Bild: Victoria-Luise Mey
Reinhard Mey bleibt sich treu, indem er sich erneut verändert. Mit „Schatzhauser“ kündigt der Liedermacher sein mittlerweile 30. Studioalbum an – ein Werk, das in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit darstellt. Erstmals seit rund 40 Jahren erscheint ein neues Mey-Album nicht im traditionellen Mai, sondern im September. Und mehr noch: Zum ersten Mal überhaupt hat er die Songs im Studio vollständig allein aufgenommen.
Was zunächst wie ein radikaler Schritt wirkt, ist im Grunde eine Rückkehr zum Ursprung. Seit beinahe sechs Jahrzehnten steht Mey für die Reduktion auf das Wesentliche: Stimme, Gitarre, Lied. Zwar hat er im Laufe seiner Karriere immer wieder mit größeren Arrangements, Orchestern und neuen Klangfarben experimentiert, doch die Essenz blieb unverändert. „Das Lied ist das Lied, seine Seele braucht keine Garnitur“ – ein Credo, das „Schatzhauser“ nun konsequent ins Zentrum rückt.
Benannt nach der literarischen Figur aus Wilhelm Hauffs Märchen, trägt „Schatzhauser“ schon dem Titel nach eine leise Weisheit in sich. Mey spart nichts aus: Weder die Endlichkeit noch die Schönheit des Lebens, weder Trauer noch Liebe. Die Songs führen in melancholische Seelenlandschaften, ohne je in Hoffnungslosigkeit zu kippen, verspricht die Ankündigung. Fast 60 Jahre nach seinem Debütalbum von 1967 zeigt sich Reinhard Mey damit einmal mehr als Chronist des Menschlichen, der sich nie auf bloße Nostalgie verlässt.
Zuletzt zeigte sich mit einer gänzlich unerwarteten Querverbindung, wie generationenübergreifend die Musik von Mey wirkt: So zählt etwa der Frankfurter Rapper Haftbefehl zu den bekennenden Bewunderern des Liedermachers, besonders der Song „In meinem Garten“ hat es ihm angetan, wie in der Dokumentation über sein bewegtes Leben zwischen Höhen und Tiefen deutlich wurde.