"Hinter mir verbrannte Erde, meine alte Welt liegt in Scherben." Mit dieser Zeile eröffnet
Trettmann sein neues Album "Stadt aus Gold". Sie ist Programm, ohne ins Pathetische zu
kippen. Trettmann erzählt nicht von einem einzigen großen Bruch, sondern von einem Leben,
das sich immer wieder neu sortieren musste.
Stefan Richter, aufgewachsen in Karl-Marx-Stadt, kennt dieses Prinzip. Sein Erwachsenwerden
fiel in die Nachwendezeit; später pendelte er zwischen Chemnitz, Leipzig, Berlin und
Kingston. Aus Karrieren wurden Umwege, aus Gewissheiten Provisorien. Immer wieder
verabschiedete sich Trettmann von vertrauten Sounds, Teams und Erfolgsformeln.
Auf das Ende der KitschKrieg-Ära folgte zunächst die sonnige Leichtigkeit der EP-Reihe "Your
Love Is King". "Am Ende der KK-Zeit war Musikmachen für mich viel Routine. Auf den EPs
habe ich dann wieder entdeckt, dass ich als Künstler wirklich glücklich bin, wenn ich
herausgefordert werde und mich neu erfinden muss."
Für sein neues Album "Stadt aus Gold" suchte Trettmann diese Herausforderung gezielt. Mit
Jimmy Torrio, Stoopid Lou und den Waters-Zwillingen – die unter anderem für Souly, Ufo361
und Juju gearbeitet haben – kollaborierte er mit Künstlern, deren bisherige Welt zunächst
weit von seiner entfernt schien. Der Kingston-Raver traf auf New-School-Rage-Experten. Hinzu
kamen Sessions mit dem Afrobeat-Produzentenkollektiv bees & honey, das mit WizTheMc an
dessen Streaminghit "Show Me Love" beteiligt war.
Entstanden ist ein Album, das zugleich luftig und unruhig klingt. Minimalistische
Produktionen, flirrende Synthesizer und kühle, verspielte Drums öffnen große, oft leere
Räume. Das Grau der KitschKrieg-Jahre ist ebenso passé wie das Bunt der jüngeren
Veröffentlichungen. "Stadt aus Gold" bewegt sich zwischen Dancehall, Reggae, Trap,
Afrobeat und Triple Step; die Melodien wärmen, doch unter ihnen liegt ein leiser Schauer.