Drei völlig unterschiedlich klingende Sänger und ein Sound, der ebenso brachial wie hymnenhaft ist: Das sind die Hauptzutaten für das Post-Hardcore-Gebräu, das Alexisonfire seit 2001 servieren. In ihrer Heimat Kanada prägte die Band die Szene schon mit ihren ersten beiden Alben „Alexisonfire“ und „Watch Out!“ nachhaltig. Aber auch andernorts auf dem Globus feiern zahlreiche Freunde härterer Klänge AOF für Klassiker à la „This Could Be Anywhere in the World“ oder „Boiled Frogs“ sowie für jüngere Songs wie „Sweet Dreams of Otherness“. Letztgenannte Single entstammt dem 2022er-Album „Otherness“, auf das die Fans nach „Old Crows / Young Cardinals“ sage und schreibe 13 Jahre warten mussten. Seitdem steht zweifelsfrei fest: Alexisonfire sind noch da, und sie rocken wie eh und je – auf Platte, und ganz besonders auf Tour!
Mit Killer-Alben wie „Watch Out!“, „Crisis“ und „Old Crows / Young Cardinals“ im Gepäck sind AOF nämlich eine echte Live-Macht. George Pettit brüllt sich die Seele aus dem Leib, Dallas Green steuert mit melodischem Klargesang dagegen und Wade MacNeil balanciert mit seinen rauen Vocals irgendwo in der Mitte zwischen den beiden. Gerade auf der Bühne ist das Zusammenspiel der Jungs eine wahre Freude. Green und MacNeil übernehmen neben dem Gesang auch die Gitarren, während Chris Steele den Viersitzer bedient und Jordan Hastings aufs Schlagzeug eindrischt. Als Alexisonfire 2001 in St. Catharines, Ontario zusammenfinden, sitzt zunächst Jesse Ingelevics hinter dem Drumkit. Diesen Platz räumt er 2005 für Hastings. Was das Line-up angeht, bleibt dies zwar die einzige Turbulenz, doch eine weitere folgt 2011, als sich die Band nach vier gemeinsamen Alben auflöst. 2012 erscheint noch die „Death Letter“-EP mit Akustikversionen bestehender Songs, die Green und MacNeil allerdings ohne ihre Ex-Bandkollegen einspielen.
„Otherness“: erstes AOF-Album nach 13 Jahren
2015 kommt dann glücklicherweise wieder zusammen, was zusammen gehört. Die Alexisonfire-Reunion findet jedoch vorerst nur in Form von Live-Shows statt. Neues Album? Fehlanzeige. 2019 gibt es mit „Familiar Drugs“ und „Complicit“ immerhin zwei brandneue Singles; 2020 folgt mit Season of the Flood“ eine weitere. 2022 dann endlich die Erlösung für alle sehnsüchtig wartenden AOF-Fans: Die Veröffentlichung der Single „Sweet Dreams of Otherness“ geht mit der frohen Botschaft einher, dass es nach 13 Jahren tatsächlich ein neues Album geben wird. „Otherness“ erscheint im Juni 2022 und besteht aus insgesamt zehn Tracks, darunter „Sans Soleil“, „Reverse the Curse“ und natürlich „Sweet Dreams of Otherness“. Selbstverständlich zelebrieren Alexisonfire ihren fünften Longplayer mit einer ausgiebigen Tour, die sie unter anderem nach Deutschland führt.
Alle, die bereits in den 2000ern zu Songs wie „.44 Caliber Love Letter“ „Accidents“ oder „Young Cardinals“ abgegangen sind, dürften sich wie Bolle darüber freuen, dass AOF auch rund zwei Jahrzehnte später Gas geben, als wären sie keinen Tag älter geworden. Alexisonfire auf Tour – das ist „Happiness by the Kilowatt“.