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Interviews

Backstage mit Lena: „Loyal to myself“ ist wie ein Versprechen an mich, meinen Kern nicht aus den Augen zu verlieren“

16.05.2024 von Nadine Wenzlick

Seit Lena vor 14 Jahren mit „Satellite“ den Eurovision Song Contest gewonnen hat, ist sie aus der deutschen Unterhaltungsbranche nicht mehr wegzudenken. Die 32-Jährige hat im Laufe der Jahre unter anderem als Model, Schauspielerin sowie Synchron- und Hörsprecherin gearbeitet, war in zahlreichen TV-Shows zu sehen und Coach bei „The Voice Kids“. Zur Musik allerdings kehrt sie immer wieder zurück – so auch jetzt mit ihrem neuen Album „Loyal to myself“, das am 31. Mai erscheint. Ab Juni ist Lena damit auf Deutschlandtour. Wir trafen sie vorab zum Interview – und erfuhren nicht nur, dass es bei ihr Backstage immer Schokolade gibt, sondern auch von einem schönen Ritual.

Bild: Marius Knieling

Lena – „I'm loyal to myself now / Wanna get to know me a little bit better / Now that I'm the real me“ singst du in deiner zuletzt veröffentlichten Single „Loyal to myself“. Das impliziert, dass du dir in der Vergangenheit nicht immer treu gewesen bist. Gibt es Dinge, die du heute anders machen würdest oder bereust?

Lena: Ich denke, viele Menschen fragen sich manchmal: Mag ich das, was ich mache und vor allem, wie ich es mache? Ich genieße so viele kreative Freiheiten in meinem Job, was ich als totales Privileg sehe. Ich war aber phasenweise wie genervt von der Branche, den Algorithmen, dem Druck, sich anzupassen, zu gefallen und fand vieles doof. Und dann habe ich gedacht, ich bin eigentlich keine Person, die alles doof findet. Deswegen war klar, ich muss Sachen machen, die mir Spaß machen. Ich bereue deswegen nichts und halte auch nichts davon, Dinge lieber anders gemacht zu haben. Am Ende bringt mich oder uns alle das ja auch alles weiter.

Am 31. Mai erscheint dein gleichnamiges Album. Was war dir bei dieser Platte wichtig, wo wolltest du musikalisch und inhaltlich hin?

Ich habe mir erlaubt, das zu machen, was ich gerne machen möchte und was ich gut finde. Deswegen ist das Album auch musikalisch und inhaltlich eher divers. Die nächste Single ist eine richtige Gute-Laune-Single, was ich total cool finde. Ansonsten sind auf dem Album aber auch viele gefühlvolle Songs, die gitarrenlastiger und roher sind. Einen kleinen Drum’n’Base Moment gibt es auch. Es sind Themen aus der Gegenwart, aber auch aus der Vergangenheit dabei. Aber es ist natürlich trotzdem ein Pop-Album, weil das einfach meinen Kern widerspiegelt. Generell ist „Loyal to myself“ wie ein Versprechen an mich, meinen Kern nicht aus den Augen zu verlieren.

Im Juni gehst du mit dem Album auf Tour. Was erwartet die Leute?

Ich bin echt ultra aufgeregt und habe richtig doll Angst, aber ich freue mich auch. Der Moment auf der Bühne wird unglaublich toll. Ich gebe mir ganz viel Mühe, dass es eine super Show wird. Mein Team, meine Band und ich arbeiten gerade an ganz viel, planen das Stage Design und die Setlist und überlegen uns neue Dinge für die Shows. Ich wünsche mir, dass wir alle laut sein können und feiern und gemeinsam einfach Spaß haben.

Von TV über Modeln bis zu Synchronsprechen bist du inzwischen in so vielen Bereichen der Unterhaltungsbranche tätig. Was macht für dich den Reiz der Musik und Konzertbühne aus, dass du immer wieder dorthin zurückkehrst?

Es ist das, was ich liebe und hat ganz viele Gründe. Einer davon ist Freiheit – kreativ, inhaltlich und natürlich auch finanziell das zu tun, was ich gerne mag. Und dann noch zu wissen, dass die Leute davon etwas haben, was sie hören und feiern, macht nicht nur Spaß, sondern motiviert mich auch immer wieder.

Kannst du dich noch an deinen ersten Konzertbesuch erinnern?

