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Interviews

Backstage mit Alvaro Soler: „Man geht raus auf die Bühne und schwappt in diese große Energie“

16.04.2026 von Nicole Pietzsch

Dass Popmusik mit spanischen Texten nicht nur in spanischsprachigen Ländern funktioniert, beweist Alvaro Soler seit mittlerweile zehn Jahren. Ein Stück weit ist sein länderübergreifender Erfolg sicher auf seinen multinationalen Background zurückzuführen. Geboren in Barcelona als Sohn eines deutschen Vaters und einer spanisch-belgischen Mutter, lebte er bis zum zehnten Lebensjahr in der katalanischen Metropole. Anschließend verschlug es die Familie nach Tokio, wo Soler eine deutsche Schule besuchte. Zum Studieren kehrte der Kosmopolit nach Barcelona zurück, um schließlich Deutschland zu seiner Wahlheimat zu machen und hier seine Solokarriere zu starten. Vier Alben hat Alvaro Soler seit 2015 veröffentlicht. Im Oktober erschien sein neuestes Werk „El Camino“. Am 20. April 2026 beginnt die gleichnamige Tour, die den auch als Juror von „The Voice Kids“ bekannten Sänger und Musiker erst in die großen Hallen und Arenen und im Sommer auf die Open-Air-Bühnen des Landes führt. Im Interview erzählte der 35-Jährige von seinem Weg in den letzten zehn Jahren, vom elektrisierenden Gefühl auf der Bühne zu stehen, davon, was uns auf der „El Camino“-Tour erwartet und von seinen Träumen.

Bild: Jakob Marwein

Alvaro, auf deinem aktuellen Album „El Camino“, übersetzt „Der Weg“, reflektierst du deinen Weg seit dem Karrierebeginn vor zehn Jahren. Wie würdest du diesen Weg in drei Worten zusammenfassen?

Ich glaube, das größte Wort ist „Überraschung“. Und dann „Dankbarkeit“. Ein drittes wäre „Kultur“. Als mein Soloprojekt damals rauskam, war das Schöne, dass es überall dort erfolgreich war, wo ich überhaupt nicht damit gerechnet hätte. Es war ja zuerst in Italien erfolgreich, was ich mir gar nicht erklären konnte. Dann kam Spanien, dann Deutschland und dazwischen noch andere Länder in Europa. Das war echt verrückt! Deswegen sage ich „Kultur“, weil ich dadurch so viele Kulturen kennenlernen durfte, und auch Sprachen – ich habe dann ja noch Italienisch gelernt. Das hat mir sehr viel gegeben und ich bin daran gewachsen als Mensch.

Wie würdest du das Album musikalisch beschreiben?

Musikalisch ist es sehr „ich“. Das ist vielleicht keine so gute Beschreibung, aber das Album ist sehr ehrlich in Bezug auf das, was ich fühle. Ich wollte eine musikalische Reise darstellen, daher gibt es ein Intro, eine Art Interlude in der Mitte und ein Outro. Mir war sehr wichtig, dass es sich anfühlt wie ein ganzes Album, nicht wie eine Playlist. Es ist sehr persönlich. Es gab vieles, das ich ausprobieren wollte und viele Geschichten, die ich endlich erzählen wollte. Für mich ist es mein bislang bestes Album geworden.

Du beschäftigst dich auf „El Camino“ nicht nur mit der Vergangenheit, sondern ebenso mit der Gegenwart, etwa auf „Regalo“, und auch mit der Zukunft. Blickst du generell eher zurück, nach vorne oder bist du ganz im Hier und Jetzt verwurzelt?

Ich glaube wir sollten alle eine Kombination aus allen dreien haben. Es ist schön, die Vergangenheit nicht zu vergessen, während man von der Zukunft träumt. Aber man darf auch nicht vergessen, dass man den Moment genießen sollte. Auf „Regalo“ erkläre ich genau das: dass man am besten in der Gegenwart leben sollte. Das ist auch ein kleiner Reminder an mich selbst, weil ich mich manchmal dabei ertappe, wie ich zu weit in die Zukunft plane oder darüber nachdenke, was wir morgen machen, obwohl jetzt gerade eigentlich ein mega Moment ist, was dann schade ist. Oder man vergleicht etwas mit Dingen, die man schon erlebt hat und denkt dann das typische „damals war alles besser“ (lacht) – je älter man wird, desto öfter denkt man das, was kein gutes Zeichen ist. Deswegen: Eine Kombi von allem ist gut, vor allem aber, den Moment, das Hier und Jetzt, nicht zu vergessen.

Inwieweit finden die Themen des Albums den Weg in die Konzerte? Werden die vielleicht auch eine Reflexion der letzten zehn Jahre?

