Bild: Michi Schunk
Das Hamburger Trio Deine Freunde macht Musik für Kinder, aber solche, an der Eltern und Nachwuchs gleichermaßen Gefallen finden. Clevere Texte ohne pädagogisch erhobenen Zeigefinger, wunderbar schräger Humor, fette Beats und Lieder, die mit ihrem Mix aus HipHop und Pop direkt ins Ohr gehen – das sind die Zutaten für Kinderhits der Sorte „Schokolade“, „Quatsch mit Soße“, „Hausaufgaben“ oder „Du bist aber groß geworden“. Dass die Band des Öfteren als „Deichkind für Kinder“ beschrieben wird, kommt nicht von ungefähr und ist nicht zuletzt auf die höchst unterhaltsamen Musikvideos zurückzuführen. Es ist ein positiv gemeinter Vergleich, mit dem Deine Freunde sehr gut leben können. Drei Jahre nach „Ordentlich durcheinander“ präsentieren Rapper Florian „Flo“ Sump, DJ Markus Pauli und Sänger Lukas Nimscheck nun ihr neues Album „Die Kinder spielen verrückt“. Vorausgeschickt hatten sie die Singles „Zieh dich bitte warm an“, „Bestimmer“, „Schluckauf“ (Instant-Ohrwurm!) sowie den Titeltrack. Ende Mai geht es auf große „Kindsköpfe im Park“-Open-Air-Tour. Kurz vor der Albumveröffentlichung verriet uns Lukas Nimscheck im Interview, welche Vorteile es hat, Mitglied einer Kinderband zu sein, was man bei groß angelegten Konzerten für Kids beachten muss, warum bei einer Deine Freunde-Show niemand verloren gehen kann und was die Jungs vor einem Auftritt hinter der Bühne so treiben.
Total! Ehrlich gesagt wundern wir uns immer wieder, dass uns nach fast 15 Jahren immer noch was einfällt, dass wir uns immer noch mögen und dass wir sogar noch mehr Spaß miteinander haben, als am Anfang. Früher haben wir noch viel mehr diskutiert, was man darf in Kindermusik, und darüber gerangelt, wer was macht. Inzwischen ist es eine schnurrende Maschine und wir haben den Spaß unseres Lebens.
Ich mag die soften Lieder immer besonders, weil ich da mehr singe, daher ist es bei mir gerade „So jung“. „Was geht ab?“ finde ich aber auch richtig gut – wir wollten mal einen Song haben, der so ein bisschen zu doll ist und das ist der.
Unser Rapper Flo, der die meisten Texte schreibt, war früher mal Teenie-Star, als er in der Band Echt Schlagzeug gespielt hat. Unser DJ Pauli, der die Beats produziert, war lange Live-DJ der HipHop-Band Fettes Brot. Ich selbst mache allerlei mit Musik, mache Musicals und habe im Fernsehen moderiert. Wir haben das vor knapp 15 Jahren aus Spaß angefangen und jetzt ist es, was es ist: Deine Freunde.
Wir wechseln uns ein bisschen ab. Da ich Klavier spielen kann, schlage ich oft eine Melodie vor und bilde damit ein Gerüst. Pauli bringt den Sound auf ein Profi-Level. Flo und ich wechseln uns meist mit den Songideen ab und Flo schreibt dann die Strophen.
Nicht mehr. Früher gab es die aber ganz doll. Wenn man anfängt und jung ist, ist die harte Währung, wie viel man in einem Song zu hören ist. Das interessiert uns heute gar nicht mehr. Letztlich stehen wir zu dritt auf der Bühne und machen sowieso alles zusammen. Ich mache auch Flos Back-up-Rap und er singt manchmal bei mir mit. Es ist eher wie eine Familienproduktion.
Dass wir unironische, unsarkastische Liebe bekommen, und zwar nicht für uns als Personen, sondern für das, was wir machen. Das ist ein Unterschied zu anderen Popstars, die einem Hype ausgesetzt sind und von ihren Fans angekreischt werden. Das haben wir alles nicht. Wir bekommen Liebe für die Songs, die wir machen und merken, dass sie in den Familien wirklich etwas auslösen. Wenn wir hören, dass Familien ein Lied von uns benutzen, wenn sie sich streiten, um Dampf abzulassen und den Streit zu lindern, dann rührt uns das total. Gut ist auch, dass unsere Shows um 20 Uhr vorbei sind (lacht). Das stelle ich mir als Rockstar anstrengend vor, wenn man immer bis 21 oder 22 Uhr warten muss, um auf die Bühne zu gehen. Wir haben alle Vorteile des Rockstar-Lebens, aber keine Nachteile.
Was Liveauftritte angeht, können die ganz großen Konzerte mit 5.000 bis 6.000 Leuten schon herausfordernd sein. Es muss alles so organisiert sein, dass es für Familien gut funktioniert. Das ist eine unserer größten Aufgaben: Wie organisieren wir das so, dass Familien wirklich Spaß haben. Zum Beispiel bekommen die Kinder Bändchen, auf die die Eltern ihre Telefonnummer schreiben, damit sich die Kids in der Halle frei bewegen können. Außerdem haben wir immer ein Team von Leuten dabei, die gucken, ob irgendwo Kinder rumlaufen, die Hilfe brauchen. Die Logistik bei dieser Art der Familienunterhaltung ist eine Herausforderung, der wir uns aber natürlich gerne stellen.
