Bevor Lil Nas X damit begann, Songs zu veröffentlichen, machte er mit lustigen Clips und Memes im Internet von sich reden. Heute kombiniert der Senkrechtstarter beides miteinander: Er macht Musik und ist gleichzeitig so witzig, originell und wunderbar schräg, wie man ihn seit jeher kennt, was sich vor allem in völlig abgedrehten (Musik-)Videos niederschlägt. Wer ihn schwanger in „The Montero Show” gesehen hat, weiß wovon die Rede ist.
„Montero” ist ein gutes Stichwort, denn so lautet der Titel von Lil Nas X’ Debütalbum, das seit September 2021 in den Läden steht. Nach dem Über-Mega-Superhit „Old Town Road” (in der Remix-Version mit Billy Ray Cyrus), der Country und Hip-Hop zu einem krassen Ohrwurm vereint, und zwei EPs („October 31st” und „7”) waren die Erwartungen an das erste Full-Length-Album des queeren Rappers entsprechend groß. Mit Tracks wie „Montero (Call Me by Your Name)”, „That’s What I Want”, „Panini”, „Holiday” oder „Industry Baby” (mit Jack Harlow) wird Lil Nas X diesen Erwartungen in vollem Umfang gerecht. Fans bekommen hier genau das, was sie an dem Newcomer schätzen: tanzbare Pop-Rap-Nummern vom Feinsten. Neben Jack Harlow enthält „Montero” übrigens noch einige weitere bemerkenswerte Features, darunter Elton John, Miley Cyrus und Megan Thee Stallion.
Lil Nas X? „That’s What I Want”!
Nicht nur mit seinen Songs selbst, auch mit den dazugehörigen Musikvideos sorgt Lil Nas X regelmäßig für Wirbel. Im Clip zu „Industry Baby” etwa tanzt er hüllenlos zwischen anderen nackten „Häftlingen” in der Gefängnisdusche, in „That’s What I Want” gibt es heiße Liebesszenen mit einem Footballer zu sehen und zu den Klängen von „Montero (Call Me by Your Name)” kommt der Teufel höchstpersönlich in des Genuss eines Lapdance von Lil Nas X. Derart geballte männliche Erotik kommt nicht von ungefähr: Der 1999 geborene Montero Lamar Hill ist offen homosexuell – und er liebt es, diesen Umstand in seine Kunst einfließen zu lassen. Das spektakuläre „Montero”-Albumcover mit einem splitternackten, schwebenden Lil Nas X, der in einer kitschigen Fantasy-Umgebung schwebt, ist der beste Beweis dafür.
Als bekennend schwuler Rapper ist Lil Nas X eine Ausnahmeerscheinung. Dennoch sollte niemand den Fehler machen, ihn darauf zu reduzieren. Angesichts seiner vielen großartigen Hits wird allerdings auch kaum jemand auf die Idee kommen.