Bild: Olof Grind
Sechs Jahre sind seit „Punisher“ vergangen, nun ist Phoebe Bridgers zurück. Ihr neues Album „Lost Weekend“ zeigt die US-Songwriterin auf einem neuen Höhepunkt ihres Schaffens. Vieles klingt vertraut: die messerscharfen Beobachtungen, die melancholischen Zwischentöne, diese besondere Mischung aus zarter, aber pointierter Intimität und abgründiger Traurigkeit. Gleichzeitig steckt das Album voller Momente, die genau dann ein neues Fenster öffnen, wenn man nicht damit rechnet.
Das beginnt schon beim Opener: Auf „The Outside“ versteckt sich Bridgers zunächst hinter einem Vocoder, synthetische Sounds schieben sich nach vorne, erst später tauchen akustische Instrumente auf und sie tritt wie hinter einem Klangvorhang hervor. Überhaupt steckt viel Bewegung in den Songs. Synthesizer treffen auf Folk und Country, leise Passagen kippen plötzlich ins Gegenteil. „Kill Me“ beginnt mit Akustikgitarre und Klavier, bevor verzerrte Sounds den Song aufreißen. Beim Titeltrack wird daraus ein regelrechtes Gewitter aus Elektronik, Stimmen und Streichern.
Inhaltlich beschäftigt sich die Musikerin unter anderem mit ihrem Beziehungsalltag, aber auch mit der Ambivalenz zwischen Euphorie und Unsicherheit. Immer wieder blitzt ihr trockener Humor zwischen den Zeilen auf, wie bei „Bobby“, der ihrem Lebensgefährten Bo Burnham gewidmet ist: „We’ve got stars on the ceiling and clothes on the floor / And a thing in a box I don’t use anymore“.
Doch es wird auch dunkel. Besonders dann, wenn Phoebe Bridgers den Tod ihres Vaters und eine traumatische Erinnerung in Zeilen wie „Your back to the ocean, burning red / I can’t imagine you dead / But you are every day / Thank you for everything“ in „Still Standing“ verarbeitet oder eine Sprachnachricht von ihm in „Never Going Back!“ teilt.
Seit „Punisher“ hat sich die Sängerin bemerkenswert vielseitig weiterentwickelt. Und das nicht nur wegen des großen Erfolgs von boygenius – dem gemeinsamen Projekt mit Julien Baker und Lucy Dacus. „Lost Weekend“ ist nach ihrem Rückzug 2024 eine neue Etappe auf einem Weg, der zeigt, dass Phoebe Bridgers noch die ein oder andere Überraschung zu bieten hat.
Passend dazu wurde das Album vorab in einem unerwarteten Setting präsentiert. In ausgewählten Planetarien rund um den Globus konnte man „Lost Weekend“ unter Sternenhimmel-Visuals oder während einer Lasershow-Inszenierung lauschen. Im Dezember wird es dann etwas klassischer, aber nicht weniger aufregend: Im Rahmen ihrer „The Lost Tour“ kommt Phoebe Bridgers für zwei Konzerte nach Deutschland. Die Show in Berlin ist zwar schon ausverkauft, aber für das hochverlegte Konzert in Düsseldorf sind noch wenige Restkarten verfügbar.