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Interviews

Backstage mit Natalie Jane: „Mein Traum wäre es, auf einer Bühne mit Billie Eilish zu stehen.“

26.09.2024 von Susan Barth

Singen gehört schon immer zu ihrem Leben dazu, aber ein Video machte Natalie Jane und ihre Stimme auf einen Schlag bekannt: In einer Tiefgarage sang sie ein Cover von Gnarls Barkleys Hit „Crazy“ und stellte das Video online. Innerhalb weniger Stunden ging es viral. Seitdem hat sich in ihrem Leben einiges geändert, aber die Liebe zur Musik und ihr Ehrgeiz sind gleichgeblieben. Am 27. September erscheint ihre EP „Sick To My Stomach“, im Frühjahr 2025 kommt Natalie Jane auf ihrer gleichnamigen Tour auch in fünf deutsche Städte. Im Interview erzählt die 20-jährige Sängerin von den Anfängen ihrer Karriere, welcher Song sie immer zum Weinen bringt und was es mit dem „Twisted Tummy Club“ auf sich hat, den sie gegründet hat.

Auf Tik Tok bist du mit einem Cover schlagartig durch die Decke gegangen und hast einen viralen Hit gelandet. Kannst du von dem Moment erzählen? Wie hat sich das angefühlt?

Natalie Jane: Total verrückt. Mein ganzes Leben lang wollte ich singen und den Leuten zeigen, dass ich es liebe und dass ich es kann. Dass dieses Video so viel Anerkennung bekommen hat und 150 Millionen Menschen es gesehen haben, ist so cool! Vor allem, weil ich dadurch meine eigene Musik promoten kann. Menschen kommen deshalb auf mein Profil. Und da bin ich und sage: Hey, ich schreibe auch eigene Musik!

Also hast du nie damit gerechnet, viral zu gehen?

Natalie Jane: Nein. Ich habe das Video nur gepostet, weil das der Content war, den ich in der Zeit gemacht habe. Ich mag es, manchmal früh morgens zu posten und bin danach wieder eingeschlafen. Als ich dann aufgewacht bin, hatte es schon etwa zwei Millionen Aufrufe. Ich dachte: Das ist verrückt! Es ist doch nur eine Stunde her.

Es gibt viele junge Menschen, die von dem träumen, was du geschafft hast. In welchen Momenten fühlt es sich für dich an wie ein Traum?

Natalie Jane: Mein Lieblingsmoment, der sich wie ein Traum anfühlt, ist, wenn ich auf der Bühne stehe und auf Tour auftrete. Sonst sehe ich nur Zahlen auf einem Bildschirm, ich sehe Kommentare und Likes. Aber wenn ich tausend Leute in einem Raum mit mir sehe, die mir die Songs zurücksingen, ist das der coolste Teil von allem. Ich liebe es zu schreiben, ich liebe es aufzunehmen, aber das „Ich hab’s geschafft“-Gefühl bekomme ich, wenn ich auf Tour bin.

Was ist mit dem Gefühl von Druck? Kennst du das auch?

Natalie Jane: Auf jeden Fall! Es gibt viel Druck auf Tour. Ich bereise zwar die Welt mit meinen Freunden – einfach, weil ich meine Crew liebe – aber da ist auch Druck, dass ich gesund bleiben muss. Ich kann nicht wirklich raus, Spaß haben und neue Dinge entdecken. Ich sehe eigentlich nur mein Hotel, den Veranstaltungsort und den Tourbus. Das ist zwar toll, aber ich muss mich immer daran erinnern, dass es ein Job ist und dass ich meine Stimme nicht verlieren darf, weil ich sonst zum Beispiel eine Show absagen muss. Und natürlich macht es auch Druck, dass diese Leute kommen, um dich live zu sehen. Sie sind so daran gewöhnt zu hören, wie perfekt die Songs auf Spotify oder auf Apple Music klingen. Da gibt es also einen großen Druck, auf der Bühne nicht zu versagen.

Natalie Jane - tour is wild...



Die meisten Menschen haben dich zum ersten Mal in einer Tiefgarage singen gesehen. So hat das wahrscheinlich nicht angefangen, oder? Seit wann machst du Musik?

