Bild: Travis Shinn
Knapp drei Jahre sind seit dem letzten Machine Head-Longplayer „ØF KINGDØM AND CRØWN“ vergangen, da knallen uns Robb Flynn und seine Mitstreiter ein weiteres Brett vor den Latz. „UNATØNED“ ist das elfte Album, das Machine Head in gut 30 Jahren veröffentlichen. Das allein ist schon eine beachtliche Leistung. Gleiches gilt aber auch für „UNATØNED“ selbst. MH-Album Nr. 11 ist vielseitig und abwechslungsreich und vereint darüber hinaus sämtliche Trademarks der US-Metal-Titanen: ultrafette Riffs, starke Hooks, melancholische Melodien und hymnische Mitsing-Parts. Ihren charakteristischen Sound paaren Machine Head mit einigen frischen Ideen – ausgeprägte Experimente wie auf „Catharsis“ bleiben jedoch aus. Vielmehr lassen sich Parallelen zum Vorgänger „ØF KINGDØM AND CRØWN“ erkennen.
Rein optisch hat „UNATØNED“ zwei Dinge mit seinem Vorgänger gemeinsam: die Ästhetik des von Seth Siro Anton gestalteten Artworks und die Stilisierung der Titel in Großbuchstaben und mit dem skandinavischen Ø. Aber auch klanglich liegen keine Welten zwischen den beiden Werken. Was bei „UNATØNED“ hingegen auffällt, ist die kurze Dauer der Tracks. Nur jeweils einer überschreitet die 4- und die 5-Minutenmarke; keiner der Songs kommt auf sechs Minuten. Epische Nummern à la „Slaughter the Martyr“ sucht man vergebens. Stattdessen setzte Flynn diesmal auf kürzere, fokussiertere Tracks.
Insgesamt ein Dutzend Tracks finden sich auf „UNATØNED“, wobei der Opener „LANDSCAPE ØF THØRNS“ aus einem halbminütigen Intro besteht und auch „DUSTMAKER“ im Mittelteil eher als Interlude fungiert. Nach dem Intro beginnt „ATØMIC REVELATIØNS“ mit sanften Pianotönen, bevor Machine Head-Fans erleichtert aufatmen können, wenn Gitarre, Bass und Schlagzeug und schließlich Robb Flynns Stimme einsetzen. Es folgt der erste Ohrwurm-Refrain des Albums. Neben diesem sticht besonders das furiose Gitarrensolo heraus. An dritter Stelle der Tracklist steht das bereits im Februar als Single erschienene „UNBØUND“ – ein Banger vor dem Herrn.
Weiter geht’s mit „ØUTSIDER“, der exakt dieselbe Spielzeit aufweist wie sein Vorgänger und auch stilistisch in eine ähnliche Kerbe schlägt. Temporeiches Drumming und aggressive Vocals wechseln sich mit einem eingängigen Chorus ab. Etwas andere, nämlich ruhigere, melancholische Töne schlagen Machine Head anschließend in „NØT LØNG FØR THIS WØRLD“ an. Wie es sich für eine MH-Scheibe gehört, währt die Ruhe nicht lange. „THESE SCARS WØN’T DEFINE US“ geht wieder ordentlich nach vorne – und wartet obendrein mit einem weiteren melodischen Refrain sowie einem virtuosem Solo auf. Nach dem bereits erwähnten Zwischenspiel „DUSTMAKER“ kommt das ebenfalls vorab als Single veröffentlichte „BØNESCRAPER“, das alles mitbringt, was man von einer Single dieser Band erwartet. Der Song ist wie gemacht für große Festivalbühnen. Auch „ADDICTED TØ PAIN“ zelebriert das Wechselspiel zwischen hart und zart, das Machine Head in Perfektion beherrschen. Von seiner experimentellen Seite zeigt sich „UNATØNED“ mit „BLEEDING ME DRY“, das sowohl Industrial-Klänge als auch Growls offeriert und in rund fünfeinhalb Minuten jede Menge Abwechslung bietet. Nach dem soliden „SHARDS ØF SHATTERED DREAMS“ erklingt auch schon der „UNATØNED“-Closer „SCØRN“ – ein würdiger Abschluss für ein starkes Album.
„UNATØNED“ hat alles, was ein Machine Head-Album haben muss, Fans dürften also glücklich werden mit der neuen Platte. Die knackig-kurzen Songs eignen sich überdies hervorragend für Playlisten – und ganz besonders für Live-Shows. Ohnehin macht „UNATØNED“ beim Hören unweigerlich Lust, Machine Head live zu sehen, zu bangen was das Zeug hält oder sich im Moshpit auszutoben. Definitiv die beste Art Machine F***ing Head zu erleben!