Bild: Shanti Joan Tan
Update 04.11.:
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Vom Kinderstar der legendären Kelly Family zum gefeierten Solo-Künstler mit Tiefgang: Michael Patrick Kelly hat in seiner außergewöhnlichen Karriere fast jede Bühne der Welt gesehen und sich dabei immer wieder neu erfunden. Mit seinem sechsten Studioalbum „Traces“ präsentiert der Musiker nun eine sehr persönliche Sammlung von Songs, die von Hoffnung, Menschlichkeit und der Kraft echter Emotionen erzählen. 2026 geht der 47-Jährige mit den neuen Stücken auf große „Traces“-Tour – und verspricht Konzerte voller Energie, Gänsehaut und ehrlicher Begegnungen. Im Interview spricht Michael Patrick Kelly über die Spuren, die Menschen in seinem Leben hinterlassen haben, den Einfluss seines Vaters – und über Auftritte mit Luciano Pavarotti und im Gefängnis.
Michael Patrick Kelly: Ich bin auf jeden Fall ein hoffnungsvoller Realist. Es gibt so viel Gutes in der Welt, über das die Nachrichten nicht berichten. Über die positiven Geschichten aus meinem eigenen Leben, oder dem von Menschen, denen ich begegnet bin, darüber schreibe ich Songs. „K.H.A.“ ist inspiriert von einem langen Gespräch, das ich mit Kevin Briggs hatte, einem amerikanischen Highway Patrol Officer, der jetzt im Ruhestand ist. Während seiner Dienstzeit hat er mehr als 200 Menschen auf der Golden Gate Bridge davon abgehalten, sich das Leben zu nehmen. Junge Teenager bis hin zu 80-Jährige hat er mit seinem Beistand gerettet. Er stand manchmal 8 Stunden lang auf der kalten, windigen und lauten Brücke neben den verzweifelten Menschen, und hat sie nicht aufgegeben. Leute wie er zeigen, dass Hoffnung nicht umsonst ist, und Optimismus keine Illusion.
Am Tag, als mein Vater starb, trug er ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Viele Menschen treten in Dein Leben, aber nur wenige hinterlassen Spuren“. Der Spruch hat damals einiges in mir angestoßen. Ich hab mich gefragt, welche Spuren andere schon in meinem Leben hinterlassen hatten, und welche Spuren ich hinterlassen möchte. Es geht mir gar nicht darum, mich irgendwo zu verewigen. Ich glaube, wenn ich versuche, Liebe in der Musik zu transportieren, und in dem, was ich tue, ehrlich und echt zu sein, habe ich am Ende etwas richtig gemacht. Man sagt ja, ein guter Song besteht aus drei Akkorden und der Wahrheit. Und wenn diese Wahrheit vom Herzen kommt, dann trifft es in der Regel auch die Herzen.
Der persönlichste Song ist wahrscheinlich „The Day My Daddy Died“. Ich wollte mit dem Lied meinem verstorbenen Vater ein musikalisches Denkmal setzen. Ich bin eher so der Unterdrücker, wenn es um Gefühle wie Trauer geht, und konnte auch einige Zeit nicht weinen, als mein Vater gestorben war. Irgendwie war jetzt der Moment gekommen, ihm Danke zu sagen für die guten Dinge, die er mir mitgegeben hat. Als ich den Song im Studio eingesungen habe, musste ich mehrere Male abbrechen, weil es mir so nahe ging. Mein Favorit ist der Song „Symphony of Peace“. Ich wollte schon lange ein Friedenslied schreiben, aber das ist gar nicht so einfach, ohne dass es seicht oder kitschig rüberkommt. Ich glaube, mit „Symphony of Peace“ ist, vor allem dank der Weltklasse Performance von Jonas Kaufmann, eine Hymne in Form einer Pop-Rock-Klassik Fusion gelungen.
Inhaltlich habe ich versucht, mit den wahren Geschichten eine positive, hoffnungsvolle Note zu setzen, ohne die schweren Themen, die uns bewegen, auszulassen. Hinter vielen Songs stecken Vorbilder in puncto Menschlichkeit. Die Stories sind in Melodien geflossen, die ich zu hundert Prozent spüren kann. Auf „Traces“ gibt es eine breite Variation von Einflüssen, weil ich gerne mit diversen Musikstils experimentiere. Ich habe mich immer in den Genres Pop, Rock und Folk zuhause gefühlt, das ist hier auch klar zu hören. Aber es gibt zum Beispiel auch das Crossover mit Klassik. Mir war wichtig, dass es handgemachte Musik ist, die von Herzen kommt. Deshalb haben wir in Tonstudios in London und Berlin mit internationalen Musikern die Recordings teilweise auf Band aufgenommen, statt mit KI Tools zu arbeiten. In dem Punkt bin ich lieber oldschool (lacht).
Die Konzerte sind der schönste Teil meines Jobs. Ich freue mich riesig, die neuen Songs von „Traces“ live zu performen und gemeinsam mit dem Publikum zu erleben. Da passiert echte Begegnung. Zu sehen, wie die Menschen ihren Alltag komplett hinter sich lassen, zusammen lachen, tanzen, feiern oder sich gerührt in den Armen liegen, ist wunderschön. Auf der „Traces Tour 2026“ werde ich bis zu drei Stunden spielen, alle Hits, und natürlich einige der neuen Songs. Ein emotionales Highlight bei all meinen Konzerten ist die Schweigeminute für den Frieden, die von der PeaceBell eingeläutet wird, einer tonnenschweren Glocke, die aus eingeschmolzenem Kriegsschrott gegossen wurde. Der Klöppel ist ein G3-Gewehr. Das ist jedes Mal ein Gänsehaut-Moment. Ich liebe es in Arenen zu spielen, weil die Atmosphäre so konzentriert ist, alles geht unter die Haut. Open Air Shows unter freiem Himmel sind von der Stimmung nochmal ganz eigen, fast ein Lebensgefühl; diese Abende bleiben lange in Erinnerung.
