Der Sandmann ist ein schreckliches Wesen, das Kindern, die nicht schlafen wollen, die Augen klaut. Diese Geschichte hört Nathanael als Kind, und er weiß: Der Sandmann kommt in Gestalt des Advokaten Coppelius jede Nacht ins Haus der Familie. Im Zimmer des Vaters gehen geheimnisvolle Dinge vor sich. Und eines Tages ist der Vater tot. Der Sandmann hat ihn geholt.
Jahre später steht ein Mann namens Coppola vor Nathanaels Tür. Er traut seinen Augen kaum. Aber es ist derselbe Mann. Egal, wie er sich nennt. Und egal, was die anderen sagen. Die Einzige, die ihn wirklich zu verstehen scheint, ist die rätselhafte Olimpia mit ihren irgendwie leblosen Augen.
E. T. A. Hoffmann beschreibt in seiner berühmten Erzählung, wie ein Mensch den festen Boden der Wirklichkeit unter seinen Füßen verliert. Nathanael entgleiten die Dinge. Was eben noch verlässliche Wahrheit war, löst sich auf. Nichts ist, wie es scheint. In seiner Inszenierung macht Tom Schneider diesen Zustand der Haltlosigkeit auf besondere Art für das Publikum erfahrbar: einen Zustand, der in Zeiten von alternativen Fakten und KI-generierten Bildern auch ein heutiges Lebensgefühl beschreibt.