Wie nur wenige andere Bands stehen Mötley Crüe für den Mythos von Sex, Drugs & Rock'n'Roll. Im L.A. der Achtzigerjahre leben Vince Neil, Mick Mars, Nikki Sixx und Tommy Lee den Rockstar-Lifestyle exzessiv aus. Den dafür notwendigen Status erreichen sie mit Glam-Metal-Perlen der Sorte „Dr. Feelgood“, „Kickstart My Heart“, „Girls, Girls, Girls“ „Home Sweet Home“ oder „Shout at the Devil“.
2015 aufgelöst, gab die Band 2019 ihre Reunion bekannt, kurz nach Erscheinen der Filmbiografie „The Dirt – Sie wollten Sex, Drugs & Rock’n’Roll“, die den Hardrockern weltweit zu neuer Popularität verhalf. Dass Mötley Crüe ihrem Ruf als großartige Liveband auch Jahrzehnte nach ihrer Gründung immer noch gerecht werden, beweist das Livealbum „The End: Live in Los Angles“ aus dem Jahr 2016. Dank der Wiedervereinigung geht das Quartett bis heute auf Tour, um ihren Glam Metal mit den Fans zu zelebrieren.
Anfänge und Durchbruch mit „Shout at the Devil“
Der „bunte Haufen“, wie sich „Mötley Crüe“ ins Deutsche übersetzen lässt, findet Anfang der Achtzigerjahre in L.A. zusammen. Bassist Franklin Carlton Ferrara, besser bekannt als Nikki Sixx, und Drummer Thomas „Tommy“ Lee Bass sind als Erste am Start und finden in Mick Mars, bürgerlicher Name Robert Alan Deal, bald einen fähigen Gitarristen. Als letztes Mitglied stößt Sänger Vince Neil Wharton hinzu. Die Umlaute im Bandnamen sind der Legende nach auf den Löwenbräu-Durst der Jungs zurückzuführen. Im Herbst 1981 präsentiert die frisch gegründete Crew ihr Debütalbum „Too Fast for Love“. Es dauert nicht lange, bis sich die Gruppe über die Stadtgrenzen von L.A. hinaus einen Namen macht – zum einen wegen ihrer Musik, zum anderen dank ihrer Hair-Metal-Optik und ihren wilden Partyorgien.
Das Nachfolgealbum „Shout at the Devil“ bringt 1983 den ganz großen Erfolg – zumindest in den USA, wo Mötley Crüe rasch in immer größeren Venues aufspielen. Mit dem wachsenden Ruhm mehren sich auch die Skandale, von denen nicht alle harmloser Natur sind. So verursacht Vince Neil 1984 einen Autounfall, bei dem der Drummer der Kollegen von Hanoi Rocks zu Tode kommt. „Theatre of Pain“ ist dem auf diese tragische Weise verstorbenen Razzle gewidmet und markiert den Durchbruch der Band in Europa. Nachdem das vierte Album „Girl, Girls Girls“ Platz #2 in den US-Charts belegt, erreichen Mötley Crüe mit der Veröffentlichung von „Dr. Feelgood“ 1989 den Gipfel ihres kommerziellen Erfolgs.
Line-up-Wechsel, Reunion und World Tour 2023
In den folgenden Jahren veröffentlichen die Glam-Metal-Ikonen weiter regelmäßig Alben – eins davon, nämlich das selbstbetitelte „Mötley Crüe“ aus dem Jahr 1994, allerdings ohne Vince Neil. Der fliegt 1992 aus der Band und wird durch John Corabi ersetzt. Dessen Gastspiel ist jedoch nicht von wirklich langer Dauer – auf dem 1997 veröffentlichten „Generation Swine“ ist Neil daher wieder dabei. Tommy Lee, der zwischenzeitlich vor allem dank seiner skandalträchtigen Ehe mit Pamela Anderson von sich reden machte, kehrt der Band und dem Glam Metal 1999 vorübergehend den Rücken zu und orientiert sich mit dem Rap-Metal-Projekt Methods of Mayhem in eine andere musikalische Richtung. Die Drumsticks bei Mötley Crüe übernimmt derweil zuerst Randy Castillo, der auf dem wenig erfolgreichen 2000er-Album „New Tattoo“ zu hören ist, und nach dessen Tod kurzzeitig Samantha Maloney.
Beim Erscheinen des Comeback-Albums „Saints of Los Angeles“ 2008 ist Tommy Lee längst wieder zu seiner Stammband zurückgekehrt. 2015 geben Mötley Crüe jedoch ihre Auflösung bekannt und verabschieden sich mit einer vermeintlich letzten großen Welt-Tournee. Doch es kommt anders: Nach dem Erfolg der Netflix-Dokumentation „The Dirt – Sie wollten Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ ist die berühmt-berüchtigte Truppe plötzlich wieder in aller Munde, was sich auch am Erfolg des „The Dirt Soundtrack“ ablesen lässt. 2019 wiedervereint, gehen Mötley Crüe 2022 und 2023 gemeinsam mit Def Leppard auf Tour, die sie 2023 auch nach Deutschland führt. Die vielleicht wildeste Glam-Metal-Band aller Zeiten hat es immer noch drauf!