung zum Metal, den Unterschied zwischen Comedy-Shows und Konzerten, seine anstehende Tour und darüber, was er mit seiner Musik vermitteln möchte.
Bülent, bevor wir über dein neues Album sprechen, wie bist du eigentlich zum Metal gekommen?
Das fing schon mit 15, 16 an mit der Grunge-Ära und Bands wie Pearl Jam, Nirvana, Rage Against the Machine oder KoRn. Ende der 90er kam dann Tool dazu. Da habe ich gemerkt: Das ist meine Mucke, die geht mir ins Blut und gibt mir Power. Ich höre aber auch mal klassische Musik. Klassik und Metal haben ja oft miteinander zu tun, etwa wenn Metalbands mit einem Orchester spielen. Heute mag ich auch richtig krasse Sachen, so Hardcore-Metal wie Kublai Khan TX. Die Liebe zu dieser Musik war schon immer in mir drin. Vor der Comedy hatte ich auch mal eine Rockband. Aber der Drang, selbst Musik zu machen, hat sich erst in den letzten Jahren so richtig entfaltet. Auch durch den Auftritt bei „The Masked Singer“ 2019, der mir das nötige Selbstbewusstsein gegeben hat. Damals bin ich in der Rolle des Engels bis ins Show-Finale gekommen und alle haben hinterher gesagt: Du musst unbedingt singen, mach doch ein Album! Das hat mich motiviert, dass die Leute meinen Gesang anscheinend gut fanden. 2024 kam dann das erste Album.
Und jetzt folgt das zweite, das über Napalm Records erscheint.
Genau. Beim ersten Album dachte noch jeder, das wäre vielleicht ein einmaliges Projekt eines Comedians, der auch mal Musik ausprobieren will. Jetzt, wo ich bei einem richtigen Metal-Label bin, merken die Leute: Hey, der meint es ernst. Napalm Records sind authentisch. Wir haben uns ausgetauscht und uns sehr gut verstanden. Der Label-Chef Thomas hat mir geraten, das zu machen, was ich wirklich fühle, mehr nach vorne zu gehen. Ich hab dann einfach gemacht, ohne Vorgaben. Deswegen passt der Albumtitel „B.L.N.T.“ so gut – es ist ein Bülent-Album. Es geht um mich und die Sachen, die ich fühle und über die ich mir Gedanken oder Sorgen mache. Dann gibt es aber auch Party-Songs mit Witz und Ironie. Insgesamt ist es aber noch mehr Metal, was auch am Cover erkennbar ist, mit meinem Look und dem Feuer (lacht). Also ich stehe dahinter und finde es geil. Wichtiger ist aber natürlich der Inhalt. Ich kann nur hoffen, dass es den Leuten gefällt und hilft, mir mein Metal-Rock-Publikum aufzubauen. Aber das muss man sich erarbeiten und die Menschen überzeugen, und das geht am besten live.
Was glaubst du, welche Leute zu deinen Konzerten kommen – eher Fans deiner Comedy oder Vollblut-Metaller?
Bei der ersten Tour waren schon einige Comedy-Zuschauer, die aber Metal-affin waren. Die kommen jetzt sicher immer noch. Dann gibt es Leute, die vielleicht eine Ballade wie „Wolfsherz“ gut finden und sagen: Das würde ich mir auch live anschauen – ein bisschen wie, wenn man zu Metallica geht, weil man „Nothing Else Matters“ mag. Ich glaube aber, dass jetzt immer mehr Metal- und Rock-Fans kommen. In anderen Ländern wird das vielleicht sogar einfacher. Das merke ich in Interviews. Die wissen teils gar nicht, dass ich Comedian bin in Deutschland und sehen mich rein als Metal-Sänger.
Trotzdem gibt es auf beiden Alben auch Songs mit Humor und Augenzwinkern. Kannst du dir vorstellen, irgendwann mal ein vollkommen ernsthaftes Metal-Album zu machen?
Einige sehr ernsthafte Songs sind ja dabei. Aber ein bisschen Humor und Ironie gehören halt zu mir. Neben den Botschaften ist es mir wichtig, meinen Style in meiner Musik rüberzubringen und auch mal einen Witz zu machen. Auch bei den Konzerten. Da gibt es zwischendrin auch was zu lachen. Keine langen Stand-up-Einlagen, aber ein paar Anekdoten. Das muss sich aber natürlich ergeben auf der Bühne, nicht wie bei einem geplanten Comedy-Programm. Aber das ist einfach meine Art.
Wie wichtig sind dir die Botschaften auf Liedern wie „5 vor 12“ oder „Habt euch endlich alle lieb“?
