Marco Huck (* 11. November 1984 als Muamer Hukić in Ugao, Gemeinde Sjenica, Jugoslawien, heute Serbien) ist ein deutscher Profiboxer bosniakischer Herkunft und amtierender WBO-Weltmeister im Cruisergewicht. Für einen Kampf gegen Alexander Powetkin um die reguläre WBA-Weltmeisterschaft, die durch die Ernennung von Wladimir Klitschko zum Superchampion neu vergeben wurde, wechselte Huck im Februar 2012 ins Schwergewicht bevor er zurück ins Cruisergewicht wechselte.
Herkunft
Marco Huck stammt aus einer bosniakischen Familie aus einem Dorf im südserbischen Sandschak. Im Jahr 1993 zog diese von dort nach Deutschland, wo sie sich zunächst in Bielefeld-Brackwede ansiedelte. Huck hat zwei jüngere Geschwister und eine ältere Schwester
Kickboxer/Amateurboxer
Huck war vor seiner Boxkarriere Kickboxer und trainierte bei Ulf Schmidt im Sportpalast Bielefeld. Im Alter von 16 Jahren wurde er dann Europameister im Kickboxen, und mit 18 wurde er 2003 in Paris der bislang jüngste Kickbox-Weltmeister einer deutschen Mannschaft. Zugleich wurde er damit der erste deutsche Vollkontakt-Kickboxweltmeister im Herrenbereich seit zehn Jahren. Anschließend wechselte er zum Boxsport, wo er beim BC Vorwärts Bielefeld trainierte und jeden seiner 15 Amateurkämpfe gewinnen konnte.
Profiboxer seit 2004
Im Jahr 2004 entschloss sich Huck, Profi zu werden, und besuchte das Training des Sauerland-Teams, wo er sich im Sparring gegen Cengiz Koç unter Beweis stellte. 2004 wurde er im Boxstall von Wilfried Sauerland unter Trainer Ulli Wegner Profi im Cruisergewicht. Sein Profidebüt feierte er am 7. November 2004 durch einen technischen K.o.-Sieg in der ersten Runde gegen den Tschechen Pavel Cirok. Nach neun weiteren K.o.-Siegen gegen Aufbaugegner gewann er am 3. September 2005 einstimmig nach Punkten gegen Rüdiger May (40 Siege - 4 Niederlagen) und drei Monate später ebenfalls einstimmig gegen den US-amerikanischen Amateurweltmeister von 1999 Michael Simms.
Im Januar 2006 gewann er durch K.o. in der siebenten Runde gegen den Rumänen Claudio Rasco, Vize-Europameister der Amateure 2000 und Bronzegewinner der Amateur-WM 2001. Nach drei weiteren Siegen, unter anderem nach Punkten gegen den Albaner Nuri Seferi (späterer Europameister der WBO) und durch K.o. gegen Rachid El Hadak (späterer Europameister der EBA), boxte er am 16. Dezember 2006 in Kempten um den EU-Titel der EBU im Cruisergewicht. Sein Gegner beim Kampf um den vakanten Titel war der italienische Rechtsausleger Pietro Aurino (37-2), ehemaliger Europameister der EBU und bereits zweifacher WM-Herausforderer. Der von Beginn an von beiden Seiten temperamentvoll und sehr unsauber geführte Kampf endete in der zweiten Runde kontrovers: Es kam zu einer Rangelei, die der Ringrichter vergeblich zu unterbinden versuchte. Nach zwei absichtlichen Kopfstößen Aurinos revanchierte sich Huck mit einem Knietritt, der den Italiener nicht voll traf. Nach Trennung der Boxer bekam Aurino vom Ringrichter zwei Punkte abgezogen und fühlte sich daraufhin benachteiligt, da Huck für seinen Knietritt nicht bestraft wurde. Aurino verließ verärgert kurzzeitig den Ring und disqualifizierte sich somit nach den Regeln der EBU selbst (später wurde der Kampf als T.K.o. gewertet).
Nach einer folgenden Titelverteidigung in der Schweiz gegen den Belgier Ismail Abdoul und einem gewonnenen Titelausscheidungskampf gegen den ungeschlagenen Russen Wadim Tokarew (23-0), erhielt Huck das Herausforderungsrecht gegen den amtierenden IBF-Weltmeister Steve Cunningham (20-1) aus den USA. Am 29. Dezember 2007 musste sich Huck jedoch in Bielefeld dem Titelverteidiger geschlagen geben; Huck war nur in den ersten beiden Runden der aktivere Mann und brach gegen Ende des Kampfes konditionell ein, zudem musste er immer öfter schwere Treffer einstecken. In der zwölften Runde hatte Hucks Ringecke ein Einsehen und warf während einer erneuten Schlagattacke von Cunningham, der Huck bereits verteidigungslos ausgesetzt schien das Handtuch.
