Seinen richtigen Namen sucht man im Netz vergeblich und dennoch ist O.G. alles andere als ein Unbekannter. Diesen Umstand verdankt der Stuttgarter Rapper Tracks der Sorte „Fliegen“, „Run“, „Jede Träne“ oder „Kinder wär’n“. O.G. steht bekanntlich für Original Gangster – und das Kürzel trägt der Streetrapper mit Fug und Recht. Sein Mixtape „Ott sei Dank“ nimmt er 2019 auf der Flucht vor einer drohenden Haftstrafe in Marseille auf. Authentischer kann Straßenrap wohl nicht sein.
Tatsächlich verbringt der 1994 geborene O.G. im Laufe seines noch jungen Lebens so einige Jahre im Bau, unter anderem wegen der Beteiligung an einem Raubüberfall. Glücklicherweise tut sich jedoch irgendwann eine Alternative zum „Täter“-Dasein auf: Die Musik eröffnet O.G. eine neue Perspektive. Als Rapper tritt er erstmals 2017 mit der EP „Free O.G.“ in Erscheinung. Ab 2019 folgt eine Reihe Singles, darunter „Flouz“, „Ne Ne Ne“, „Wer von euch“ und „Alles für dich“ mit LATiV.
Auf „Ott sei Dank“ folgt „H30D“
Das oben erwähnte Mixtape „Ott sei Dank“ erscheint aufgrund der schließlich doch verbüßten Haftstrafe erst 2021. Die Tracks für sein offizielles Debütalbum „H30D“ schreibt O.G. zu großen Teilen im Knast – das fertige Teil droppt er dann 2022. „H30D“ setzt sich aus 19 Songs zusammen. Sie tragen Titel wie „Run“, „Fliegen“, „Baradar“ (feat. Nimo) „Fick die Polizei“ oder „Keine Sorgen“ (mit Yonii). Unter den weiteren Feature-Gästen befinden sich OMAR („Anklageschrift“), Bora („Jeder“) und abermals Nimo („Blockpavian“). Umgekehrt gibt sich auch O.G. gerne als Feature bei Kollegen die Ehre, zum Beispiel 2023 auf „Jamaika“ von TANO77 oder ein Jahr zuvor auf „Nie verstehen“ von Pajels Album „Seelenfrieden“.
O.G. dabei zuzuhören, wie er auf seinen Tracks vom Leben auf den Straßen von Stuttgart-Feuerbach und seiner Zeit im Knast berichtet, ist ein packendes Hörerlebnis – gerade weil er weiß, wovon er rappt. Inzwischen hat er dem kriminellen Lifestyle von früher den Rücken gekehrt. Doch ohne diese einschlägigen Erfahrungen wäre er sicherlich nicht der, der er heute ist und ebenso würde auch sein Straßenrap nicht so klingen, wie er klingt. Und das wäre ein wirklich herber Verlust für die Deutschrapszene.