Sehr wichtig. Dabei versuche ich, am Ende immer etwas Positives zu vermitteln, dass man Licht sieht am Ende des Tunnels. Deswegen auch „Am Ende gut“. Als Vater von vier Kindern möchte ich etwas Positives transportieren, wo die Kinder später vielleicht sagen: Der Papa hat einen Song gemacht mit einer echten Botschaft oder einen, der mich bewegt. „Wolfsherz“ mit Doro Pesch ist ja zum Beispiel eine emotionale Ballade. Der eine findet es vielleicht zu schnulzig, der andere gar nicht. Es geht in dem Song darum, dass man einen Menschen verloren hat. Für mich ist wichtig, dass in den meisten meiner Songs eine Botschaft steckt, bei der die Leute sagen können: Ey, das ist cool, dass du das so sagst und deinen Mund aufmachst. Wie bei „Diktatürk“, wo ich gegen Diktatoren schimpfe. Ich möchte nicht, dass meine Kinder später sagen: Du standest in der Öffentlichkeit, aber hast nie was Wichtiges gesagt, sondern nur über Liebe gesungen. In der Welt ist eben nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Ich möchte in meinen Songs die Fakten benennen, aber dann auch wieder die Hoffnung reinbringen. Das ist dann wieder der Bülent, der die Leute zusammenbringen will.
Du hast gerade „Wolfsherz“ mit Doro angesprochen. Wie war es für dich, einen gemeinsamen Song mit der Queen of Metal aufzunehmen?
Das war super, eine Riesenehre. Sie ist eine absolute Metal-Legende und für mich war das eine riesige Wertschätzung von ihr gegenüber mir. Sie hatte echt Bock, mit mir diesen Song zu singen.
Gibt es noch jemanden, mit dem du in Zukunft gerne mal zusammenarbeiten würdest?
Im internationalen Bereich gibt es schon einige, die ich mir wünschen würde. Metallica wäre natürlich geil (lacht). KoRn hatte ich damals mal in meiner Bülent Ceylan Show auf RTL. Aber einen richtigen Song mit denen aufnehmen, wäre schon geil. Oder mit Incubus, die fand ich auch immer gut, auch wenn es eher Rock als Metal ist. Naheliegender sind Powerwolf. Da gibt es gegenseitige Sympathien – wir haben uns aber noch nicht getroffen.
Hast du eine Lieblingband?
Tool. Die liebe ich über alles, vor allem das Schlagzeug, weil es so versetzt ist. Der Drummer, Danny Carey, ist so eine Maschine!
Unterscheidet sich dein Bühnengefühl als Musiker von dem als Comedian? In Wacken warst du ja zum Beispiel erst als Comedian und später mit deiner Band.
Das stimmt. Das allererste Mal war ich da 2011 auf der Hauptbühne, als erster Comedian überhaupt. Abends war Ozzy Osbourne Headliner, das war krass. Mit der Band ist es natürlich eine ganz andere Sache. Comedy ist immer so ein Pin-Pong-Spiel von lachen und nicht lachen. Da musst du schon Gas geben auf so einem Festival, wo die Leute eigentlich die ganze Zeit Musik hören wollen. Feiner Wortwitz ist da schwierig. Funktioniert hat es trotzdem. Mit der Musik kannst du aber auch die Leute ganz hinten erreichen und alle können mitmachen. Ich muss sagen, mit meiner Band dort aufzutreten, hat mir am meisten gefallen. Es ist eben ein Musikfestival. Aber ich habe die Leute zwischendurch trotzdem zum Lachen gebracht. Diese Mischung – der Großteil Musik, mit ein paar Gags zwischendurch – ist für mich bei Festivals genau richtig.
Ist diese Mischung auch das, was man von der kommenden Tour erwarten darf?
Ich denke schon. Auch da wird hoffentlich mal gelacht werden. Aber bei der ersten Tour hatte ich noch längere Comedy-Parts eingebaut, habe dann aber gemerkt, dass die Leute schon eher die Musik wollen. Diejenigen, die mich nur als Comedian kennen, fanden das super, aber ich will ja auch die Rocker und Metaller gewinnen. Die lachen zwar auch gerne, kommen aber hauptsächlich wegen der Musik. Ich habe ja weiterhin mein Comedy-Programm für alle, die das sehen möchten. Neulich auf dem Magic Bike Festival habe ich allerdings gemerkt, wie nützlich die Comedy als Joker ist. Da ist zu Beginn der Konzerts die ganze Technik ausgefallen, nur mein Handmikrofon war an. Während im Hintergrund gearbeitet wurde, habe ich die Menschen zum Lachen gebracht. Manche haben das sogar für ein Show-Element gehalten (lacht). In dem Fall war es also gut, dass ich auch Comedian bin, weil ich improvisieren und die Show retten konnte – und die Leute haben das Konzert dadurch noch mehr gefeiert.