Rock

SALTATIO MORTIS im Interview: „Das nächste Konzert wird so eine Eskalation…”

27.05.2021 von Ben Foitzik

Wie so viele andere Bands und Künstler haben die Mittelalter-Mucker von Saltatio Mortis unter der Corona-Krise gelitten. Natürlich mussten auch alle Fans von Livemusik darunter leiden, dass sie ihre Lieblingsbands plötzlich nicht mehr live am eigenen Leibe erleben konnten, doch für die Musiker selbst ist das Auftreten vor Livepublikum noch etwas viel Fundamentaleres: Es ist ihre Passion und Berufung – und gleichzeitig auch nicht weniger als ihre berufliche Existenz.

Wie dem auch sei: Das Licht am Ende des Corona-Tunnels ist da, und bald können wir wieder alle gemeinsam eine der schönsten Sachen zelebrieren, die es gibt: Livemusik. Auch Saltatio Mortis haben schon große Pläne für das große Live-Comeback: Ende des Jahres steigt ihre große „Für immer frei!“-Tour, die natürlich zum gleichnamigen Album gehört, mit dem sie im Oktober 2020 zum vierten Mal hintereinander die Spitze der deutschen Albumcharts erklommen. Tickets bekommt ihr auf eventim.de.

Alea und Jean packen aus

Wie war und ist diese Zeit ohne echte Live-Auftritte eigentlich für die Jungs von Saltatio Mortis? Alea der Bescheidene und Tambour Jean Méchant standen uns in einem kurzen Interview Rede und Antwort. Dieses könnt ihr euch gleich hier anschauen und -hören – wer lieber lesen mag, findet das Transcript weiter unten.

Hey Saltatios - wie geht’s euch gerade?

Jean: Also wie ich immer so schön sage: Ich kann nicht genug klagen. Nee, uns geht’s eigentlich erstaunlich gut, wir machen das Beste aus dieser verfluchten Situation, sind sehr aktiv, soweit es irgendwie geht. Es wird viel gequatscht, viel geprobt, Musik komponiert, was man halt so tun kann im Moment. Wieviel Uhr ist es gerade?
Alea: Ja genau! Wir sind immer noch nüchtern – das hat sich geändert in dieser Zeit. Ansonsten kann ich einfach sagen: Ich habe Proben noch nie so geschätzt, das macht so viel Freude, gemeinsam Musik zu machen.
 

Wie sehr vermisst ihr die Bühne?

Jean: Also um es mal so zu sagen: Was machen Musiker? Musiker machen Musik. Und das ist etwas, was wir im Moment fast nicht tun können. Zumindest nicht für euch da draußen – wir können nicht auf eine Bühne gehen, wir können nicht für Leute spielen, wir können uns zwar selber in Schuss halten und proben, jeder für sich, aber das fehlt extrem. Musik machen ist schon was Schönes.
Alea: Aber es ist halt noch viel viel geiler, wenn man es teilen kann. Wenn man schöne Momente teilen kann. Und das fehlt im Moment halt leider.
 

Gehört das Live-Spielen zu eurer DNA?

Alea: Also ich würde sagen, ich habe jetzt in den letzten anderthalb Jahren festgestellt, wie sehr das zu meiner DNA gehört und wie mir das fehlt. Es ist wirklich schon bitter.
Jean: Ich glaube, wenn man diesen Lebensweg beschreitet, Musiker zu werden, um das wirklich auch beruflich zu machen, muss es zu deiner DNA gehören, denn ansonsten würdest du diese Verrücktheit nicht wagen. Man kriegt ja heutzutage auch mehr kondoliert als gratuliert, wenn man sagt „Ich bin übrigens Musiker“. Aber das ist nun mal so. Man muss so ein bisschen auch diese Verrücktheit haben. Musik hat man im Blut und das kann man auch nicht abstellen.
 

Welche besondere Magie hat eine Liveshow für euch?

Jean: Ich glaube, jeder, der mal auf einer Bühne gestanden hat – egal, ob das jetzt für 5 Leuten oder vor 50 oder vor 5.000 ist – kann nachvollziehen, dass eine Menschenmenge, die bespielt und bespaßt wird, einem auch was zurückgibt. Diese Energie ist durch nichts zu ersetzen. Da kannst du noch so sehr in einem Livestream ein Konzert spielen oder auf irgendeiner Online-Plattform unterwegs sein und mit den Leuten interagieren – diese direkte Interaktion, dieses Magische, was ein Publikum auch zurückgibt auf die Bühne, das ist durch nichts zu ersetzen. Umgekehrt aber auch: Die Leute, die unten stehen, bekommen was von der Bühne.
Alea: Ich habe immer so das Gefühl, wenn man auf der Bühne loslegt und das Publikum dann wirklich einsteigt, merkst du so richtig, wie die Maschine auf der Bühne immer stärker wird. Weil sich das so gegenseitig hochschaukelt.
Jean: Ja, das ist wie so eine Welle, die sich hochschaukelt.
Alea: Das ist das Wunderschönste auf der Welt.
 

Wie sehr sehnt ihr eurem nächsten Konzert vor Live-Publikum entgegen?

Jean: Ich glaub, wenn das nächste Konzert wieder möglich ist, egal in welchem Maße… das wird so eine Eskalation. Sowohl von uns… also… vor allem von uns (*lachen)… als auch von den Leuten.
Alea: Macht euch auf was gefasst, ich bin mir nicht sicher, ob wir es überhaupt nüchtern auf die Bühne schaffen.
Jean: Naaaa, das schaffen wir schon. Also die Vorfreude ist immens und wir drücken alle Daumen, dass sich diese Situation so lösen oder entspannen lässt, dass Veranstaltungen wieder möglich sind.
 

Welche positiven Dinge können wir aus dieser Krise ziehen?

Alea: Also ich hatte einen ziemlich blöden Unfall letztes Jahr und hatte jetzt durch die Krise die Zeit irgendwie gesund zu werden. Das ist eine Sache, die ich sehr sehr positiv finde.
Jean: Wir hätten sowieso Shows absagen müssen, dann war das so rum viel „besser“.
Alea: Ich hatte dann kein schlechtes Gewissen. Ich hätte mir die ganze Zeit selbst zu Hause das Bein abgenagt oder sowas, wenn ich gewusst hätte, das ist nur wegen mir. Aber so…
Jean: Es klingt so ein bisschen wie ein Kalenderspruch, aber es stimmt: In jeder Krise steckt ja auch eine Chance. Und ich glaube, was man jetzt merkt, ist, dass sich viele Menschen auch auf Dinge besinnen, die ihnen wichtig sind, die sie vorher vielleicht nicht so ganz präsent hatten im Kopf. Das gilt mit Sicherheit auch für uns. Uns ist jetzt auch wieder bewusst geworden, wie wichtig uns dieses kleine Baby unserer Band ist und wie sehr wir das hegen und pflegen wollen, auch in einer schwierigen Situation. Das hat uns noch mal darin bestärkt, auf jeden Fall Musiker sein zu wollen – egal in welchen Umständen. Und dass wir das weiter durchziehen. Ich glaube, jeder da draußen hat auch ein bisschen seine Mittel und Wege gefunden, mit so einer Krise umzugehen und vielleicht auch Dinge anzugehen, die bisher liegengeblieben sind. Die man nicht gemacht hat, weil bisher keine Zeit und keine Notwendigkeit war. Das ist auf jeden Fall was Positives, was man daraus ziehen kann.
 

Danke fürs Gespräch, ihr beiden. Wir sehen uns auf Tour!!

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