Ja, klar. Dieses Jahr haben wir echt viele Shows, was mich sehr freut. Die „El Camino“-Tour startet als richtige Tour und geht dann in die Sommerfestivals über. Seit Monaten bin ich schon damit beschäftigt, die Setlist für die Shows vorzubereiten, und es ist sehr schwierig, weil es nach mittlerweile vier Alben so viele Songs sind. Da ist es natürlich schwer, jedem gerecht zu werden, aber ich habe trotzdem versucht, eine gute Repräsentation von allem hinzubekommen. Das Wichtigste ist „El Camino“, aber es gibt ein bisschen von allem. Eine neue Sache, die ich zum ersten Mal gemacht habe, sind Medleys, also etwa drei verkürzte Songs in einem.

Aktuell bist du auch wieder bei „The Voice Kids“ zu sehen. Gibt es da etwas bei den jungen Talenten, was du als Musiker oder für deine Live-Shows mitnehmen kannst?

Vor allem die Spontaneität. Und den Mut, Sachen zu machen, die man früher noch nicht gemacht hat. Die Kids sind so mutig, dass mich das voll inspiriert. Vielleicht gibt es auch das eine oder andere Talent, das als Gast in meine Show kommt – wer weiß.

Versuch doch bitte einmal zu beschreiben, wie es sich für dich anfühlt, auf der Bühne zu stehen. Was geht da in dir vor?

Einer der krassesten Momente ist der, bevor es losgeht, wenn der Countdown läuft. Ich bin normalerweise nicht besonders nervös vor den Shows, aber in dem Moment, wenn ich höre, dass der Song anfängt und ich in 20 Sekunden dran bin, bin ich sehr aufgeregt – aber schön aufgeregt. Aus dem Backstage geht man raus auf die Bühne und schwappt in diese große Energie. Da sind so viele Leute und es ist ein pulsierendes Gefühl. Diese Energie lässt sich schwer mit etwas anderem vergleichen. Ich versuche immer, das zu erklären, aber man muss es erleben. Ich würde sagen, es ist ähnlich, wie wenn man sich ein großes Fußballspiel ansieht und die Energie des ganzen Stadions spürt. Es ist elektrisierend und total schön, Teil dieser Energie mit so vielen Menschen zu sein.

Gibt es ein Lied, bei dem du dich besonders freust, es live zu singen?

Gerade jetzt mit dem neuen Album gibt es viele. Es gibt einen sehr intimen Song auf dem neuen Album, das ist der Interlude-Song „Mejor Que Yo“. Den finde ich sehr schön und da bin ich gespannt, wie der live wird. Außerdem freue ich mich sehr auf „El Camino“ vom ersten Album. Den habe ich für diese Tour wieder rausgefischt, weil es natürlich total Sinn macht und ganz viele Leute gefragt haben, ob ich den singe.

Kannst du einen besonders schönen Bühnenmoment teilen, an den du dich immer wieder gerne erinnerst?

Es ist zwar kein einzelner Moment, aber ich finde es toll, wenn ich von der Bühne runter ins Publikum gehe. Vor Covid habe ich das immer gemacht. Wir haben dann gemeinsam gesungen und uns hingesetzt und überall waren Lichter. Diese Lichtermomente sind immer magisch und gehören zu meinen Lieblingsmomenten. Es sieht wunderschön aus und jeder fühlt sich mit seinem Licht eingebunden.

Worauf dürfen sich die Fans bei der „El Camino“-Tour besonders freuen?

Auf jeden Fall auf die musikalische Reise. Ich möchte mit der Setlist nicht einfach nur Songs spielen, sondern eine Geschichte erzählen und eine richtige Show aufbauen. Ich bin sehr gespannt, was die Leute denken – es wird nämlich total anders sein als das, was ihr kennt. Wir haben auch ein paar neue Effekte dabei. Für mich ist es gerade sehr spannend, das zu planen. Es wird sehr viele Überraschungen geben und sehr viel Miteinander.

Hast du noch Träume in Bezug auf deine Musikkarriere?

Viele Träume habe ich schon verwirklicht. Aber ich würde super gerne mal in Japan spielen. Ein Konzert in Tokio geben, das ist ein großer Traum von mir, weil ich zum Teil da aufgewachsen bin. Es ist ein toller Ort, der mir viel gegeben hat und ich würde den Japanern gerne etwas zurückgeben.

Gibt es auch eine Traum-Kollabo oder hat die sich mit J.Lo erfüllt?

An eine Kollabo mit J-Lo hatte ich natürlich nie gedacht. Eigentlich hätte ich super gerne mal was mit Phil Collins gemacht. Ja, Phil Collins wäre cool.


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