Im Februar 2008 trennte sich Marco Huck schließlich von Ulli Wegner, um sich fortan von Manfred Wolke trainieren zu lassen. Im April kehrte Huck allerdings wieder zu Wegner zurück, da es, wie er selbst sagt, „… nichts bringt, die Schuld für Misserfolge bei anderen zu suchen.“
Am 17. Mai 2008 kämpfte Huck in der Oberfrankenhalle in Bayreuth gegen František Kasanič aus der Slowakei und gewann den Kampf in der neunten Runde durch T.K.o nach Abbruch durch den Ringrichter. In diesem Kampf arbeitete Huck wesentlich besonnener und konzentrierter als bisher. Huck boxte in diesem Kampf nach einer rechten Geraden seines Gegners ab der dritten Runde mit gebrochenem Kiefer. Trotz dieser Verletzung stieg Huck bereits am 20. September 2008 wieder in den Ring und besiegte den amtierenden Europameister Jean-Marc Monrose (24-1) in der zwölften Runde durch T.K.o (Kampfabbruch durch den Ringrichter), wodurch er neuer Europameister der EBU wurde.
Am 25. Oktober 2008 traf er in Oldenburg auf den Italiener Fabio Tuiach (22-1) und gewann durch T.K.o. in Runde 2. Für den 24. Januar 2009 war eine Titelverteidigung gegen den Russen Waleri Brudow in Riesa geplant, der aber vierzehn Tage vorher den Kampf absagen musste. Als Ersatz wurde dann der bis dahin unbesiegte Belgier Geoffrey Battelo (18-0) verpflichtet, gegen den Huck durch T.K.o. Sekunden vor Ende der dritten Runde gewann. Am 9. Mai 2009 trat Marco Huck als EBU-Titelverteidiger in Bamberg gegen den bis dahin unbesiegten Ukrainer Witalij Rusal (23-0) an. Er konnte seinen Gegner in der fünften Runde durch T.K.o besiegen.
Am 29. August 2009 gewann Huck schließlich in Halle gegen den Argentinier und amtierenden Weltmeister Victor Emilio Ramírez (15-1) die WBO-Weltmeisterschaft im Cruisergewicht einstimmig nach Punkten. Seine erste Titelverteidigung bestritt er am 5. Dezember 2009 in Ludwigsburg gegen Ola Afolabi (14-1) und gewann einstimmig nach Punkten. Darauf folgte am 13. März 2010 in Berlin eine freiwillige Titelverteidigung gegen den US-Amerikaner Adam Richards (23-2). Huck siegte durch eine Schlagserie, nachdem Richards am Hinterkopf einen Cut erlitten hatte, durch Knockout in der dritten Runde.
Am 1. Mai 2010 verteidigte er seinen Titel gegen den US-Amerikaner Brian Minto (34-3), der erstmals in seiner Profikarriere im Cruisergewicht antrat. Minter musste in den Runden 3 und 5 dreimal zu Boden und verwechselte bei Rundenende die Ringecken. Am Ende der neunten Runde gab Minter den Kampf schließlich schwer angeschlagen auf und musste anschließend im Krankenhaus behandelt werden. Am 21. August 2010 verteidigte er den Titel in Erfurt durch T.K.o. in der fünften Runde gegen den Nordamerikanischen Meister Matt Godfrey (20-1), der Huck nichts entgegenzusetzen hatte und wenig beweglich agierte.
Am 18. Dezember 2010 schließlich traf Huck in der Max-Schmeling-Halle in Berlin-Prenzlauer Berg auf den ungeschlagenen Russen Denis Lebedew (21-0). Huck erlitt bereits in der vierten Runde eine Rippenfraktur, hatte seinen Kontrahenten jedoch in der fünften Runde am Boden und konnte nur mit aggressiven Angriffen gegen den technisch überlegeneren Russen punkten. Nach den vollen zwölf Runden wurde Huck nicht unumstritten, zum 2:1-Punktsieger erklärt und verteidigte damit seinen Titel zum bereits fünften Mal in Folge.
Auch den ungeschlagenen Israeli Ran Nakash (25-0), der nur zwei der zwölf Runden gewinnen konnte und viel einsteckte, besiegte Huck einstimmig nach Punkten. Am 16. Juli 2011 verteidigte er seinen Titel nach anfänglichen Schwierigkeiten durch K.o. in Runde 10 gegen den Argentinier und ehemaligen WBA-Weltmeister im Halbschwergewicht, Hugo Hernan Garay (34-5). Garay ging bereits in der ersten Runde einmal zu Boden, Huck wurde in Runde 3 für das Schlagen auf den Hinterkopf seines Gegners mit Punktabzug bestraft.
