In der Hip-Hop-Szene des Vereinigten Königreichs stellt Che Lingo eine Ausnahmeerscheinung dar. Und das nicht allein, weil „My Block“ seinerzeit zur Hymne der Black-Lives-Matter-Proteste im UK avancierte. Nein, der Rapper, der seinen richtigen Namen nicht preisgibt, ist einer der vielseitigsten, originellsten und talentiertesten seiner Zunft. Seinem Spitznamen „Wizard of Wandsworth“ alle Ehre machend, jongliert der aus dem Südlondoner Stadtteil ebenjenes Namens stammende Vers-Zauberer mit musikalischen Stilrichtungen von Grime über Trap und R&B bis hin zu Jazz. Sein Debütalbum „The Worst Generation“ ist ein leuchtendes Beispiel hierfür.
Ist der musikalische Stilmix an sich schon bemerkenswert, sind es vor allem die Lyrics, die Che Lingo von den meisten anderen Rappern abheben. In diesen geht es unter anderem um die Heimat South London, um Diskriminierung und um Polizeigewalt, die nicht nur in den USA ein Problem darstellt, um andere zentrale gesellschaftliche Themen, wie die Rolle und Bedeutung von Frauen in unserer Gesellschaft, sowie um psychische Gesundheit. Wichtige Themen, die Che Lingo zu aufrichtigen Texten verarbeitet, welche er dann mit einem Flow vorträgt, der die Tracks davor bewahrt, allzu ernst und schwermütig zu wirken. Ein paar Anspieltipps gefällig? „South“, „Black Ones“ mit Ghetts „Dark Days“ featuring Kojey Radical, „Eyes on the Prize“ und natürlich „My Block“ eignen sich bestens, um einen ersten Einblick in Che Lingos künstlerisches Schaffen zu erhalten.
Durchbruch und „The Worst Generation“
Nachdem er sein Talent schon als Teenager in Londoner Jugendclubs unter Beweis gestellt hat und 2016 mit „Channelling the Waves“ seine erste Single veröffentlicht hat, nimmt seine Karriere mit der „Charisma“-EP 2018 mächtig Fahrt auf. Als der Track „Same Energy“ für den Soundtrack der Netflix-Produktion „Top Boy“ ausgewählt wird, klopft kein geringer als Idris Elba an Che Lingos Tür, um ihn an Bord seinen Labels 7Wallace zu holen. Auf diesem erscheint 2020 das von der Musikpresse hochgelobte Album „The Worst Generation“, mit dem Che Lingo vielen Angehörigen seiner Generation eine Stimme gibt.
Emotionen sind die Grundlage für Che Lingos Musik und Lyrics. Dass viele seiner Tracks politisch anmuten, liegt bei den zugrunde liegenden Themen in der Natur der Sache. Doch ebenso rappt der Londoner über Liebe, Beziehungen und Dating, wie etwa auf der 2019er EP „Sensitive“ zu hören ist. Was immer ihn emotional beschäftigt und bewegt, verarbeitet der vielseitige Rapper zu Musik – und das Ergebnis überzeugt Fans wie Kritiker. Von Che Lingo werden wir in Zukunft sicher noch eine ganze Menge hören.