Bilder: Pascal Behring
Montez ist mit seinem soften Rap gerade einer der erfolgreichsten deutschen Künstler. Sein Aufstieg kam allerdings keineswegs über Nacht: Seit 15 Jahren steht Luca Manuel Montesinos Gargallo, wie Montez bürgerlich heißt, bereits auf der Bühne – und hat schon alles erlebt, wie er im Rahmen unserer Interview-Reihe „Backstage“ verrät. Obendrauf gibt der 29-Jährige einen Ausblick auf die Tour zu seinem gerade veröffentlichten Album „Liebe in Gefahr“.
Montez: Ich habe ja angefangen mit zwei Kumpels zu rappen und unser erster richtiger Auftritt als Rap-Crew war am 4. April 2009. Davor hatte ich zwar schon ein paar Auftritte in der Schulaula und bei Schulfesten, aber das war das erste Mal, dass wir richtig gebucht waren. Da war ich 14. Ich weiß noch, dass die Location absolut runtergerockt war und mir fast eine riesige Stahltür auf den Kopf gefallen wäre. Da hätte nicht viel gefehlt und der Auftritt hätte nicht stattfinden können! Gottseidank ging alles gut. Es waren zwar nicht so viele Leute da, aber meine Freunde und Familie kamen alle – und ich war natürlich super aufgeregt.
Für mich und meinen Freundeskreis war das der totale Flash! Wir waren da 16 oder 17. Von Rap-Größen wie Kool Savas, Sido, Azad und Olli Banjo bewertet zu werden, war einfach mega.
Live zu spielen ist einfach die beste Schule. Deswegen rate ich auch immer allen Newcomern, so viele Support-Slots wie möglich mitzunehmen. Man darf sich dafür nicht zu schade sein, denn man lernt da so viel! Und es ist auch die beste Möglichkeit, um Leute von sich zu überzeugen. Wenn du vor 1.000 Leuten spielst und nur 10 Prozent dich cool finden, hast du direkt 100 neue Fans. Ich habe wirklich alles gemacht! Einmal habe ich ein ganzes Wochenende in Köln auf der Straße verbracht, ohne Hotel und alles, nur um am Sonntag in einem kleinen Club als Vorgruppe bei einem Rapper aufzutreten. Ich habe jede Möglichkeit mitgenommen – und das kommt mir heute sehr zu gute.
Die Bühne ist mein Zuhause. Ich liebe es, live zu spielen, denn das ist die einzige Möglichkeit, um mit seinen Fans connected zu sein. In unserer digitalen Welt läuft so viel über Social Media und Streams, aber auf Konzerten siehst du wirklich: Bewegst du was in den Leuten, löst du irgendwelche Emotionen aus, fühlen sie bei deiner Musik etwas? Wenn sie im Publikum stehen und weinen oder lachen, dann siehst du, dass da was passiert, und das geht eben nur live. Deswegen sind Konzerte das schönste am Leben als Musiker – zumindest für mich.
Es ist nicht so, dass ich keine Angst habe, wenn ich live spiele. Das gehört ja irgendwie auch dazu, dieses Kitzeln. Alles andere wäre langweilig. Ich habe schon jedes Mal Respekt und Angst, vor allem, wenn ich länger nicht aufgetreten bin. Aber sobald ich auf die Bühne gehe, ist das meistens weg. Denn eigentlich kann doch auch gar nichts passieren! Ich habe schon alles erlebt: Die Technik hat versagt, die Bühne hat gebrannt, weil irgendwas mit der Pyro nicht klappte, ich habe den Text vergessen, mir ist schlecht geworden, ich musste was abbrechen. Es gibt so viel, was schief gehen kann – aber das ist alles nicht schlimm und die Leute verzeihen dir das. Deswegen kann man sich echt locker machen und einfach versuchen, es zu genießen.
Ich suche bei jeder Tour einen Song aus, der direkt vor meinem Auftritt in meinen In-Ears und im Publikum läuft. Bei meiner letzten Tour war das „Eastside“ von Khalid, auf meiner kommenden Tour wird es „Mockingbird“ von Eminem sein. Das sind immer Songs, die mich schon lange begleiten. Die sorgen dafür, dass ich vor der Show in diesen Tunnel eintauche. Dann mache ich alles aus, schalte meinen Kopf aus, genieße einfach den Song und weiß: Jetzt geht es gleich los und dann bin ich komplett fokussiert.
Feuchttücher. Ich hab da so einen Tick… Aber vielleicht sage ich was cooleres als Feuchttücher (lacht). Ich muss immer Kakao dabei haben, weil ich so ein kleiner Schoko-Freak bin.
Ja, wenn ich mich richtig rein steigere, kommt das schon mal vor. Ich habe immer Akustik-Blöcke mit Balladen in meinem Set, da kann es mich schon mal packen und ich habe Tränen in den Augen. Bei „Sing meinen Song“ habe ich auch die eine oder andere Träne verdrückt. Ich hatte aber auch schon mal Freudentränen in den Augen. Mein Weg ist so lang, ich habe 15 Jahre dafür gekämpft, wo ich jetzt stehe. Wenn du dann eine Show spielst, wo bis zum Horizont Leute stehen, die für dich da sind, berührt einen das schon. Da geht es gar nicht darum, dass ich denke geil, ich verdiene so viel Geld, sondern dass es so viele Menschen gibt, mit denen ich verbunden bin und die scheinbar dasselbe fühlen wie ich.
Das war war Bro'Sis im Go Parc in Herford (lacht). Mit auf den Schultern sitzen und allem. Ich war da wirklich noch sehr klein. Mein erstes Rap-Konzert war dann Casper im Stereo in Bielefeld. Das müsste 2008 oder 2009 gewesen sein. Schön in der ersten Reihe, richtiger Casper-Fan. Ich selbst war da noch ganz am Anfang meiner Rap-Karriere. Je mehr Musik ich gemacht habe, wurde der Wunsch, meine Sachen irgendwann selbst mal live zu spielen, immer größer. Mittlerweile habe ich in dem Club selbst schon ein paar Mal gespielt. Das ist schon krass!
Ich will unbedingt mal in der die Lanxess Arena spielen! In Köln gibt es nicht so viele Möglichkeiten für größere Shows. Das Palladium habe ich jetzt relativ schnell ausverkauft – aber der nächste Schritt ist dann direkt die Lanxess Arena mit bis zu 20.000 Plätzen. Das ist schon ein großer Step und im Moment noch ein Stück zu groß – aber der Ansporn in mir ist groß, da irgendwann mal zu spielen.
Ich werde zum ersten Mal eine Band dabeihaben! Das habe ich bisher nie gemacht, weil ich es eigentlich mag, alles so clean wie möglich zu halten. Dieses Mal werde ich mein Set-Up aber um einige Musiker und Instrumente erweitern und da habe ich mega Bock drauf!
Ab September ist Montez auf „Liebe in Gefahr“ Tour. Einige wenige Tickets sind für die Shows noch zu haben. Die genauen Termine findet ihr mit einem Klick auf den Button.