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Interviews

Backstage mit Alea von Saltatio Mortis: „Die Reise ist noch lange nicht zu Ende“

05.05.2025 von Susan Barth

Dieses Jahr feiern Saltatio Mortis 25 Jahre Bandgeschichte und setzen einen Meilenstein nach dem anderen: Passend zum Jubiläum erscheint am 25 Juli das Best-of-Album „Weltenwanderer – Von Träumen & Krawall“, das in Zusammenarbeit mit ihren Fans entstanden ist. Aber damit nicht genug: Im Sommer folgt der zweite Teil der Burgen-Tournee und im Herbst das große Finale des Jahres! Die Mittelalter-Rocker feiern ihr Jubiläum mit der bisher größten Headliner-Tour ihrer Karriere und einer ganz besonderen Vorband – den BAD LOVERZ.

Wir haben mit Alea von Saltatio Mortis über den Anfang der Band gesprochen und was die Fans dieses Jahr auf den Live-Konzerten erwartet. Was hat Alea auf Tour immer dabei, mit wem würde er gerne mal auf der Bühne stehen und was waren die größten Fails in 25 Jahren Bandgeschichte? Das lest ihr im Interview!

Bild: Ingmar Wein

25 Jahre Saltatio Mortis – wie fühlt sich das für dich an, Alea?

Alea: Total verrückt. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass wir irgendwann Headliner auf Wacken sein würden – ich hätte ihn für komplett wahnsinnig erklärt. Alles begann auf einem Mittelaltermarkt. Ich konnte meinen Dudelsack noch nicht mal selbst stimmen, hab Falk und Marc kennengelernt und ein paar Monate später haben wir uns zum Proben getroffen. Von diesem ersten Treffen habe ich vor kurzem sogar ein Foto gefunden. Das war im Herbst 1999… Wir wollten eigentlich nur zusammen Straßenmusik machen, auf Märkten spielen und Spaß haben. Wir haben dann kurz darauf auf einem Geburtstag gespielt und dann ging der Wahnsinn los. So viele Leute wollten, dass wir auch bei ihnen auftreten. Wir haben damals auch vor der Tür vom MPS (Anm. d. Red.: das Festival „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“) gespielt. Die haben vor Ort extra den Zaun umgesetzt und um uns herumgebaut, damit wir dort weiterspielen können. Wir haben Paletten bekommen als Bühne und Getränke. Das war unser erster richtiger Auftritt Ende 2000.

Wenn du so zurückschaust, bist du stolz auf das, was ihr geschafft habt?

Ja, wir sind stolz, aber auch voller Demut. Wir wissen genau: Wir haben auf der Straße angefangen und Geld bekommen, damit wir weiterspielen oder bitte endlich aufhören. Dass Menschen heute zu uns auf die Konzerte kommen, ist ein Geschenk, das wir nicht genug wertschätzen können. 

Ihr habt zum Jubiläum „Wo sind die Clowns“ als Orchesterversion neu aufgenommen. Warum gerade dieser Song?

Das Album „Zirkus Zeitgeist“ war für uns damals ein Schritt in die Freiheit. Damals haben uns viele gesagt: „Ihr könnt doch keine modernen Texte machen, das ist nicht mehr Szene, das ist Kommerz.“ Wir hatten aber Bock, diese Musik zu machen und den Mut, über Genre-Grenzen hinauszugehen. Und das hat funktioniert. Jahre später haben wir mit Kool Savas zusammengearbeitet und mit Finch gemeinsam einen absoluten Szene-Hit geschaffen, was viele Leute erst kritisch gesehen haben. Aber wir wollen uns nicht eingrenzen lassen. Für mich geht’s bei Saltatio Mortis seit 25 Jahren darum, sich neu zu erfinden. Wir sind nicht AC/DC, eher – naja, das klingt jetzt groß – aber vielleicht ein bisschen wie Queen. Die haben sich auch nie von einem Genre oder Erwartungen fesseln lassen.

2024 wart ihr auf Burgentour, 2025 geht’s weiter. Was ist das Besondere an diesen Konzerten?

Ein Unterschied ist zum Beispiel, dass bei keinen anderen Konzerten Anwohner bei der Feuerwehr anrufen und sagen: „Auf der Burg brennt es“. (lacht) So eine Show ist mehr als nur ein normales Konzert – das ist ein Erlebnis. Die Kulisse, die Atmosphäre, das Drumherum. Wir stehen gemeinsam mit dem Publikum zwischen Jahrhunderte altem Gemäuer, spielen unsere Songs, und alles fühlt sich irgendwie... echter an. Wir fühlen uns an solchen Orten als Band besonders nah an unseren Mittelalter-Wurzeln. 

