Gerhard Gundermann berührt und bewegt bis heute: weil er Wichtiges zu sagen hatte – über das Leben, die Liebe, das Hineingeworfensein in Zeit und Umstände und über das ständige Ringen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Daher lohnt sich das Zuhören. Als Verweis auf unser Selbst, als Aufforderung an unser Miteinander und zum Finden kleiner Zufluchten in unserer verrückt gewordenen Welt.
Gundermann fiel es auch schon damals, in den Jahren der DDR schwer, „im Spalier herumzustehen und im Refrain ein bisschen mitzusingen“ und er rannte als verstrickter Rebell gegen die Mauern seiner Zeit an. Als singender Baggerfahrer „Gundi“ sah er von seinem Arbeitsgerät weit über den Grubenrand hinaus, und es gelang ihm auf diese Weise, sogar hin und wieder auch in so manchem Betonkopf ein Schräubchen zu lockern.
Gundi war ein musikalischer Visionär, der Texte schuf, die - eingängig und sensibel in Rockmusik verpackt – nicht nur den Nerv seiner Zeit trafen, sondern bis in unsere Tage hinein an Aktualität und emotionaler Wirkung nichts eingebüßt haben.
Sein einzigartiges Liedschaffen öffnete auch nach Gundermanns Tod immer wieder aufs Neue Türen für künstlerische Ideen und Projekte. So nahmen sich nicht nur Gruppen, wie seine ehemalige Begleitband „Die Seilschaft“ mit Christian Haase oder die „Randgruppencombo“, seines musikalischen Erbes an, sondern auch Liedermacher-Kollegen, wie Reinhard Mey, Konstantin Wecker, Axel Prahl, der Akkordeonist Tobias Morgenstern oder der Filmregisseur Andreas Dresen u.v.a.m.
Gundermann-Konzerte überzeugen bis heute ein großes Publikum von der Kraft seiner Lieder. Hierdurch inspiriert entstand in den letzten Jahren auch ein Konzert, im Rahmen dessen seine Musik nunmehr auch in sinfonischem Gewand präsentiert werden soll. Gewidmet haben sich dieser wunderbaren Aufgabe namhafte Künstler, wie Bernd Wefelmeyer der die Lieder klassisch arrangierte und mit dem Orchester des Sorbischen Nationalensembles ein rocksinfonisches Gesamtkunstwerk schuf. Die stimmgewaltige Julia Neigel, Frontfrau der Band Silly, wird durch das Orchester sensibel begleitet, und die Band um Kai-Uwe Jahn füllt das musikalische Spektrum zwischen traditioneller und moderner Sinfonik.
Ein Konzerterlebnis, das Türen öffnet und Erinnerungen neu zum Leben erweckt.