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Interviews

Backstage mit Rea Garvey: „Auf Tour bin ich eine Machine und ich liebe das!“

18.03.2024 von Nadine Wenzlick

Rea Garvey ist „Somewhere Close To Heaven“: Gemeinsam mit der Alternative-Pop-Band Band Picture This hat der Ire gerade eine Hommage an seine Heimat veröffentlicht. Der Song ist der dritte Vorbote aus Garveys neuem Album „Halo“, das im Herbst erscheinen soll. Auf seiner „Halo Arena Tour 2024“, die im April startet, wird er seinen Fans bereits viele neue Songs präsentieren. Wir trafen den 50-Jährigen vorab zum Interview und sprachen über seine Anfänge mit der Band Reamonn, über Lampenfieber – und darüber, warum ohne seinen Personal Trainer gar nichts geht.

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Rea, deine neue Single „Somewhere Close To Heaven“ ist eine Hommage an deine Heimat Irland und handelt von einer durchfeierten Nacht mit Freunden. Wann hast du so einen Abend das letzte Mal erlebt?

Gute Frage, lass mich überlegen. Das passiert immer mal wieder – und auch gerne! Das letzte Mal war in Hessen mit ein paar Freunden. Ich liebe halt einfach Gesellschaft. Mit Freunden zusammensitzen, was trinken, reden. So ein typischer Catch-Up-Abend. Eine nette Kneipe aussuchen, vielleicht wird was Kleines gegessen und natürlich getrunken. Das sind meistens sehr lange Abende! Und oft endet der Abend dann so, dass ich neue Musik, die ich gerade gemacht habe, vorspiele. Mit Freunden Musik austauschen ist das Schönste.

„Somewhere Close To Heaven“ ist eine Kollaboration mit der irischen Band Picture This. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Ich liebe die Band seit dem ersten Tag. Meine junge Schwester hat mir damals einen Link geschickt, wie zwei aus der Band zusammen im Auto sitzen und Musik machen. Voll mein Ding. Ihre erste Single ist dann riesig geworden in Irland und England, und jetzt kommen sie so langsam auch nach Europa. Ich hatte sie vor einer Weile mal als Support mit auf Tour. Seitdem wollten wir unbedingt mal was zusammen machen und jetzt hat es endlich gepasst! Als wir dann bei mir im Studio saßen, meinte ich wenn wir schon zusammen ein Lied machen, dann darüber, was ich liebe. Es geht um eine klassische, irische Begegnung: Wir haben uns lange nicht gesehen, treffen uns, feiern und daraus entstehen Geschichten, die wir uns ein Leben lang erzählen werden.

Du bist 1998 im Alter von 25 Jahren nach Deutschland gekommen und hast zunächst als Roadie und T-Shirt-Verkäufer auf Festivals gearbeitet. Wahrscheinlich war der Traum vom Musikmachen damals schon da, oder?

Absolut! Ich bin nicht nach Deutschland gekommen, weil ich so einen modischen Schlag habe und T-Shirts verkaufen wollte (lacht). Ich wollte Musik machen, ich habe immer von einem Rockstar-Leben geträumt. Und es war die beste Entscheidung, herzukommen, wirklich. Ich war vorher schon mal mit einer irischen Band hier und hatte einige kleine Tourneen gespielt. Danach habe ich mir gesagt alles oder nichts, ich ziehe hierher. Ich hatte mir selbst einen Zeitplan gesetzt, bis wann es klappen muss – sonst hätte ich in den sauren Apfel beißen und zurückziehen müssen. Aber es hat geklappt.

Warum denn ausgerechnet Deutschland? Eigentlich ist Irland doch das Land, wo an jeder Straßenecke jemand mit Gitarre steht und aus jedem Pub Livemusik schallt.

Für mich war ganz klar: Hier leben 80 Millionen Menschen! In Irland ist eine Tour ganz schnell vorbei. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich nach Deutschland muss. Ich bin ja ein gläubiger Menschen und wenn ich ein Zeichen sehe, dann folge ich dem. Ich stelle das dann nicht in Frage. Und ja, in Irland gibt es unglaublich viele Musiker. Fast jeder ist Musiker – wenn nicht jeder – und ich liebe meine Heimat. Aber irgendwie habe ich gespürt, dass meine Reise mich woanders hinführt. Man muss den Ort finden, an dem man am besten funktioniert, und ich merkte in Deutschland funktioniere ich besser. Mit meinen Werkzeugen habe ich mich hier sehr wohl gefühlt. Ich habe gemerkt, hier kann ich mir etwas aufbauen. Und ich war ja auch nicht alleine. Ich hatte eine Band und tolle Menschen um mich herum, die an mich geglaubt haben – mehr als ich selbst! – und zusammen haben wir etwas aufgebaut, dass ich alleine nicht geschafft hätte.