Macht ihr auch Burgführungen vor den Konzerten?

Ja, das haben wir letztes Jahr oft gemacht. In Bayern waren wir zum Beispiel im Schloss Eyrichshof. Da hat uns der Baron persönlich durch das Schloss geführt – ein sehr moderner, cooler Typ, der eine riesige Liebe zur Historie hat. Das war besonders spannend! Deshalb mein Tipp an alle: kommt früh, schaut euch die Burgen an, nutzt den ganzen Tag und macht eine kleine Zeitreise!

Nach der Burgentour kommt die große Arena-Tour. Mit dabei als Vorband sind die Bad Loverz. Was dürfen eure Fans erwarten?

Ich möchte alle unsere Fans herzlich willkommen heißen bei der Tour „Weltenwanderer – 25 Jahre, von Träumen und Krawall“! Das Motto passt so gut zu Saltatio Mortis, denn wir sind Weltenwanderer. Wir kommen aus den Hallen von Jotunheim, gehen durch alle Genres, der Skaldenmet fließt in Strömen. Wir haben für die Tour unsere Welten der letzten 25 Jahre in einem Best of zusammengeführt, durch die wir zusammen reisen werden. Und mit den Bad Loverz kommt noch eine weitere Welt dazu! Nämlich die Welt, die uns alle aus der Jugend und aus den Kindertagen unvergesslich ist.

Wie kann man sich das vorstellen?

Ich habe angefangen Musik zu machen, weil mein größtes Vorbild Jon Bon Jovi war. Ich hab ihn damals in der Sendung Formel 1 in der ARD gesehen, als sie die „New Jersey“ vorgestellt haben. Damals war ich neun Jahre alt und musste in der Schule ein Bild malen mit dem drauf, was ich mal werden will. Ich hab mich als Strichmännchen mit langen Haaren gemalt, als Sänger in einer Rockband. Ich hab Bon Jovi leider noch nie live gesehen, aber ich finde, er ist einer der größten Künstler und Songschreiber, die es je gegeben hat. Ich liebe die Songs und ihre Direktheit. Sie haben mich geprägt und deshalb ist es mir eine riesige Freude, als Venice Steel mit den Bad Loverz diese Musik zu machen. Meine Sicht auf damals mag verklärt sein, aber ich finde musikalisch gab es zu dieser Zeit einfach die größten Künstler, die besten Songs und die krassesten Shows! Musik war eine Religion, es liefen nicht nur einfach Playlists im Hintergrund. Und diese Musik feiern wir als Bad Loverz auf der Tour! 

War es schwer, die anderen Bandmitglieder zu überzeugen, diese Hard-Rock- und Glam-Rock-Welt zu bereisen?

Niemand musste überzeugt werden! Till und Jean waren jahrelang gemeinsam in einer 80er-Jahre-Coverband. Und Elsi hat wahnsinnig viel Spaß an seiner Figur Malcom Silver. Falk ist ein Musikfan in jede Richtung. 

Spielen die Bad Loverz Cover-Versionen oder eigene Songs?

Alea als Venice Steel (mit stark englischem Akzent): Das sind keine Cover, das sind unsere Songs. Wir haben nur nie die Zeit gehabt, sie live zu spielen, weil ich bin zu lange gewesen im Rehab. 

Bad Loverz x Saltatio Mortis - The Look



Absolut überzeugend. Das Video zu „The Look“ ist spektakulär. Darin treffen Saltatio Mortis und die Bad Loverz aufeinander. Wie ähnlich sind sich die Mitglieder der Bands und wo gibt es Unterschiede?

Alea als Venice Steel: Also ich habe kennengelernt der Alea und der Alea ist straight, he is really straight, he doesn't drink too much and we tried everything. Es hat nicht funktioniert, er hat sich gewehrt und man kann nicht ihn zwingen zu trinken, weil er macht Kung Fu. Zu gefährlich!

Alea: Venice Steel, das ist so ein Verrückter, der all die Dinge macht, die ich mich mit 47 einfach nicht mehr traue. Er ist ungefähr die Version, die ich war, als ich mit 22 zum ersten Mal in den Nightliner gestiegen bin.

Du hast schon von euren allerersten Auftritten erzählt – erinnerst du dich auch noch an die ersten großen Shows?

Als wir das erste Mal auf dem Wacken gespielt haben, nachts um zwölf, war Doro Pesch auch dabei. Wir haben kurz vor dem Auftritt hinter der Bühne gequatscht, ich hab meine Stretchings gemacht und war tierisch aufgeregt. Ich wollte, dass alles perfekt ist. Dann ging’s los. Aber während des Intros ist mein Mikrofon wegen der Vibrationen einfach weggerollt und unter die Bühne gefallen. Unsere Techniker haben es gefunden und ich bin genau zum ersten Ton auf die Bühne gerannt. Es hat gerade so geklappt. Danach war mir alles egal, weil ich schon damit gerechnet habe, dass jetzt alles schief geht. Und es lief super! 