Natalie Jane: Ich habe schon immer gesungen. Als ich sechs oder sieben war, habe ich zu Hannah Montana aufgesehen und dann zu Adele oder Katy Perry... Ich habe die Popstar-Ästhetik und den Lifestyle schon immer geliebt. Als ich acht oder neun war, habe ich angefangen, Songs in mein Tagebuch zu schreiben. Die waren furchtbar. (lacht) Mit 15 oder 16 Jahren wurde es dann ernster. Meinen ersten Song habe ich veröffentlicht, als ich 17 war. Da war ich noch auf der Highschool. Nach der Schule bin ich für die Aufnahme-Sessions von New Jersey nach New York City gefahren.

Hat dich deine Familie dabei immer unterstützt?

Natalie Jane: Ja, sie haben mich sehr unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin. Meine Mutter hat mich immer in die Stadt gefahren – ich liebe sie.

Du konzentrierst dich nicht nur auf eine Musik und Texte, du steckst auch viel Kreativität in die Vermarktung deiner Musik. Würdest du manchmal gerne mehr Abstand von TikTok nehmen, um dich besser auf deine Musik zu fokussieren oder gehört beides untrennbar für dich zusammen?

Natalie Jane: In einer Traumwelt würde ich einfach gerne Songs schreiben, sie aufnehmen, in die Welt hinaustragen und die Leute würden automatisch zuhören. Aber ich bin gerade an einem Punkt, an dem ich alles zu einem großen Teil selbst promoten muss. Ich muss hart arbeiten, damit Leute wissen, dass es meine Musik gibt. Das gilt auch, wenn ich auf Tour bin. Ich denke immer daran, was aus welchem Winkel gefilmt werden könnte, um die nächste Tour zu promoten. Im Wesentlichen besteht mein Job darin, Menschen davon zu überzeugen, mich zu mögen. Dafür nutze ich Social Media.

Auf dem Lollapalooza in Chicago hast du dir die Festival Bühne mit vielen Künstlern geteilt. The Killers waren da oder TV Girl – mit wem würdest du dir denn gerne in Zukunft mal die Bühne teilen?

Natalie Jane: Mein Traum wäre es, auf einer Bühne mit Billie Eilish zu stehen. Ich liebe sie. Sie ist so cool.

Kannst du dich noch an dein erstes Konzert erinnern?

Natalie Jane: Meine erste Headliner-Show war in New York City. Das war sehr süß und so toll für mich, denn weil ich in New Jersey aufgewachsen bin, konnten meine ganze Familie und Freunde bei dieser Show dabei sein. Für mich war es damals das Coolste überhaupt, weil ich 350 Tickets verkauft habe. Und bei jeder Tour habe ich wieder das gleiche Gefühl. Bei der nächsten Tour waren es etwa 500 Tickets, dann 1000 Tickets und dann ungefähr 1600 Tickets. Es ist schön, dass ich immer größer und bekannter werde... Es ist nur... Es ist einfach surreal für mich.

Wie ist es für dich, jetzt auf so großen Bühnen zu stehen?

Natalie Jane: Es ist so cool, aber definitiv etwas, woran ich mich gewöhnen musste. Manchmal muss ich einen Schritt zurücktreten und mir ansehen, was ich bis jetzt erreicht habe. Denn es ist immer einfach, sich mit anderen Menschen zu vergleichen, die in einem ähnlichen Alter sind und die schon mehr erreicht haben. Billie Eilish hatte mit zwanzig schon um die fünf Grammys – was verrückt ist! Aber jeder hat seinen eigenen Weg.

Gibt es Momente, in denen du noch Lampenfieber hast?

Natalie Jane: Bei den ersten paar Shows jeder Tour bin ich immer angespannt und nervös. Aber am Ende der Tour, kann ich sogar einen Burger essen, fünf Minuten bevor ich auf die Bühne gehe. Jedes Mal, wenn das Publikum größer wird oder ich etwas mache, was ich so noch nicht gemacht habe, spüre ich die Nervosität. Dann gewöhne ich mich aber daran, und sie verpufft.

Was nimmst du mit, wenn du auf Tour gehst? Gibt es ein Must-Have?

Natalie Jane: Ja! (Springt auf und öffnet ihren Koffer) Pandy! Pandy den Panda. (Sie holt einen kleinen Plüsch-Pandabären aus dem Koffer)

Sehr süß! War er ein Geschenk?