Das ist komplett unterschiedlich. Wir können vorher überhaupt nicht sagen, welche Songs dann am allermeisten gehört werden. Die Kinder lieben zum Beispiel das Lied „Aua“. Den finde ich zwar auch sehr lustig, aber unser tiefsinnigstes Lied ist es nicht gerade (lacht). Beim neuen Album wird sich also noch herausstellen, welches die Fan-Favoriten sind. Es macht auf jeden Fall Spaß, diese dann live zu bedienen.
Bei der letzten Tour war eine Familie dabei, bei der die um die 20-jährigen Töchter mit aufs Konzert gekommen sind. Die haben uns erzählt, dass sie nicht loslassen können, weil sie unsere Musik in einer schweren Zeit gehört haben, als ein Familienmitglied sehr krank war. Damals schenkten unsere Lieder ihnen ein Lächeln und deshalb brauchen sie diese Konzerte gemeinsam als Familie. Dass die eigene Musik so etwas in jemandem auslöst, kann man sich gar nicht vorstellen. Von den Kindern kommt ganz unterschiedliches Feedback, zum Beispiel, dass zwei Geschwister ein Lied von uns anmachen, wenn sie sich streiten und wer als erstes lacht, hat verloren. Das freut uns genauso.
Ja, aktuell machen wir uns Gedanken über das Bühnenbild und die Technik. Bald geht es dann in den Proberaum. Wir müssen die neuen Songs noch fleißig üben, um sie live hinzubekommen.
Richtig. Ehrlich gesagt ist jedes Konzert von uns eine Best-of-Deine-Freunde-Show. Ich glaube, es sind maximal fünf neue Lieder auf der Setlist. Denn es gibt so viele andere, die die Kinder hören möchten und die wollen wir ihnen auch geben.
Wir fragen bei unseren Konzerten immer, wer zum ersten Mal dabei ist und das sind immer ca. 70%. Beschreiben würde ich unsere Shows als angenehm laut, aber trotzdem laut genug, dass man es im Bauch merkt. Es gibt eine fette Lichtshow und alle gehen ab, wie bei einem Konzert für Große. Es ist für jeden genug Platz und alle können gut sehen. Und jeder kann mitsingen.
Bei den Konzerten draußen herrscht totale Sommerfestival-Stimmung – alle singen und tanzen mit und haben ein Eis in der Hand. Dafür überlegen wir uns auch immer Dinge, die visuell draußen besser rüberkommen als die erwähnte Lichtshow. Drinnen hat das ganze eher Rockshow-Charakter. Es sind also zwei verschiedene Paar Schuhe.
Ja, viele. „Ordentlich durcheinander“ gehört dazu, ebenso „Schokolade“, der natürlich erwartet wird. „Deine Mudder“ auch, wobei wir da inzwischen die Väter mit einbeziehen. „Erzähl mal“ werden wir, glaub ich, für immer spielen. Der ist fast immer unser Rausschmeißer und ein Fan-Favourite.
Wir sind als Band sehr viel zusammen und hängen den ganzen Tag gemeinsam ab. Wir schlafen ja auch alle im Bus und Pauli und ich haben dieselbe Aufstehzeit und wecken uns durch den Vorhang. Vor der Show machen wir uns dann mit Dehnübungen warm, Pauli legt immer Musik auf. Ein spezielles Ritual haben wir aber nicht, nur bei jeder Tour einen anderen kurzen Shout, den wir machen.
Die beiden anderen komplett. Ich nicht so richtig, aber immer mehr – über Deine Freunde habe ich das Genre verstanden. Ansonsten höre ich eher Popmusik, Techno und sowas.
Ja, das war bei der Weihnachtsfeier der Kita, in der Flo damals noch gearbeitet hat, vor zehn oder zwölf Erzieherinnen. Die erste Show vor Kinder-Publikum war dann bei einem Stadtteilfest in Hamburg Altona, wo wir in einem Hinterhof vor etwa 80 Leuten gespielt haben. Da fanden wir es lustig, uns am Anfang solche Schlafmützen aufzusetzen – das war noch nicht so cool wie heute.
Das erste Mal im bekannten Hamburger Stadtpark zu spielen, hat sich krass angefühlt. Wenn man aus Hamburg kommt, will man da gerne irgendwann mal auftreten. Vorher dachten wir immer, dass wir das nie schaffen würden. Zumal wir uns gefragt hatten, ob man überhaupt vor mehr als 1.000 Leuten Kindermusik spielen kann. Dann in der eigenen Stadt vor 5.000 Menschen aufzutreten, das war schon sehr besonders.
Ja, aber wir haben eben ein Team dabei, das auf die Kinder aufpasst und wir trennen ja das Publikum: Die Kinder stehen vor der Bühne, die Eltern dahinter. Dadurch können alle etwas sehen und fühlen sich auch gesehen. Natürlich müssen die Kinder nicht im Kinderbereich stehen, aber für die Stimmung untereinander ist das Gold. Wenn die Eltern dann sehen, wie wildfremde Kinder miteinander abgehen und sich in den Armen liegen – das ist unbezahlbar. Wir machen uns im Vorfeld sehr viele Gedanken, damit alles rund läuft. Und ich glaube, wir sind die einzige Band, die mit Erziehern reist.