Hast du heute noch Lampenfieber?

Ja, und das ist gut so. Der Tag, an dem du keine Angst mehr hast, ist der Tag, an dem du aufhören solltest. Denn dann hast du die Achtung und die Demut vor der Bühne verloren.

Habt ihr Rituale vor der Show?

Wir stehen kurz vorher immer zusammen wie die Spieler vor einem Footballspiel. Für mich gehören Einsingen, Warmmachen und Stretching dazu. Und ich mache vor den Auftritten Qigong und Atemübungen, um mich zu erden. Dann fühle ich meine Atmung besser und das ist beim Singen für mich essenziell. 

Was hast du auf Tour immer dabei?

Mittlerweile meinen Gaming-Laptop. Ansonsten habe ich immer meinen kleinen Wanderschrein dabei und Sachen zum Sport machen. Eine Matte, Terra-Bänder und so weiter. 

Gibt es etwas, was auf eurem Tour-Rider nicht fehlen darf? Und haben die Bad Loverz Extrawünsche?

Die sind mit einer ganzen Liste Extrawünsche gekommen, aber wir haben ihnen gesagt, dass sie froh sein können, wenn sie überhaupt als Vorband auftreten dürfen. Jetzt sind sie ganz handzahm, aber sie wollten alles, was irgendwie mit Alkohol zu tun hat und andere Dinge… Aber wir haben ihnen erklärt, dass wir eine cleane Produktion sind. Und das meine ich völlig ernst. Drogen waren bei uns nie ein Thema, weil wir alle große Gegner davon sind. Und unser Rider? Früher gabs bei uns viele Mixgetränke: Rum Bacardi, Gin und dieses ganze Zeug. Heute ist das total eingedampft. Ein paar der Jungs trinken gern mal ein Bierchen, auch mal alkoholfrei, wir haben gute Weine, einen weißen und einen roten und meistens noch einen guten Whisky. Ansonsten: Jede Menge Wasser. Ich glaube, unsere Crew hat einen wilderen Rider als wir.

Gibt es einen Act, mit dem du richtig gerne mal die Bühne teilen würdest? Hast du da was auf deiner Wunschliste?

Ich habe eine riesige Wunschliste. Definitiv Def Leppard, die Band liebe ich seit den 80ern. Und natürlich Jon Bon Jovi! Wen ich auch unbedingt mal kennenlernen will, ist Alice Cooper. Das muss ein unfassbar freundlicher Mensch sein. Ein großes Idol von mir ist auch Bruce Dickinson – man merkt, alles Leute aus einem ähnlichen Genre… Und Bruce Springsteen würde ich auch unglaublich gerne kennenlernen. 

Du hast schon von dem verschwundenen Mikrofon vor dem Wacken-Auftritt erzählt. Gibt es in den 25 Jahren Saltatio Mortis noch mehr Fails, an die du dich erinnerst?

Unzählige. Aber ich glaube, wir konnten bisher über jeden Fail, der passiert ist, immer richtig lachen. Wir hatten Banner, die sich gelöst haben und die dann halbherzig irgendwie im Hintergrund hingen. Wir hatten Jean, der samt Keyboard von der Bühne gefallen ist. Da gab es einen Riesenknall, völlig irre, er ist einfach vorbeigetreten und runtergefallen und hat dabei das ganze Klavier mitgerissen. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert. Viele Pyro-Unfälle hatten wir auch schon und auch die sind immer gut ausgegangen. Das ist wirklich nicht zum Lachen, aber wir nehmen diese Dinge – so gut es geht – mit Humor.

Gibt es ein Konzert, das einen ganz besonderen Platz in deinem Herz hat?

Das erste Wacken, das erste Rockharz, das erste Summer Breeze – diese großen Festivals waren schon was Besonderes. In Hamburg hatten wir mal eine Show im Theater am Großmarkt vor 3500 Leuten. Am Morgen davor bin ich aufgestanden und hatte keine Stimme mehr. Ich hab mir Kortison spritzen lassen beim Arzt, habe alles versucht und bin abends auf die Bühne gegangen. Meine Stimme war kurz da und dann war sie weg. Aber die Leute haben die komplette Show gesungen. Wahnsinn! Wir haben einfach super viel erlebt in den letzten 25 Jahren. Es ist alles mögliche passiert. Saltatio Mortis ist eine Reise, die ultraspannend und ultraereignisreich war. Und sie ist noch lange nicht zu Ende.


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