Ein Richter sitzt zu Gericht, doch die Tat, die er aufklären soll, hat er selbst begangen: Wie sich einer im Gespinst seiner eigenen Lügen verstrickt und schließlich zu Fall kommt, die Dreistigkeit, mit der das Patriachat seine Macht ausübt – das beschreibt Kleist in seinem 1808 uraufgeführten Stück mit Wortwitz, derbem Humor und großem komischem Gespür, das lustvoll in gesellschaftliche Abgründe blicken lässt.
Es geht um die sexuelle Belästigung von Eve und das Zerbrechen eines Kruges bei der Flucht des Täters. Schnell wird deutlich, dass Dorfrichter Adam alles versucht, um eine falsche Spur zu legen. Doch im Laufe der Verhandlung kommt nach und nach heraus, dass er selbst bei dem Mädchen im Zimmer war und sich an ihr vergriffen hat.
Das Lachen bleibt dem Publikum bisweilen durchaus im Halse stecken: Eve ist Opfer sexualisierter Gewalt, doch niemand steht ihr bei – weder ihre Mutter, noch die Dorfgemeinschaft, nicht einmal die Gerichtsrätin; diese höchste juristische Instanz im Stück ist beim Landestheater Tübingen weiblich und zeigt somit auf: Machtmissbrauch ist nicht nur männlich.
Die Inszenierung folgt der Variant-Fassung des Autors – elegant gekürzt, aber streng dem wortverspielten Kleist‘schen Blankvers folgend – und "treibt dem Stück mit einem perfekt besetzten Ensemble […] jede Heiterkeit aus", notiert der Reutlinger General-Anzeiger.
"Absolut großartig." Cul-Tu-Re.de
Die Veranstaltung wird von der Stadtbücherei Waiblingen mit einer Medienausstellung begleitet.