Bob Dylan ist einer der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts, Literaturnobelpreisträger und nicht weniger als eine lebende Legende. Evergreens wie „Blowin’ in the Wind“, „Like a Rolling Stone“, „Knockin’ on Heaven’s Door“ und „Hurricane“ gehen auf das Konto des Folk- und Rockmusikers. Dass er 2016 als erster Vertreter der Rockmusik den Literaturnobelpreis verliehen bekam, zeugt von der Tatsache, dass Bob Dylan nicht nur ein begnadeter Singer-Songwriter ist, sondern auch ein überragender Lyriker. Als solcher übte er einen enormen Einfluss auf die Popkultur aus und prägte und inspirierte eine Vielzahl berühmter Musikerkollegen, seien es The Beatles, Bruce Springsteen oder Nick Cave, um nur wenige zu nennen.
Angefangen in den Sechzigerjahren mit dem selbstbetitelten Debütalbum und dem Nachfolger „The Freewheelin’ Bob Dylan“ bis zu „Rough and Rowdy Ways“ aus dem Jahr 2020, umspannt die Karriere des Ausnahmekünstlers inzwischen sechs Jahrzehnte. „Rough and Rowdy Ways“ ist das sage und schreibe 39. Bob-Dylan-Album. Das Werk konnte sich unter anderem in Deutschland auf #1 der Charts und in den USA auf #2 platzieren. Dass Bob Dylan die Menschen heute noch genauso zu begeistern weiß wie zu Zeiten von „Blonde on Blonde“, „Blood on the Tracks“, „Desire“ oder „Slow Train Coming“, spricht Bände.
Robert Allen Zimmerman wird zu Bob Dylan
1941 kommt Robert Allen Zimmerman, der sich später Bob Dylan nennen wird, in Duluth, Minnesota zur Welt. Wenige Jahre später zieht er mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder in die Bergarbeiterstadt Hibbing im Norden des Bundesstaates. Über das Radio entdeckt der junge Robert seine Liebe zur Musik und lernt noch vor dem Eintritt ins Teenageralter zunächst Klavier und später Gitarre zu spielen. Darüber hinaus entwickelt sich die Literatur zu seiner zweiten großen Leidenschaft. Damit sind die Grundsteine für sein späteres Schaffen als Musiker und Dichter schon früh gelegt.
Um dem provinziellen Charakter seiner Heimatstadt zu entfliehen, geht Zimmerman 1959 nach Minneapolis, um an der University of Minnesota zu studieren. Allerdings gilt sein vorrangiges Interesse nicht den Vorlesungen, sondern der vom Folk geprägten örtlichen Musikszene. Einer der lokalen Künstler hat es ihm besonders angetan: Woody Guthrie, den er in seinen Anfängen imitiert und dem er den „Song to Woody“ auf seinem Debütalbum widmet. 1961 besucht Bob Dylan, wie sich der aufstrebende Musiker zu diesem Zeitpunkt bereits nennt, den schwer erkrankten Woody Guthrie erstmals – der Beginn einer tiefen musikalischen Verbindung.
Vom Folk zum Rock
Inzwischen in New York ansässig und in der dortigen Folkszene etabliert, unterschreibt Bob Dylan 1962 einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Im selben Jahr erscheint das selbstbetitelte Debütalbum, das größtenteils aus neuen Versionen traditioneller Folk-Lieder besteht. Der Durchbruch gelingt Dylan ein Jahr später mit „The Freewheelin’ Bob Dylan“, das mit „Blowin’ in the Wind“ einen seiner bis heute bekanntesten Songs enthält. Mit „The Times They Are a-Changing“ setzt der als neuer Folk-Messias gefeierte Musiker seinen Erfolgskurs ungebremst fort. Nur wenige Monate darauf präsentiert er „Another Side of Bob Dylan“, bevor er auf „Bringing It All Back Home“ 1965 eine wirklich gänzlich neue Seite von sich zeigt – und die schmeckt längst nicht jedem Fan. Statt mit Akustikgitarre und Mundharmonika begleiteter Protestlieder finden sich auf Seite A der LP elektronisch verstärkte und von einer Band (die später unter dem Namen „The Band“ zu langjährigen Wegbegleitern wird) eingespielte Folk-Rock-Nummern.
Auf folgenden Werken wie „Highway 61 Revisited“ und „Blonde on Blonde“ ist von traditionellem Folk nichts mehr zu hören. Der großen Mehrheit der Hörerschaft gefällt der neue Sound jedoch, wie Plattenverkäufe im Millionenbereich belegen. Bob Dylan ist längst zum Rockstar avanciert – daran ändert auch das Country-Album „Nashville Skyline“ oder das umstrittene „Self Portrait“ nichts. Und auch wenn sich der Musiker Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger für einige Jahre weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückzieht, veröffentlicht er dennoch regelmäßig neue Musik. Die erfolgreichsten Bob-Dylan-Alben der Siebzigerjahre sind „Blood on the Tracks“, „Desire“, „Street Legal“ und „Slow Train Coming“. Letzteres ist das erste von drei von der Zuwendung Dylans zum Christentum geprägten Alben. Auf dem von Mark Knopfler (Dire Straits) mitproduzierten Reggae-lastigen Album „Infidels“ (1983) spielen religiöse Inhalte schließlich keine große Rolle mehr.
Dylan in Bestform
Nachdem Bob Dylans Veröffentlichungen der Achtzigerjahre im Vergleich zu früher eher wenig Beachtung finden, geht es mit „Oh Mercy“ 1989 wieder bergauf. Das mag nicht zuletzt an der „Neverending Tour“ liegen, die 1988 ihren Anfang nimmt – im selben Jahr, in dem Bob Dylan in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wird. Und auch die Mitgliedschaft bei den Travelling Wilburys, die ferner aus George Harrison, Roy Orbison, Tom Petty und Jeff Lynne bestehen, trägt sicher zum wiederkehrenden Erfolg bei. Einen erneuten Aufschwung erhält die Jahrzehnte andauernde Karriere 1997 mit Erscheinen von „Time Out of Mind“. Seither rangiert Bob Dylan mit nahezu jedem seiner Alben – ob „Modern Times“, "Together Through Life“, „Tempest“ oder „Rough and Rowdy Ways“ – in den Top 10, sowohl hierzulande als auch in seiner Heimat.
Neben seiner Aktivität als Musiker und Lyriker trat Bob Dylan gelegentlich als Schauspieler in Erscheinung, etwa in „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ (1973) oder „Catchfire“ (1990). 2005 drehte Martin Scorsese zudem die Dokumentation „No Direction Home – Bob Dylan“. 2004 veröffentlichte der Jahrhundertmusiker seine „Chronicles Volume One“ betitelte Autobiografie. Und was macht der mehrfache Grammypreisträger Bob Dylan heute? Er macht selbstverständlich Musik und geht regelmäßig auf Tour, um seinen treuen Fans live aus seinem beeindruckenden Lebenswerk vorzutragen.