K.I.Z. sind – obwohl der Bandname vielleicht anderes vermuten lässt – kein Kinderkram. Die Rap-Crew aus Berlin liebt es, Mauern einzureißen und vor den Kopf zu stoßen. Mit provokanten Texten brechen sie Tabus, überschreiten den sogenannten guten Geschmack und lassen Grenzen zwischen Satire, Rap, surrealem Theater und experimentellem Hip-Hop verschwimmen. Ist das noch Kunst oder tut es schon weh?
Vom legendären Underground-Label Royal Bunker zum Major-Label Universal: K.I.Z. liefern das beste Beispiel dafür, dass ein solcher Sprung möglich ist, auch wenn die Texte noch so skandalös sind. Erfolgreiche Studioalben, renommierte Musikpreise und eine eingeschworene Fanbase beweisen, dass K.I.Z. zu den Größen des deutschen Hip-Hops zählen. Wo Performance aufhört und politische Statements anfangen, spielt für die Ausnahmekünstler keine Rolle. Was zählt ist: Anecken, ohne umzufallen.
Harte Hip-Hop-Wurzeln im Royal Bunker
Mit jedem neuen K.I.Z.-Album scheint die Musik der Berliner Band frischer und jünger zu werden. Tatsächlich sind K.I.Z. jedoch ein fester Bestandteil der deutschen Hip-Hop-Geschichte und Hip-Hopper aus Leidenschaft. Kern der Gruppierung sind die MCs Tarek Ebéné, Maxim Drüner und Nico Seyfrid. Alle drei fangen mit Freestyle an – dem freien Improvisieren von Songtexten – und nehmen über Open-Mic-Events – sogenannte Cyphers – bis hin zu Graffiti-Kunst alles mit. Bis zu seinem Austritt 2018 zählt zudem Sil-Yan Bori – alias DJ Craft – zur Crew.
Gegründet werden K.I.Z. im Jahr 2005, in dem auch gleich ihr Album „RapDeutschlandKettensägenMassaker“ beim Berliner Independent-Label Royal Bunker erscheint. Schon hier finden sich die berüchtigten Stilmittel der Gruppierung: Provokation, Sarkasmus, Gewaltfantasien. 2006 begleiten K.I.Z. die Tour der Bloodhound Gang durch Deutschland, 2007 hat das Quartett mit Kollegah und Prinz Pi auf der „Donnerwetter!“-Tour seinen Live-Durchbruch.
Bunker goes Universal: K.I.Z. beim Major-Label
Für Furore sorgen K.I.Z. bereits vor dem Erscheinen ihres zweiten Albums, als ihr umstrittener Aftershow-Auftritt bei Rock am Ring 2007 auf Sponsorenwunsch gecancelt wird. Heißhunger auf Neues machen sie Fans mit der Pre-Album-K.I.Z.-Tour, ihrem Auftritt bei „Urban TRL“ (MTV) und einem Platz 1 in den TRL-Charts mit ihrem Video zu „Geld essen“. 2007 erscheint schließlich das von Universal vertriebene und von Royal Bunker veröffentlichte K.I.Z.-Album „Hahnenkampf“, das Platz 1 der Albumcharts knackt.
Spätestens seit den nachfolgenden Touren – „Raus aus dem Körper, rein in den Club“ im Jahr 2007 und „Einer muss es ja machen“ im Jahr 2008 – zählt eine K.I.Z.-Show zu den Highlights des deutschen Hip-Hops. Die energiegeladene, schweißtreibende Performance der MCs reißt jedes Publikum mit – ganz gleich, ob sie in Zwangsjacken, mit Sturmmasken, in Frauenkleidern oder mit Barett und Uniform auftreten.
Das Label Royal Bunker schließt 2008. Dank ihres erfolgreichen zweiten Albums unterschreiben K.I.Z bald bei Major-Player Universal und bringen mit „Sexismus gegen Rechts“, „Urlaub fürs Gehirn“ und „Hurra die Welt geht unter“ die drei wichtigsten Alben ihrer bisherigen Karriere heraus. Der Lohn: eine Goldene Schallplatte und Platz 1 der Albumcharts für das fünfte Album „Hurra die Welt geht unter“. Ein weiteres Nummer-1-Album folgt im Jahr 2021 mit „Rap über Hass“.
Preisgekrönter Hip-Hop mit klarem Statement
Grenzwertig, geschmacklos, politisch unkorrekt: Es gibt viele Vorwürfe, die sich die Künstler hinter K.I.Z. bereits anhören mussten. Das ändert nichts daran, dass sie mehrmals den 1-Live-Krone-Award für „Bester Live Act“ erhalten und bei den Hiphop.de-Awards als „Beste Rap-Crew national“ sowie „Beste Gruppe national“ ausgezeichnet wurden.
Trotz aller Kontroversen um künstlerische Freiheit und die Grenzen von Satire lassen sie an einer Sache keinen Zweifel: K.I.Z. stehen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Das beweisen sie nicht nur bei Auftritten während des Konzerts „Wir sind mehr“ mit den Toten Hosen und Kraftclub, sondern auch mit ihren Konzerten zum Weltfrauentag, bei denen K.I.Z.-Tickets einem ausschließlich weiblichen Publikum vorbehalten bleiben.