Am 22. Oktober 2011 boxte er noch gegen den Argentinier Rogelio Omar Rossi (17-2). In dem unsauber geführten Kampf wurde Rossi für Tiefschläge in der dritten Runde mit Punktabzug bestraft, Huck schlug den Argentinier noch in derselben Runde regelwidrig auf den Hinterkopf. Auch Huck erhielt zweimal Punktabzüge für Schläge nach dem Rundengong, erzielte in der fünften Runde jedoch auch zwei Niederschläge gegen Rossi und gewann durch K.o. in der sechsten Runde.
Am 25. Februar 2012 boxte Marco Huck in der Stuttgarter Porsche Arena um den regulären WBA Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Alexander Povetkin (23-0), der nach der Ernennung von Wladimir Klitschko zum WBA-Superchampion den vakanten Titel gewonnen hatte. Durch eine knappe Niederlage nach Punkten verpasste Huck die Möglichkeit, der zweite deutsche Schwergewichtsweltmeister nach Max Schmeling zu werden.
Nach dem Kampf musste sich Huck innerhalb von zehn Tagen entscheiden, ob er seinen WBO-Weltmeistertitel im Cruisergewicht behalten will oder weiter in der höchsten Gewichtsklasse boxt. Er entschied sich für die Rückkehr in das Cruisergewicht. Die WBO-Titelverteidigung gegen Ola Afolabi am 5. Mai 2012 in Erfurt ging über zwölf Runden und endete unentschieden, somit blieb Marco Huck Weltmeister.
Am 3. November 2012 verteidigte Huck seinen Titel in Halle gegen den ehemaligen WBA-Weltmeister im Cruisergewicht Firat Arslan. Er gewann diesen Kampf durch ein umstrittenes Urteil, denn Firat Arslan war über 12 Runden klar besser und führte den Kampf an. Huck gewann den Kampf einstimmig nach Punkten (115:113 - 115:113 - 117:111).
Am 8. Juni 2013 bestritt er ein drittes Duell gegen Ola Afolabi, welches er durch Mehrheitsentscheidung nach Punkten gewann. Darauf folgte das zweite Duell gegen Firat Arslan, welches Huck im Januar 2014 frühzeitig durch TKO in Runde 6 für sich entschied und das Kapitel Arslan somit eindrucksvoll hinter sich ließ. Sieben Monate später trat der Weltmeister dann gegen Mirko Larghetti in den Ring und zog durch die 13. Verteidigung seines WBO-Gürtels mit dem bisherigen Rekordhalter Johnny Nelson gleich. Diesen Erfolg würdigte die WBO im Oktober des selben Jahres mit der Verleihung des Status als Superchampion.
Danach trennte sich Huck von seinem Boxstall und gründete die Huck Sports Promotion GmbH um künftig in Eigenregie seine Karriere zu promoten. Der erste Kampf unter eigener Flagge fand dann im August 2015 in den USA statt. Huck lieferte sich gegen Krzysztof Glowacki einen packenden WM-Kampf, der leider am Ende verloren ging.
Doch Huck konnte sich 6 Monate später mit einem Erfolg zurückmelden. Im vierten Duell gegen Ola Afolabi musste sich der Brite nach der 10. Runde geschlagen geben und Huck krönte sich zum Weltmeister nach Version der IBO
Hucks Boxstil
Hucks Boxstil ist sehr offensiv, explosiv und aggressiv, hieraus resultieren immer wieder Situationen, in denen er völlig offen für Gegenangriffe ist. Huck lässt sich oft leicht reizen und verfällt dann in überstürzte, unsaubere Aktionen. Aber auch die psychologische Komponente spielt nicht zuletzt bei Huck eine große Rolle. Als sportliche Vorbilder nennt er Muhammad Ali und Mike Tyson.
Erfolge
Amateurbilanz: 15 Siege - 0 Niederlagen
Profibilanz: 39 Siege - 3 Niederlagen - 1 Unentschieden
20. September 2008: Europameister der EBU im Cruisergewicht (3 Titelverteidigungen)
29. August 2009: Weltmeister der WBO im Cruisergewicht (13 Titelverteidigungen)
Oktober 2014: Superchampion der WBO im Cruisergewicht
27. Februar 2016: Weltmeister der IBO im Cruisergewicht