Deinen Durchbruch hattest du mit der Band Reamonn, die du damals per Zeitungsannonce gefunden hast. Kannst du dich noch an euren ersten Auftritt erinnern?

Wir sollten eigentlich als Vorgruppe einer Hard-Rock-Band aus Süddeutschland auftreten. Unser damaliges Management hatte gesagt, wir sollen da spielen und eine Kamera mitnehmen, weil sie sehen wollten, wie wir auf der Bühne wirken. Als wir dort ankamen, merkten wir, die Bühne ist viel zu klein für unser ganzes Equipment. Unser Gitarrist ging dann zu dem Promoter und sagte ihm das so. Ich dachte nur was für Eier er hat, das als Vorband zu sagen… aber der Promoter besorgte uns dann ganz schnell irgendeinen Partyclub in Chur in der Schweiz. Ich weiß noch, wie wir unsere Orgel die Wendeltreppe hochtragen mussten… Als wir dann gespielt haben, waren vielleicht drei Leute da, die aber lieber Kicker spielen wollten als alles andere.

Drei Leute sind natürlich nicht so viele.

Ja, aber uns war das egal. Uns ging es ja nur darum, Videomaterial für unser Management zu haben. Wenig später sind wir auf einem Festival bei Freiburg aufgetreten, weil wir einem Produzenten zeigen wollten, wie wir live spielen. Die Show haben wir ohne Gage angenommen! Das Festival war ein absoluter Flop. Es fand auf einem riesigen Flugplatz statt und da waren vielleicht 40 Leute. Aber wir waren am Anfang gar nicht so an der Performance vor großem Publikum interessiert, sondern wollten erst mal dafür sorgen, dass wir die richtigen Leute an Bord haben.

2011 hast du deine Solokarriere gestartet, die inzwischen länger währt als die Zeit mit Reamonn. Macht es einen Unterschied, ob man als Solokünstler oder Teil einer Band auf der Bühne steht?

Ja, und ich vermisse es manchmal ein bisschen, eine Band zu haben, muss ich ehrlich sagen. Meine jetzige Live-Band habe ich auch schon seit zehn Jahren. Wir sind auch eine Gang geworden, aber das ist natürlich ein anderes Verhältnis. Andererseits wollte ich halt irgendwann anfangen, Sachen zu bestimmen. Bei Reamonn waren wir fünf gleichberechtigte Musiker. Ich komme aus einer Familie mit acht Kindern, wir konnten uns auch nie einigen. Manchmal ist es besser, dass dann zu akzeptieren.

Hast du Lampenfieber, bevor du auf die Bühne gehst?

Ich bin auf jeden Fall aufgeregt. Aber als Solo-Künstler steht man ja im Mittelpunkt und muss den Leuten das Gefühl geben, dass man alles unter Kontrolle hat. Ein Wendepunkt war für mich, als ich mit Robbie Williams in Lissabon gespielt habe. Kurz bevor ich auf die Bühne ging, war ich ziemlich nervös, aber dann dachte ich: die kennen mich hier gar nicht, die haben nie von mir gehört. Ich bin ja wie gesagt ein gläubiger Mensch, deswegen gehe ich vor meinen Shows gerne auf die Knie und sage ein Gebt. Das gibt mir irgendwie Schutz und Stärke. Und dann habe ich mir gesagt: „I gotta go out here and I gotta blow them away.” Das kannst du nicht, wenn du irgendwie nervös bist, dann bist du mit dir selber beschäftigt. Also es ist keine Nervosität mehr bei mir, sondern Aufregung – und das ist total okay.

Hast du außer dem Gebet noch andere Rituale, bevor du auf die Bühne gehst?

Mir ist es wichtig, mit der Band zusammen zu sein. Es gibt immer viel zu tun – Interviews, ständig hat jemand eine noch Frage. Aber die Stunde vor der Show will ich einfach nur mit meiner Band rumhängen. Ich bin dann für jeden Blödsinn dann zu haben. Danach hat man eine gewisse Verbundenheit und Energie und das ist wichtig, wenn man auf die Bühne geht.

