Soviel ist sicher: Die Inhalte, mit denen sich KARA in ihrer Musik befasst, sind alles andere als leichter Tobak. Diese schonungslosen Texte berühren auch nicht nur, sie erschüttern geradezu – und sind eben deshalb so bedeutsam für alle, denen Ähnliches widerfahren ist wie KARA, alle die sich mit denselben Fragen, Gedanken und Gefühlen plagen, alle die ebenfalls ein Trauma mit sich herumtragen. Tragische Lieder wie „Warum bin ich hier“, „Ein kleines bisschen ganz“, „Brückengeländer“ oder „Bis zum Himmel ist nicht weit“ (mit DXVE) signalisieren jedem, der sie hört: Du bist nicht allein. Darin liegt eine ungeheuere Kraft, die helfen kann, mit schlimmen Erfahrungen zu leben. Für ihre Fans ist KARA daher unheimlich wichtig und wertvoll.
Es hat einen guten Grund, dass am Anfang von Musikvideos zu KARA-Songs wie „Brückengeländer“ oder „Warum bin ich hier?“ eine Triggerwarnung steht. Denn die Newcomerin singt über Themen wie Vergewaltigung, Depressionen und Drogenkonsum bis an die Grenze zur Überdosis – und das nicht etwa fiktiv, sondern ausgehend von persönlichen Erlebnissen. Das treibt einem beim Hören schon mal die Tränen in die Augen, ob man nun selbst betroffen ist oder nicht. Was KARAs Musik so eindringlich macht, sind die ungefilterten Emotionen und die absolute Offenheit mit der sie die Dinge ohne Umschweife benennt. In ihren Texten gibt es keine Metaphern und keinen Raum für Interpretationen: KARA hat in jungen Jahren Furchtbares erlebt. Seither versucht sie ihren Schmerz mit Drogen zu betäuben. Sie kennt Selbstmordgedanken und das Bedürfnis sich selbst zu verletzen. Und sie hat einen Klinikaufenthalt wegen schwerer Depressionen hinter sich. Wenig verwunderlich also, dass sie sich solch existenzielle Fragen stellt wie „Warum bin ich hier“? und „Wer bin ich?“.
KARAs Weg zur Debüt-EP „Wer bin ich?“
Doch es ist nicht alles hoffnungslos. In „Ein kleines bisschen ganz“ etwa singt KARA über eine Begegnung mit einem besonderen Menschen, der ebenfalls viel hinter sich hat. Zudem ist das Musikmachen eine Form der Therapie – sich alles von der Seele schreiben, den Schmerz hinaus singen. KARA wächst in Oldenburg auf. Als Kind spielt sie Fußball und trainiert später einen Kids-Verein. Sie nutzt eine Gitarre und ein Klavier, um eigene Lieder zu schreiben. Erste Schnipsel davon teilt sie auf TikTok. Es sind emotionale Lieder, in denen KARA das verarbeitet, was sie seit dem Eintritt ins Teenageralter erleben musste: Nachdem sie Opfer einer Vergewaltigung wurde, beginnt eine Abwärtsspirale aus starkem Drogenkonsum und heftigen psychischen Problemen. Wie bei so vielen Künstler*innen, dient die Musik KARA als Ventil. Durch ihre Authentizität und die kompromisslose Direktheit erhalten ihre Songs eine ergreifende Tiefe. Aber mehr noch: In ihren Liedern steckt auch die Chance auf Empowerment – für die junge Sängerin selbst wie für ihre Hörerschaft.
Nachdem sie sich eine erste Fanbase via TikTok aufgebaut hat, veröffentlicht KARA seit 2023 offiziell Musik. Anfang Oktober desselben Jahres erscheint die Debüt-EP „Wer bin ich“ beim zu Sony Music gehörenden Label Epic Records. Neben den genannten Singles sind die Songs „Rabbit Hole“ und „3 Meter hoher Zaun“ Teil der EP. Jeder einzelne Track gibt neue Einblicke in KARAs Leben und ihre Gefühlswelt. Und jeder einzelne Track fesselt und berührt. Man möchte sie in den Arm nehmen und ihr viel Kraft und neuen Lebensmut wünschen – und unbedingt mehr von ihr hören.