Wer den Rock ’n’ Roll in Reinform erleben will, dem sei dringend ans Herz gelegt, sich Iggy Pop live anzusehen. Was der Godfather of Punk auf der Bühne abliefert, ist der pure Wahnsinn! Nach all den Jahren und einem gelinde gesagt bewegten Leben, legt das Energiebündel immer noch eine Performance hin, von denen die meisten jüngeren Kollegen nur träumen können. Nicht nur bei Evergreens à la „The Passenger” oder „Lust for Life” geht live mächtig die Post ab. „Raw Power”, der Titel des dritten The-Stooges-Albums von 1973, trifft den Nagel nach wie vor auf den Kopf.
Als Konzertbesucher wird man ob dieser rohen Energie spätestens in dem Moment ehrfürchtig, in dem man sich vor Augen hält, dass Iggy Pop bereits 1947 das Licht der Welt erblickte und seit Teenagertagen Musik macht. Anfangs sitzt der als James Newell Osterberg geborene Lehrersohn bei einer Combo namens „Iguanas” hinter dem Drumkit. Fortan als „Iggy” bekannt, gründet er 1967 gemeinsam mit den Brüdern Ron und Scott Ashton sowie Dave Alexander The Stooges, bei denen er den Gesang übernimmt. Zum Missfallen der Plattenfirma können die drei Alben „The Stooges”, „Fun House” und „Raw Power” keine nennenswerten kommerziellen Erfolge verbuchen und die Band löst sich 1974 auf. Heute weiß man: The Stooges waren ihrer Zeit voraus – der Einfluss auf die Punk- und Indie-Szene sollte sich erst nach dem Ende der Band zeigen. Dies beweist auch die vielbeachtete Reunion im neuen Jahrtausend, aus der die Alben „The Weirdness” und „Ready to Die” hervorgingen.
„The Idiot” und „Lust for Life” läuten die Solokarriere ein
1976 zieht Iggy Pop mit David Bowie, der schon das letzte Stooges-Album produziert hatte, nach West-Berlin, wo er mit dessen Hilfe einen Plattenvertrag bei einem Majorlabel ergattert. 1977 erscheinen mit „The Idiot” und „Lust for Life” gleich zwei Soloalben, bei denen Bowie abermals die Produktion übernimmt. Als Solokünstler etabliert, veröffentlicht Iggy Pop in den folgenden Jahren zahlreiche Werke, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Neben der Musik tritt Iggy (bis heute) regelmäßig als Schauspieler in Erscheinung. Jim Jarmusch, holte ihn etwa für „Coffee and Cigarettes”, „Dead Man” und „The Dead Don’t Die” vor die Kamera. Des Weiteren war er in „Cry-Baby”, „The Crow” sowie einer Folge von „Star Trek: Deep Space Nine” zu sehen.
Iggys Hauptstandbein bleibt jedoch die Musik. 1986 nimmt die zu diesem Zeitpunkt etwas eingeschlafene Karriere mit „Blah Blah Blah” und der Single „Real Wild Child (Wild One)” erneut Fahrt auf. Iggy Pop ist wieder voll da – und kann sich oben halten. Insbesondere das Album „Brick by Brick” und das Ohrwurm-Duett „Candy” mit Kate Pierson von den B-52’s finden großen Anklang bei den Fans. Auf „Skull Ring” sind 2003 dann einige neue Songs mit den Stooges-Jungs zu hören – der Beginn der zuvor erwähnten Reunion.
Mit einer „Post Pop Depression” in die Zukunft
Iggy Pop wäre aber nicht der, der er ist, würde er nicht immer noch eine Schippe drauflegen. Nach einer vierjährigen Sendepause meldet er sich 2016 mit „Post Pop Depression” zurück, für das er „Queens Of The Stone Age”-Boss Josh Homme an Bord geholt hat. Das Album und die zugehörige Tour werden ein voller Erfolg – das in der Royal Albert Hall in London aufgenommene Videoalbum belegt eindrucksvoll, dass Iggy Pop seinen Status als lebende Legende zu 100% verdient. Und weil er sich nicht auf jenem Status ausruht, lässt er sich 2019 wieder etwas Neues einfallen: „Free” überrascht mit ungewohnt ruhigen Jazz-Klängen.
Dass der Meister deshalb nun vollends zur Ruhe kommt, ist indes wohl nicht zu erwarten. Und das ist auch gut so! Denn was bitte wäre ein Iggy-Pop-Konzert, wenn die rebellische Punkrock-Ikone einfach am Mikrofon stehen würde? Undenkbar!