Das musikalische Schaffen von Tyler, The Creator ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man bekommt. So steht der Rapper und Produzent aus L. A. dank Alben wie „Goblin“ (2011), „Flower Boy“ (2017), „Igor“ (2019) und „Call Me If You Get Lost“ (2021) für einen genreübergreifenden Stilmix. Dass sein Name außerdem für kompromisslose künstlerische Freiheit steht, ist schon seit den Anfängen als Schöpfer und Fronter der Indie-Rap-Crew OFWGKTA, klar. Tyler, The Creator macht sein Ding – und das überaus erfolgreich. Davon zeugen diverse Gold- und Platinauszeichungen ebenso wie die Grammys, die er für „Igor“ und „Call Me If You Get Lost“ abräumte.
Anfänge mit Odd Future und Debütalbum „Goblin“
Tyler, The Creator kommt 1991 als Tyler Gregory Okonma in Los Angeles zur Welt. Die Tatsache, dass er ohne Vater aufwächst, prägt ihn nachhaltig, wie die Lyrics auf „Goblin“ erkennen lassen. Innerhalb von 12 Jahren Schulzeit besucht er ebenso viele Schulen in der Umgebung von L. A. und Sacramento. 2007 ruft er die Rap-Gruppe Odd Future Wolf Gang Kill Them All, kurz OFWGKTA, ins Leben. Die Crew macht mit einer Mischung aus HipHop und Horrorcore und Mitgliedern wie Frank Ocean oder Earl Sweatshirt von sich reden. Durch Odd Future bereits in der Szene bekannt, bringt Tyler, The Creator 2009 sein Mixtape „Bastard“ unter die Leute. Aufsehen erregt dieses durch provokante Texte über Themen wie Mord und Vergewaltigung. Den Horrorcore-Aspekt setzt Tyler also auch als Solokünstler fort – zumindest vorerst. Denn auch auf dem 2011 erscheinenden Debüt-Album sind diese Elemente weiterhin vorhanden. Stilistisch passend dazu fällt das Musikvideo zur Single „Yonkers“ aus. Der Clip bringt dem Rapper gesteigerte Aufmerksamkeit ein und verhilft ihm zum Durchbruch, noch bevor „Goblin“ in den Läden steht. In den USA erreicht die Platte Platz 5 der Billboard-Charts.
Weitere Studioalben von „Wolf“ bis „Flower Boy“
Neben den Inhalten der Lyrics enthält „Goblin“ eine weitere Parallele zum Mixtape: den fiktiven Therapeuten Dr. T.C. Dieser begegnet der Hörerschaft auch auf dem zweiten Studioalbum „Wolf“, das Tyler, The Creator 2013 herausbringt. Abgesehen davon schlägt der Rapper stilistisch eine andere Richtung ein – weg von Horror-Lyrics und den Fokus stärker auf HipHop legend. Angepasst zeigt sich Tyler aber auch diesmal weder musikalisch noch textlich. Bemerkenswert ist die illustre Gästeliste des Albums, die unter anderem Pharrell Williams und Erykah Badu beinhaltet. „Wolf“ wird zum mit Platin dekorierten Erfolg. Der Nachfolger „Cherry Bomb“ kann da 2015 nicht ganz mithalten, dafür gelingt Tyler, The Creator gut zwei Jahre später mit „Flower Boy“ ein richtig großer Wurf. Die Singles „Who Dat Boy“, „911 / Mr. Lonely“, „Boredom“ und „I Ain’t Got Time“ dürften maßgeblich daran beteiligt sein. Mit reinen Singles, darunter „Okra“ und „Potato Salad“ featuring A$AP Rocky, macht Tyler, The Creator 2018 erst einmal weiter.
Erfolgsalben „Igor“ und „Call Me If You Get Lost“
2019 veröffentlicht er sein bis dato erfolgreichstes Album. „Igor“ belegt die Pole-Position der US-Charts, fährt dort Doppelplatin ein und landet in Deutschland auf einem respektablen Platz 29. Nicht nur die Fans, auch die Musikpresse ist voll des Lobes für „Igor“. Als Krönung gibt es einen Grammy in der Kategorie „Bestes Rap-Album“. Zwei Jahre später erhält „Call Me If You Get Lost“ dieselbe hohe Auszeichnung. Das 2021 veröffentlichte sechste Werk verschafft Tyler, The Creator zudem eine weitere Nummer-Eins-Platzierung sowie den ersten Top-10-Einzug in Deutschland. Wie schon auf den Vorgängern „Flower Boy“ und „Igor“ vereint Tyler auf „Call Me If You Get Lost“ diverse musikalische Einflüsse von HipHop über Soul bis hin zu Jazz.
Im Oktober 2024 kündigt Tyler, The Creator sein neues Album „Chromakopia“ mit der Single „Noid“ an. Die Tour zum siebten Album führt den Rapper, der sich im Übrigen auch als Modedesigner einen Namen gemacht hat, 2025 unter anderem nach Deutschland.