Bild: Felix Krüger
Manchmal reichen drei Sekunden, damit dieselbe Welt plötzlich völlig anders aussieht. Auf jolles Debütalbum „sunny side up/:down“ passiert genau das ziemlich genau in der Mitte. Im Song „plusminus“ bricht die Musik ab, ein Rewind-Sound setzt ein – und die zuvor hoffnungsvolle Stimmung kippt ins Dunkle. Auf Vinyl muss dafür sogar die Platte umgedreht werden. Ein kleiner Kniff, der ziemlich genau erklärt, worum es auf diesem Album geht.
Denn jolle interessiert sich für die widersprüchlichen Perspektiven, die gleichzeitig in einem Menschen existieren können. Das Glas kann beinahe drei Viertel voll sein und sich im nächsten Augenblick trotzdem erschreckend leer anfühlen. „Sunny side up“ und „sunny side down“ sind deshalb weniger Gegensätze als zwei Wahrheiten derselben Geschichte. Entsprechend geht es auf dem Album um Wut und Überforderung, aber auch um Versöhnlichkeit und die Frage, was einen im emotionalen Durcheinander trotzdem weitermachen lässt.
Das Debüt erscheint gut ein Jahr nach „alle märchen sind gelogen“, mit dem jolle 2025 viral ging. Seitdem ist einiges passiert: Sie ist auf „ZWEI“ von KITSCHKRIEG zu hören, stand beim zehnjährigen Jubiläum des Rundfunk-Tanzorchesters Ehrenfeld in Jan Böhmermanns Sendung auf der Bühne und hat inzwischen ihre erste eigene Tour angekündigt: Ab dem 14. September ist jolle unter dem Motto „ballons halten“ unterwegs, acht Konzerte sind geplant, Tickets sind erhältlich.