Onkel Wanja
von Anton Tschechow
Deutsch von Angela Schanelec
Regie: Enrico Lübbe
Es ist ein Kommen und Gehen auf dem Landgut. Wobei, wer erst mal dort angekommen ist, mag eigentlich gar nicht wieder gehen. Höchstens für ganz kurze Zeit, um woanders wichtige Dinge zu erledigen. So wie der Arzt Astrov, der sich um die Kranken des Distrikts kümmert — und um seinen Wald, der in Astrovs Augen eigentlich sein akutester Patient ist, bedroht durch Raubbau und Flächenfraß.
Onkel Wanja verwaltet das etwas heruntergekommene Gut?— und ein bisschen auch die Menschen, die dort nach und nach aufgelaufen sind: Wanjas Mutter, die auf dem abgelegenen Landgut trotzdem Anschluss halten möchte an die gedanklichen Strömungen der Zeit. Wanjas Schwager, den Professor, der nach seiner Pensionierung weiter seinen Publikationen und Korrespondenzen nachgeht. Oder die zweite Frau des Professors, die junge und rätselhafte Elena, die die Tage auf dem Gut in Gedanken versunken verbringt.
So geschäftig und beschäftigt all diese Personen sind, mit dem Bereden ihrer Taten und dem Klagen über die Zumutungen, die die Welt ihnen dabei entgegenstellt?—?es kommt der Tag, an dem Onkel Wanja dämmert, dass all diese Personen in Wirklichkeit vielleicht: gar nichts tun. Vor allem nichts Bedeutendes. Und mit dieser Ahnung wird, einem chemischen Experiment gleich, eine Kettenreaktion freigesetzt: Eine bemerkenswerte Dynamik entsteht?—?aber sie verläuft anders als erwartet.