Gibt es etwas, das du auf Tour immer dabei haben musst? 

Mein Trainer, sonst bin ich tot! (Lacht). Er ist der Schlüssel zum Erfolg im Sinne von auf die Bühne gehen und Energie haben. Karsten Schellenberg heißt er. Ich kenne ihn jetzt seit 15 Jahren oder so. Am Anfang dachte ich, das ist vielleicht ein bisschen zu überluxuriös, seinen eigenen Trainer dabei zu haben. Aber dann musste ich eine Tour absagen, weil ich krank war und danach habe ich mir gesagt: fuck it! Ich meine überleg mal, was man für sein Auto für den TÜV ausgibt. Und was gibt man für sich selbst aus? Damit meine ich nicht eine Flasche Wein oder ein Bier, sondern was man für sich tut. Jede Gitarre wird gestimmt und den Körper muss man halt auch stimmen. Ich bin mein eigenes Kapital und wenn ich auf die Bühne gehe, will ich funktionieren. Auf Tour bin ich eine Machine und ich liebe das. Da stehe ich morgens auf und lasse mich eine Stunde beim Training quälen. Das Rockstar-Leben lebe ich dann Zuhause (lacht).

Über deine ersten Auftritte haben wir schon gesprochen. Welche Konzerte deiner Karriere wirst du im positiven Sinne nie vergessen?

Da gibt es so viele Momente. Das Live Aid Konzert in Berlin war ein wahnsinns-Moment. Oder als wir vor der Siegessäule spielten, als Barack Obama seine Rede hielt. Oder das Konzert mit Robbie Williams in Lissabon. Da gibt es so viele Momente!

Sind dir auf der Bühne schon mal die Tränen gekommen?

Jein. Also nicht wirklich. Ich wollte erst witzig sein und sagen mir ist mal eine Kontaktlinse verrutscht (lacht). Das stimmt sogar, aber inzwischen trage ich keine Kontaktlinsen mehr, und um ernsthaft auf die Frage zu antworten: Nein. Nicht, dass ich mich erinnern könnte. Und ich würde es auch nicht wollen. Ich bin nicht gut darin, Tränen zu teilen. Nicht, weil ich das als Schwäche sehe, sondern weil ich das nicht gut kann. Ich bin eher jemand, der in dem Moment dann leise ist.

Nachdem du zuletzt auf Club-Tour warst, steht im April deine „Halo Arena Tour“ an, die dich in die größten Arenen des Landes führt. Was erwartet die Leute?

Wir werden ganz viel von meinem kommenden Album spielen. Das war mein großer Wunsch. Denn stell dir mal vor, du gehst ins Kino und kennst alles schon. Dann ist die Spannung weg. Neues zu erleben, hat eine gewisse Spannung, die ich liebe. Unsere Aufgabe ist es dann, die neuen Songs so zu präsentieren, dass sie die Leute trotzdem mitnehmen. Wir werden aber natürlich auch die Hits spielen! Über ein ganzes Konzert kann man ja durchaus beides machen. Außerdem können die Leute sich auf die größte Bühne freuen, die wir jemals hatten. Wir wollten dieses Mal großes Kino!

Dein kommendes Album mit dem Titel „Halo“ soll im Herbst erscheinen. Kannst du schon verraten, wie es klingen wird?

Anders! It’s time for change. Man weiß ja nie, ob andere es dann genauso empfinden, aber in meinen Augen klingt es wirklich total anders. Aber super stark. Ich bin im Moment in der Lage, mehr zu geben, weil ich mich stark fühle. Das Album gibt viel, und genau das steckt für mich auch im Titel. „Halo“ ist das, was du anderen weitergibst, deine Ausstrahlung, deine Erfahrung, dein Wissen. Wir leben in einer Zeit, in der viele Leute Hoffnung verloren haben und Antworten suchen und ich fühle mich in der Lage, derjenige zu sein, der helfen kann. Wenn ich die neuen Songs höre, dann stärken sie mich, und ich hoffe, dass es auf andere genauso wirkt.

Im April 2024 geht Rea Garvey auf „Halo Arena Tour 2024“. Die Termine und Tickets findet ihr mit einem Klick auf den Button.

Rea Garvey Live 2024
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