Natalie Jane: Ehrlich gesagt, erinnere ich mich nicht. Also: Ich hatte einen, der genauso aussah, als ich acht Jahre alt war. Ich hatte ihn zehn Jahre und das hat man ihm auch angesehen (lacht). Leider wird dieser Panda nicht mehr hergestellt. Deshalb war es schwierig, genau den wiederzufinden, aber ich habe ihn online entdeckt und nehme ihn seitdem überall mit hin. Letztes Jahr war ich im Berliner Zoo und habe zum ersten Mal einen echten Panda gesehen. Das war so cool.

Foto: nataliejanehq @ Instagram

Warum magst du Pandas so gerne?

Natalie Jane: Ich weiß nicht. Sie sind süß und ein bisschen doof, rollen herum und haben Spaß.

Sie wirken immer entspannt.

Natalie Jane: Ja, ihnen ist alles egal. Meine Fans wissen, dass ich Pandas liebe, und werfen Plüsch-Pandas auf die Bühne. Auf der letzten Tour kamen so über hundert Pandas zusammen. Wir hatten deshalb schon eine „Panda-Tasche“, in der wir sie gesammelt haben. Ich lebe in einem kleinen Apartment und habe leider keinen Platz für sie alle. Also haben wir sie am Ende der Tour an ein Kinder-Krankenhaus gespendet.

Du hast den „Twisted Tummy Club“ gegründet – was kann man sich darunter vorstellen? Und warum gibt es den Club?

Natalie Jane: Der „Twisted Tummy Club“ gehört ein bisschen zur EP, die „Sick to my Stomack“ heißt. Im Grunde geht es dabei um alle Dinge, bei denen du dich seltsam fühlst, angespannt bist oder so ein komisches Gefühl im Bauch hast. Das kann von guten und von schlechten Dingen kommen. Zum Beispiel fühlt man es in seinem Bauch, wenn man sauer auf jemanden ist. Aber auch, wenn man verliebt ist und Schmetterlinge im Magen hat. Um alle diese Gefühle im Bauch geht es in der EP. Außerdem liebe ich den Spruch „Hot girl have tummy issues“ – der passt so gut zum Album. Ich ernähre mich gluten- und milchfrei und hab auch immer wieder Probleme mit meinem Bauch. Das ist der „Twisted Tummy Club“. Er ist für alle, die die diese Gefühle kennen und natürlich auch für alle heißen Girls mit Magenschmerzen.

Natalie Jane - Sick To My Stomach



Du singst viel über Liebe und die Angst sich zu verlieben, über Herzschmerz, über Gefühle – was macht das mit dir?

Natalie Jane: Vieles worüber ich singe, mache ich in der Hoffnung, dass es auch eine Art Therapie für mich ist. Aber ich mache es auch irgendwie als Therapie für andere Menschen. Zum Beispiel bekomme ich so viele Nachrichten, in denen Menschen schreiben, dass ihnen ein Song durch ihre Trennung geholfen hat. Und manchmal braucht man einfach einen Song, zu dem man weinen kann. Mein Wein-Song ist zum Beispiel „Jealous“ von Labrinth. Wenn ich den höre, fange ich an zu weinen. Manchmal tut das einfach gut. Solche Songs will ich für andere Menschen machen. Damit sie ihre Gefühle besser wahrnehmen und fühlen können. Denn ich glaube, es ist wichtig, nicht alles in sich hineinzufressen.

Lass uns noch mal über etwas Fröhlicheres sprechen. Kannst du zum Schluss noch einen deiner Lieblings-Momente teilen, der dir auf der Bühne passiert ist?

Natalie Jane: Einer meiner absoluten Lieblings-Momente ist in Polen auf einem Konzert passiert. Mein kompletter Name lautet Natalie Jane Janowski. Ein kleiner Teil von mir ist polnisch, daher kommt der Name. Auf der Bühne in Warschau habe ich also gesagt, wie ich eigentlich wirklich heiße und das ich polnisch bin. Und dann haben all die Leute im Chor gerufen: Ja-now-ski! Ja-now-ski! Das war mein liebster Moment der ganzen Tour und ich wünschte, ich hätte ihn auf Kamera. Er wird immer mein Highlight bleiben.

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