Bei meinem ersten Auftritt war ich gerade einmal 10 Tage alt. Meine Mutter hielt mich auf dem Arm. Das war bei einer TV Show in Irland. Ich bin quasi im Rampenlicht groß geworden. Die Bühnen waren wie mein Spielzimmer.
Klar kickt in dem Moment, wenn das Konzert beginnt, das Adrenalin ein und Du bist hellwach. Eine positive Anspannung ist auf jeden Fall da. Aber Lampenfieber im Sinne von Ängsten oder Blockaden habe ich Gott sei Dank nicht. Dafür liebe ich das Zusammenkommen mit dem Publikum zu sehr. Nach Konzerten kann ich meistens nicht vor drei oder vier Uhr morgens einschlafen, weil man erstmal wieder runterkommen muss. Tour-Rhythmus ist ein komplett eigener Rhythmus.
Ja, nicht nur einmal. Das bleibt nicht aus, wenn man so viel Zeit auf Bühnen verbringt. Es gibt Songs, die so sehr unter die Haut gehen, dass ich mich schwer tue sie live zu singen. Es gibt einen Song, den ich für meine verstorbene Schwester geschrieben habe, da kamen mir bei Konzerten ein paar Mal die Tränen. Auf meinem neuen Album ist der erwähnte Song für meinen Vater. Ich bin gespannt, was der mit meinen Emotionen bei Live Performances macht.
Ich durfte 1996 mit meinen Geschwistern bei Pavarotti & Friends mitmachen, das war ein unvergessliches Erlebnis. Mit Luciano Pavarotti zu singen, und mit Eric Clapton, Elton John, Sheryl Crow und anderen Legenden die Bühne zu teilen, war auf jeden Fall unvergesslich. Die Stimmung war on stage wie backstage so cool und alle so entspannt. Eric Clapton hatte mir damals seine direkte Telefonnummer gegeben, weil er mit uns Musik machen wollte. Ich war damals so ein Chaot, und habe den Zettel mit der Nummer leider verloren. Das Lied „Symphony of Peace“ auf meinem neuen Album ist auch teilweise von diesem Pavarotti & Friends Event inspiriert.
Ich durfte letztes Jahr in Nashville in einem Gefängnis in Deathrow, also im Todestrakt, für die Häftlinge singen. Das war wahrscheinlich der ungewöhnlichste Auftritt der letzten Jahre. Diese Insassen hatten jeder mindestens eine Person ermordet. Da ist man erstmal froh, dass die weggesperrt sind. Als ich anfing zu singen, fingen manche der Männer an bitterlich zu weinen. Danach ergaben sich sehr besondere Gespräche. Solche Momente zeigen einfach die Kraft der Musik. Wenn die Musik in dem Moment die Menschlichkeit aus den äußerlich so harten Kerlen hervorholen kann, dann weiß man: Diese Auftritte lohnen sich.
Ja, tatsächlich. In den Neunzigern gab es den Weltmeister im Boxen, Dariusz Michalczewski, genannt „Tiger“, der unbedingt wollte, dass ich mit meinen Geschwistern vor dem Kampf einen Song im Ring für ihn singe. Das war in Köln in der Sporthalle, und wir wurden ausgebuht, weil die Leute einfach nur den Fight sehen wollten. Das war nicht so schön. Aber wir haben das durchgezogen, weil wir ja nicht für das Publikum gesungen haben, sondern für Michalczewski, das war sein Wunsch.
Mit jedem neuen Studioalbum werden die Konzerte länger. Weil es mir schwer fällt, Songs rauszunehmen, und weil das Publikum die Hits ja auch hören will. Bei den nächsten Shows werden wir zweieinhalb bis drei Stunden spielen. So weit wie Bruce Springsteen mit seinen viereinhalb Stunden bin ich noch nicht, aber wenn es noch ein paar Platten gibt, kommen wir vielleicht noch dahin.
So ein, zwei Stunden vor den Shows ziehe ich mich in meine Garderobe zurück, mache Warm-Ups für die Stimme, Stretching, Atemübungen oder gerne auch bestimmte Entspannungstechniken von einem amerikanischen Neurowissenschaftler. Unmittelbar vor dem Konzert treffe ich mich mit meiner Band, wir gehen gemeinsam zur Bühne und machen dort einen engen Kreis und halten uns fest. Da entsteht die Synergie, die wir on Stage brauchen. Ich sage ein paar Worte, und dann geht es los.
Ich bin extrem dankbar dafür, dass mir nach dem Rückzug aus der Öffentlichkeit noch ein zweites Mal die Türen geöffnet wurden und ich heute Musik machen darf, die mit den Sehnsüchten der Menschen resoniert. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Künstler nach der Loslösung von einer Band und nach Jahren, die man vom Radar der Medien abgetaucht war, so gut aufgenommen wird. Ich habe heute mehr Bodenhaftung als früher, und weiß die Treue der Menschen, die meiner Musik über Jahrzehnte folgen, enorm zu schätzen.