Mit einem mächtigen, herausfordernden Soundwall, der zwischen HipHop, Soul und Industrial-Klängen keine Grenzen kennt, überwältigt die nigerianisch- kanadische Solokünstlerin und Selfmade- Produzentin Debby Friday derzeit die Musikszene. Dies zeigte sich einmal mehr, als sie Mitte September als Underdog den renommierten kanadischen Polaris Music Prize in der Kategorie „Bestes kanadisches Album“ gewann - für ihren Debüt-Longplayer „Good Luck“, der als wichtiges Statement des Empowerments an junge Menschen verstanden werden sollte, an die eigene Einzigartigkeit zu glauben. Diese Überzeugung schimmert nicht nur durch ihre lyrischen, gleichwohl oft sprachlich harten Texte, sondern aus bald jedem der vielschichtigen Sounds, die die Produktions-Autodidaktin in ihrer Musik verwendet. Denn die Arbeit von Debby Friday strahlt eine selbstbewusste Hartnäckigkeit aus. Mit einer klanglichen Fusion, die Pop, Hip-Hop, Punk, Soul-Vibes, Club-Beats, harte Industrial- Momente und experimentelle Elektronik zu einer prägnanten und raumgreifenden Melange verzerrt, formuliert die in Nigeria geborene und als Kind mit ihren Eltern nach Kanada immigrierte Künstlerin einen existenziellen Ausdruck – und umfasst alle Extreme, die das Leben mit sich bringt. Kurz: Sie besingt mit ihrer facettenreichen Stimme zwischen Falsett- Gesang und deepen Rap-Rhymes alle Höhen und Tiefen der Lebensrealität ihrer Generation der Millenials.
„Good Luck“, ihr erstes Album, das im vergangenen März über das renommierte Indie-Label Sub Pop erschien, zeigt dabei ihre enorme Entwicklung als Songwriterin und Produzentin: Ihre nunmehr noch individuelleren Produktionen haben zwar nichts an Radikalität und Unverwechselbarkeit verloren, wirken aber balancierter, weniger konfrontativ und erlauben sich auch Momente reiner Harmonie und melodiöser Zugewandtheit. Doch letztlich sei ihre Musik, der Debby Friday zunächst als DJ im Raum Vancouver ein einzigartiges Profil und unverwechselbar scharfe Konturen verlieh, in jedem Wort und Klang ein unbedingter Akt der Rebellion. „Ich glaube nicht, dass ich eine Wahl hatte“, erzählte sie unlängst in einem Interview mit dem britischen NME. „Schon als junger Mensch war es ein Akt der Rebellion, ich selbst zu sein und in einem sehr strengen Haushalt aufzuwachsen. Wenn du dich in einer sehr strukturierten Umgebung befindest, musst du Wege finden, dich außerhalb deines Zuhauses auszudrücken. Du musst Wege finden, ehrlich mit dir selbst zu sein bei der Frage, wer du bist. Das passiert ganz automatisch. Ich weiß nicht, was ich sonst tun würde.“
Dieses bedingungslose Bedürfnis, gegen bestehende Muster und tradierte Systeme aufzustehen und voll und ganz die Persönlichkeit zu sein, die man tief in sich selbst gefunden hat, ist eines der vorherrschenden Themen der Millenial-Generation, für die Debby Friday als laute, starke Stimme eintritt. „Viele der Emotionen, die in meine Musik einfließen, kommen von einem Ort, an dem ich mich verloren fühlte, mich selbst fand und ich selbst wurde. In vielen Songs schreibe ich in der Gegenwart an ein vergangenes Ich und teile entweder tröstende oder nachdenkliche Worte mit“, erklärt sie. „Über mein erstes Album möchte ich mit Menschen in Kontakt treten, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Wer sich jemals verloren gefühlt haben sollte, dem möchte ich die Frage ‚Wer bin ich?‘ mit dem Album übersetzen, um ihnen zu zeigen, dass sie mit dieser Erfahrung nicht allein sind. Ein großer Teil meiner Musik erzählt davon.“ Und dies in einem aufrüttelnden, berührenden Sound, den man - das lässt sich versprechen - so schnell nicht mehr vergisst.