Richard David James (* 18. August 1971 in Limerick, Irland), bekannt unter den Pseudonymen Aphex Twin, AFX, Caustic Window und Polygon Window, ist ein irischer Musiker, DJ und Labelinhaber (Rephlex Records). James gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Electronica-Szene.
Die Person
Richard D. James kam 1971 als zweiter Sohn von Lorna und Derek James im Limerick Regional Hospital zur Welt. Zusammen mit seinen beiden Schwestern wuchs er auf der britischen Halbinsel Cornwall auf. In Cornwall begann er später auch seine musikalische Karriere als DJ in den örtlichen Clubs. So war er bereits als Teenager DJ im Shire Horse in St Ives und legte zusammen mit Tom Middleton im Bowgie Inn in Crantock, Newquay auf.
James gilt als eigenwilliger Exzentriker und etwas verschroben. Er gibt nur ungern Interviews und die Aussagen, die er in ihnen macht, widersprechen sich häufig. Deswegen ist der Wahrheitsgehalt vieler biographischer Fakten umstritten. So entpuppten sich viele der dargestellten Eigenwilligkeiten als reine Gerüchte, die nach Medienberichten auftauchten, etwa dass er in einer umgebauten Bank lebt und ein gepanzertes Spähfahrzeug besitzen soll.
Die Inspiration für einige seiner Musikstücke kam ihm nach eigener Aussage während luzider Träume.
Richard D. James ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und einem Kind wieder in Cornwall.
Musik
Seine ersten Musikstücke produzierte er angeblich bereits mit 10 Jahren mit Hilfe eines präparierten Klaviers und eines Tonbandgeräts. Anfang der 90er Jahre veröffentlichte James mit seinen Alben „Selected Ambient Works 85-92“, „Selected Ambient Works Vol. II“ und „Surfing On Sine Waves“ (als Polygon Window) drei Werke, die heute als wegweisend für die Entwicklung der elektronischen Musik bezeichnet werden. Aufgrund seines Einflusses wurde James von der britischen Musikzeitschrift Melody Maker als „Mozart des Techno“ bezeichnet. Er selbst kann dieser Bezeichnung jedoch wenig abgewinnen und sieht in seinen Kompositionen eher Bezüge zum Werk Erik Saties.
Seine Musik lässt sich nicht auf einen bestimmten Stil festlegen. Vielmehr ist sie eine sehr kreative und eigenwillige Interpretation verschiedener Stile. Die Stücke sind oftmals gekennzeichnet von einfachen, intuitiv als schön empfundenen Melodien aus ungewöhnlichen Klängen, teilweise auch von komplizierten Rhythmen und extrem detailliertem Drum-Programming (speziell auf „Drukqs“ und „Hangable Auto Bulb“). Bekannt wurde Aphex Twin mit seinen frühen, eher zugänglicheren Ambient-Stücken. Andere seiner Werke sind eher der Intelligent Dance Music, dem Techno oder dem Drill 'n Bass, eine Stilbezeichnung, die man extra für Aphex Twin erfunden hat, zuzuordnen.
Für Aufregung sorgen auch immer wieder seine Remixe für andere Künstler, in denen er das musikalische Ausgangsmaterial oft vollkommen zerstört (z. B. seine Remixe für Die Fantastischen Vier) oder komplett neu interpretiert (z. B. sein Remix für Nine Inch Nails, den er mit den Originalsamples produzierte, ohne aber je die ursprüngliche Komposition gehört zu haben). Für die Gitarrenrock-Band Lemonheads lieferte er ein eigenes Stück als angeblichen Remix eines Lemonheads-Songs ab, da er den Abgabetermin für den Remix versäumt hatte.
Im Jahr 1995 kam es zu einem kurzen Disput mit Karlheinz Stockhausen. Stockhausen hatte ein Stück von Richard D. James, den Track „Alberto Balsam“, in einer Radio-Show als zu eintönig kritisiert.
Seinem Ruf als kreativem Soundbastler gerecht werdend, enthielten die Lieder der „Windowlicker EP“ versteckte Muster und ein Bild von James mit seinem typischen Grinsen. Darstellen kann man diese eingebetteten bildlichen Informationen mit einem Programm, welches das Frequenzspektrum visualisiert.
