Zu einer Zeit, als viele Liebhaber des Genres fürchteten, den R’n’B für immer an die Massentauglichkeit verloren zu haben, machte es sich ein Mann zur Aufgabe, den Rhythm and Blues zu retten: Abel Makkonen Tesfaye, besser bekannt als The Weeknd, erscheint 2011 auf der Bildfläche, um dem R’n’B seine Seele zurückzugeben – und ihn gleichzeitig neu zu erfinden. Als Tesfaye „What You Need” und weitere Tracks im Internet veröffentlicht, ist noch völlig unklar, wer eigentlich hinter der Musik steckt. Trotz – oder gerade wegen – all der Anonymität und Geheimniskrämerei avanciert The Weeknd in Nullkommanix zum Hoffnungsträger eines ganzen Musikstils.
Prominenten Support erfährt der Kanadier durch Drake, der wie Tasfaye aus Toronto stammt und den Newcomer in den Sozialen Medien abfeiert. Auf dem Weg zum neuen König des R’n’B steht „Drizzy” seinem jungen Kollegen von Anfang an zur Seite. Im März 2011 veröffentlicht The Weeknd sein erstes Mixtape „House of Balloons”; im Abstand von ein paar Monaten folgen mit „Thursday” und „Echoes of Silence” zwei weitere. Ende 2012 erscheinen unter dem Titel „Trilogy” alle drei Mixtapes, ergänzt um einige neue Tracks.
Frühe Songs wie „Wicked Games” oder „The Zone” (featuring Drake) zeugen davon, wie deutlich sich The Weeknd von den meisten anderen R’nB’-Acts unterscheidet. Keine Spur von schnulzigem Liebesgesäusel! Obwohl die Lyrics durchaus von Liebe und Sex handeln, haftet den Tracks etwas Dunkles, Schwermütiges an. Aus elektronischen Sounds und Dubstep-Klängen, unwirklich anmutenden Melodien, untermalt von düsteren Beats, kreiert The Weeknd eine Art musikalischen Drogenrausch. Dessen Suchtpotenzial lässt sich am wachsenden Erfolg des Kanadiers ablesen.
2013 erscheint das Debütalbum „Kiss Land”, das vor allem in den USA und Tesfayes Heimat die Charts erobert. Der Sprung in die Top 10 gelingt The Weeknd mit „Beauty Behind the Madness” schließlich auch hierzulande. Mit „Earned it” (auch auf dem Soundtrack zu „Fifty Shades of Grey” vertreten), „The Hills” und „Can’t Feel My Face” enthält die Scheibe gleich drei The-Weeknd-Klassiker. War auf „Kiss Land” einzig Drake als Feature-Artist vertreten, stehen diesmal Ed Sheeran („Dark Times”) und Lana Del Rey („Prisoners”) auf der Gästeliste. Musikalisch bewegt sich The Weeknd ein Stück mehr Richtung Pop (Michael Jackson lässt grüßen), ohne seinen ursprünglichen Pfad gänzlich zu verlassen.
Der „Starboy” ist ganz oben angekommen
War er zu „Trilogy”-Zeiten noch ein Mysterium, ist The Weeknd inzwischen im Mainstream angekommen. Als „Starboy” 2016 das Licht der Welt erblickt, hat Abel Tasfaye sich längst zum Superstar gemausert. Als Vorab-Single lässt der mit Daft Punk aufgenommene Titeltrack erahnen, wohin die musikalische Reise geht. Unterstützt von Kendrick Lamar („Sidewalks”), Future („All I Know”), abermals Lana Del Rey („Party Monster” und „Stargirl Interlude”) und eben Daft Punk („Starboy” und „I Feel It Coming”), zelebriert The Weeknd eine ebenso eingängige wie eigenständige Form des R’n’B.
Die Brücke zwischen dem frühen Sound – zu dem er 2018 auf der „My Dear Melancholy”-EP zurückfindet – und dem jüngeren, vom Pop geprägten Stil, schlägt The Weeknd mit seiner überwältigenden Stimme. Auf dem Konzeptalbum „After Hours” trifft diese überraschenderweise auf 80s-Synthie-Klänge. Das Ergebnis: zum Beispiel der Über-Hit „Blinding Lights”, der in Deutschland und Kanada Diamant-Status erlangt hat. Der Auftritt in der Halbzeitshow des Superbowls 2021 ist der nächste Schritt auf der Erfolgsleiter. 2022 veröffentlicht er sein fünftes Studioalbum "Dawn FM".
Abel Makkonen Tesfaye hat dem R’n’B einst neues Leben eingehaucht. Heute hält er das Genre am Leben und erweitert es ständig um neue Facetten. Wer schon in den Genuss kam, The Weeknd live zu erleben, kann bestätigen, dass er nicht „nur” ein einzigartiger Sänger, sondern auch ein großartiger Performer ist. Hoch lebe der R’n’B, hoch lebe The Weeknd!