„Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich” – das dürfte sich spätestens geändert haben, als Max Raabe diese Zeilen 1994 in „Der bewegte Mann” zum Besten gab. Max Raabe, der eigentlich Matthias Otto heißt, ist ein Phänomen der deutschen Musiklandschaft. Er fasziniert die Menschen mit seinem Bariton, mit Liedern aus der Vorkriegszeit und mit Pop-Songs im Gewand der 20er- und frühen 30er-Jahre. Ob mit dem von ihm mitbegründeten Berliner Palast Orchester oder als Solokünstler, begleitet vom Pianisten Christoph Israel, Max Raabe ist ein außergewöhnlicher Sänger, dem man nur zu gerne zuhört.
Schon während seines Gesangsstudiums in Berlin verdient er sein Geld mit Konzerten im kleinen Rahmen. 1986 gründen er und einige seiner Kommilitonen das Palast Orchester. Natürlich ahnen die Studenten damals nicht, was die Zukunft für sie bereithält. „Kein Schwein ruft mich an” wird durch „Der bewegte Mann” zum Hit. Auf einen Schlag ist Max Raabe einem größeren Publikum bekannt, und zwar einem so großen, dass das Palast Orchester sein Jubiläumskonzert zum zehnjährigen Bestehen in der ausverkauften Waldbühne in Berlin spielt.
Mit steigendem Bekanntheitsgrad feiern Max Raabe und das Palast Orchester auch internationale Erfolge und treten in verschiedenen Ländern inner- und außerhalb Europas auf. Überdies sind sie auf diversen Bällen, etwa dem Wiener Opernball, zu Gast. Die Popularität wächst weiter, als die Alben „Die Hits des Jahres” (2001) und „Super Hits Nummer 2” (2002) mit Coverversionen modernerer Songs erscheinen. Britney Spears’ „Oops, I did it again”, Tom Jones’ „Sex Bomb”, ABBAs „Super Trouper” oder „Let’s Talk About Sex” von Salt-N-Pepa – altbekannte Perlen der Popmusik werden hier im Stil der 20er Jahre arrangiert, was live wie auf Platte unglaublich gut ankommt. Dabei spielen Max Raabes Stimme sowie seine besondere Art des Vortragens eine entscheidende Rolle.
Max Raabe lässt die Goldenen Zwanziger wieder aufleben, als die „Comedian Harmonists” Titel wie „Mein kleiner grüner Kaktus”, „Ein Freund, ein guter Freund” oder „Veronika, der Lenz ist da” schmetterten. Neben Stücken wie diesen gehören zahlreiche Eigenkompositionen zum Repertoire des Baritons. Komik, Ironie und Wortwitz sind feste Bestandteile von Raabes Auftritten. Das Album „Übers Meer” steht allerdings in einem ernsten Kontext, widmet es sich doch ausschließlich der Musik jüdischer Künstler der Weimarer Republik.
Die beiden darauffolgenden Alben „Küssen kann man nicht alleine” und „Für Frauen ist das kein Problem” entstehen in Kooperation mit NDW-Ikone Annette Humpe. Die Zusammenarbeit ist von Erfolg gekrönt – beide Alben platzieren sich in den Top 3 der deutschen Albumcharts und werden mit Platin beziehungsweise Gold prämiert. Nach dem ebenfalls sehr erfolgreichen „Eine Nacht in Berlin” erscheint 2017 eine weitere Raabe-Humpe-Scheibe, an der außerdem Peter Plate beteiligt ist. „Der perfekte Moment … wird heut verpennt” erreicht Goldstatus. Nach seinem Auftritt im TV-Film „Nacht über Berlin” im Jahr 2013 ist Max Raabe 2018 in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm” auf der Kinoleinwand zu sehen.
So toll Max Raabes Stimme auf Tonträgern klingt, noch mehr Magie entfaltet sie auf der Konzertbühne, im Zusammenspiel mit der Musik von Christoph Israel am Flügel oder des Palast Orchesters. Max Raabe gehört zweifelsohne zu den besonderen Künstlern unserer Zeit.