Der Musik von Aphex Twin wurde wiederholt ein Bezug zum Konsum von Drogen unterstellt, den Richard James selbst aber als sehr gering einschätzt, wie er in einem Interview mit der Zeitschrift Frontpage feststellte:
„... ich versuche, diesen Aspekt möglichst minimal zu halten ... Making tracks when you are tripping is almost a complete waste of time ...“
Ähnlich äußerte er sich in der britischen Zeitschrift The Guardian:
„Ich wollte das mit den Drogen nie an die große Glocke hängen, weil ich nicht glaube, dass die das verdienen. Es ist bloß etwas, was du machen willst. Ich komm höchstwahrscheinlich so rüber nach dem Motto, "Ja, Acid und Gras sind super". Aber sowas denk ich nicht, absolut nicht. Und wenn ich es tun würde, würde ich es nicht in Interviews preisgeben. Außerdem bin ich nie unter Drogeneinfluss, wenn ich Musik mache. Immer wenn ich es gemacht habe, war es totaler Müll. Es ist ein sehr diszipliniertes Ding, Musik machen. Wenn du auf Drogen bist, bist du bloß gefickt. Man könnte so nie einen Track auf die Kette kriegen. Wenn ich stoned bin, geh ich ins Bett“
– Richard D. James, in: The Guardian, 5. Oktober 2001
Nach der Veröffentlichung des Albums „Drukqs“ im Jahr 2001 hatte James für drei Jahre kaum neues Material veröffentlicht. Während dieser Zeit erschienen nur die „26 Mixes for Cash“ betitelte Sammlung bereits veröffentlichter Remixe sowie drei neue Remixe unter dem Pseudonym AFX. Von einigen Kritikern wurde bereits spekuliert, ob James musikalisch nichts mehr auszudrücken vermag. Im Frühjahr 2005 erschien dann die erste von insgesamt 11 geplanten Veröffentlichungen einer „Analord“ betitelten Serie. Die zuerst und mit einer Box veröffentlichten Analord 10 war auf 1000 Stück limitiert. Im April 2006 erschien mit „Chosen Lords“ eine Compilation der Analords-Serie als CD.
Im April 2014 wurde eine der vier zuvor im Besitz von Richard James, Chris Jeffs, Grant Wilson-Claridge und Mike Paradinas befindlichen Testpressungen des 1994 produzierten Caustic-Window-Albums bei Discogs zum Verkauf angeboten. Mit Erlaubnis von Rephlex Records und James wurde eine Kickstarter-Kampagne ins Leben gerufen, bei der 4.124 Unterstützer den Kaufpreis von 67.424 US-Dollar aufbrachten und dafür im Gegenzug eine Digital-Kopie des Albums erhielten. Die originale Schallplatte wurde im Anschluß bei eBay für 46.300 US-Dollar vom Minecraft-Entwickler Markus Persson ersteigert und das Geld z.T. für wohltätige Zwecke gespendet.
Nach einer fast 10-jährigen Veröffentlichungspause kündigte James für den 19. September 2014 sein neues Album Syro an.
Kommerzieller Erfolg
Einem breiteren Publikum wurde Aphex Twin vor allem durch die ungewöhnlichen und teilweise verstörenden Musikvideos zu „Windowlicker“ und „Come to Daddy“ bekannt, die in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Chris Cunningham entstanden. Bereits vor diesen Veröffentlichungen war Aphex Twin mehrfach in den britischen Charts vertreten, so 1992 mit einem Re-Release seines Stückes „Digeridoo“ und 1993 mit der Single „On“, welche Platz 32 der britischen Charts erreichte. Seine sonstigen Veröffentlichungen sind oft in geringen Auflagen hergestellt worden und somit relativ unbekannt geblieben, zahlreiche Songs waren auch Achtungserfolge in der Electronica-Szene und teilweise Underground-Hits, ohne dabei einem größeren Publikum bekannt zu werden.
1999 erhielt Aphex Twin gemeinsam mit Chris Cunningham den Prix Ars Electronica in der Kategorie digital musics.
Pseudonyme
Sein Künstlername Aphex Twin bezieht sich zum einen auf die Firma Aphex Systems (Produzent von Effektgeräten) und zum anderen auf Richards älteren Bruder gleichen Namens. Diesen lernte Richard nie kennen, da sein Bruder bereits kurz nach der Geburt 1968 verstarb. James veröffentlicht auch unter zahlreichen weiteren Pseudonymen:
AFX
Caustic Window
Polygon Window
Bradley Strider
The Dice Man (nur für ein Stück)
GAK
Power-Pill
Q-Chastic
Soit-P.P. (nur für ein Stück)
Blue Calx (nur für ein Stück)
Analord
The Tuss (The Tuss wird auf der offiziellen BMI Seite "James, Richard David" zugeordnet)
Zusammen mit Mike Paradinas (µ-ziq) veröffentlichte James unter dem Projektnamen Mike & Rich 1996 das Album „Mike & Rich“. Der Album-Subtitel „Expert Knob Twiddlers“ wird gelegentlich und irrtümlich als Albumname verwendet.
Gemeinsam mit Mike Dred veröffentlichte er unter dem Namen Universal Indicator ab 1992 diverse EPs und ein Compilation-Album auf Rephlex Records.
Zu James' musikalischen Weggefährten zählen neben Mike Paradinas der ebenfalls in Cornwall aufgewachsene Musiker Luke Vibert. Seit Ende der 1990er Jahre fördert James auf seinem Label Rephlex Records unter anderem die Künstler Tom Jenkinson (Squarepusher), Michael C. Cullen (Mike Dred) und Chris Jeffs (Cylob). Mit Squarepusher produzierte er den Titel „Freeman Hardy & Willis Acid“, welcher auf der Warp Compilation „wap100 - we are reasonable People“ erschien. Einige von James' frühen Alben erschienen auf dem belgischen Label R&S Records. Später wechselte er zu Warp Records. Das letzte Album 26 Mixes for Cash auf Warp erschien 2003 und war lediglich eine Zusammenstellung älterer Remixe. Seitdem wurde über eine mögliche Trennung vom Label spekuliert. Ende 2009 bestätigte Warp Records jedoch die Verlängerung des Plattenvertrages mit James.
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