Britney Spears im Jahr 2000. Absurd, wie lange das schon her ist, wenn ich jetzt darüber nachdenke.

Welcher Konzertbesuch hat dich zuletzt nachhaltig beeindruckt?

Herbert Grönemeyer. Er hat einfach so eine tolle Energie auf der Bühne, an die ich häufig denke.

Wann und wo hast du selbst das erste Mal auf der Bühne gestanden?

Streng genommen im Kindergarten bei einer Zaubervorstellung (lacht).

2010 hast du im Alter von 18 Jahren als zweite Deutsche den Eurovision Song Contest gewonnen. Mit welchen Gefühlen blickst du heute darauf zurück? Kannst du dich an den Auftritt selbst überhaupt erinnern, oder war alles wie ein Rausch?

Es war ein kompletter Rausch, ja. Es hat mich damals natürlich ganz doll geprägt und ich bin auch heute noch dankbar für diesen Moment. Das ist jetzt schon recht lange her, aber an die Aufregung und Nervosität zum Beispiel erinnere ich mich heute noch.

Kannst du „Satellite“ noch hören?

Na klar. Ohne „Satellite“ gäbe es mich in der Form nicht. Ich muss den jetzt nicht jeden Tag beim Kaffee machen hören, aber es macht mir immer noch große Freude, den live zu spielen. Vor allem, weil alle so wahnsinnig textsicher sind und meistens laut mitsingen.

Du warst seitdem mehrmals in der Jury von „The Voice Kids“, wo du junge Nachwuchstalente coachst. Welchen Rat hättest du mit 18 selbst gerne gehabt?

Mehr auf die eigene Intuition vertrauen und durchziehen. Seiner eigenen Entscheidung vertrauen und dabei bleiben.

Im Laufe der Jahre bist du mit Künstlern wie Mark Forster, Michael Patrick Kelly und vielen aufgetreten. Mit wem würdest du dir gerne noch mal die Bühne teilen?

Ich könnte jetzt Taylor Swift sagen. Aber es gibt so viele KünstlerInnen, die ich toll finde, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Kamen dir auf der Bühne schon mal die Tränen?

Ja, das letzte Mal war letzten Sommer, als ich das erste Mal seit 2019 wieder auf der Bühne stand. In Eckernförde war das glaube ich. Und dann auch noch vor 10.000 Leuten, am Strand, bei Sonnenschein. Das hat mich kurz richtig überfahren und ich musste ein paar Glückstränen verdrücken.

Wie bereitest du dich auf ein Konzert vor? Hast du Rituale?

Wir singen uns alle zusammen vor den Shows ein, was total viel für das Miteinander macht. Und es gibt bei uns in der Band eine Art Ritual, das sich „warme Dusche“ nennt und nicht das ist, was jetzt alle denken. Wenn jemand „warme Dusche“ ruft, dann versammeln sich alle in einem Kreis und wir sagen uns im Uhrzeigersinn, was wir an der anderen Person total schätzen, bewundern oder worauf man stolz ist. Das kann etwas Emotionales, Tiefgründig oder auch was Oberflächliches sein, aber es tut einander einfach gut.

Hast du Lampenfieber?

Auf jeden Fall immer. Ich bin auch richtig aufgeregt wegen der Tour, auch wenn ich weiß, dass wenn es dann losgeht, alles ganz toll wird.

Wie sieht ein typischer Tourtag bei dir aus? Und wie holst du dir einen Ausgleich?

Ich versuche lange zu schlafen, gut zu essen und wenn es geht, viel an der frischen Luft zu sein, bevor der Soundcheck und die Show losgehen.

Die eigenen Möbel für Madonna, eine 18 Meter lange Boa Konstriktor für Mötley Crüe – man hört ja immer mal wieder von ausgefallenen Wünschen der Künstler für ihre Backstage-Räume. Was ist das verrückteste, das auf deinem Tour Rider steht?

Ich würde jetzt mal behaupten, ich bin da ganz einfach. Es gibt immer eine Duftkerze und Palo Santo, damit es einfach gut riecht. Und ich liebe leider Schokolade, sehr viel Schokolade - daran fehlt es eigentlich nie.

Am 1. Juni startet Lena in Leipzig ihre Deutschlandtour. Alle Termine und Tickets findet ihr mit einem Klick auf den Button.

Lena live 2024
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