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Interviews

Backstage mit Laith Al-Deen: „Mit 16 oder 17 wollte ich nur Heavy-Metal-Gitarre spielen!“

05.04.2024 von Nadine Wenzlick

Mit Hits wie „Bilder von Dir“, „Dein Lied“ oder „Keine Wie Du“ prägte Laith Al-Deen den Deutschpop maßgeblich mit. Kaum zu glauben, dass er als Teenager eigentlich Metal-Gitarrist werden wollte! Im Interview spricht der 52-Jährige über seine Anfänge, Tränen auf der Bühne und Rituale vor seinen Auftritten. Und natürlich geht es auch um seine Club-Tour, die am 9. April in Frankfurt startet, und sein neues Album „Dein Begleiter“, das kurz darauf, am 19. April, erscheint. Laith Al-Deen zeigt sich darauf sehr persönlich – zum Beispiel in seiner berührenden neuen Single „Familie“, in der er die Tiefe der familiären Liebe erkundet.

Bild: Paul Schimweg

Laith, in deiner Single „Alles anders“ singst du davon, dass man gute Dinge nicht erzwingen kann und es im Leben sowieso oft anders kommt als gedacht. Stimmt es, dass du eigentlich Gitarrist in einer Metal-Band werden wolltest?

Laith Al-Deen: Ja, das stimmt. Mit 16 oder 17 wollte ich nur Heavy-Metal-Gitarre spielen! Soli, Nebel, Windmaschine, langes Haar… Die langen Haare hatte ich dann auch, doch da in meiner ersten Band niemand singen wollte, habe ich das quasi aushilfsweise übernommen. Und irgendwie hab ich dann wohl die Kontrolle verloren…

Du hast mit deutschem Pop angefangen, als noch kaum jemand dessen Potenzial erkannte. Was hat dich daran so begeistert, warum hast du daran geglaubt?

Mein Musikgeschmack war schon immer breit aufgestellt, das heißt obwohl ich Iron Maiden und Slayer hörte, habe ich zeitgleich Mixtapes aus dem Radio aufgenommen. Ich empfand die deutsche Sprache immer als wortgewaltig und spannend in der Rhythmik und deutschsprachige Texte einfach eindringlicher.

Dein neues Album „Dein Begleiter“ ist dein 11. Album in 24 Jahren – was treibt dich nach all den Jahren nach wie vor an?

Eine Sache sind die Menschen, die ich „begleite“. Manche sind seit 24 Jahren dabei und wenn wir uns zum Beispiel nach Konzerten treffen, besteht ein Gefühl der Nähe, auch wenn wir uns kaum kennen. Andererseits möchte ich meine Sicht auf bestimmte Themen immer noch mitteilen in dem Wissen, dass es jemanden erreichen und sensibilisieren kann.

Wird es mit der Zeit schwerer, neue Sounds und Themen zu finden? Und was war dir bei deinem neuen Album wichtig?

Themen gibt es genug und sie finden dich von selbst. Auf meinen Alben geht es schon immer um menschliche Interaktion im Umfeld und die Suche nach sich selbst. „Dein Begleiter“ ist eine konsequente Weiterführung  dessen und beinhaltet teilweise sehr persönliche Themen, für deren Aufarbeitung ich ein wenig mehr Zeit gebraucht habe.

Im April startet deine Club-Tour – wer oder was ist auf Tour „dein Begleiter“, was musst du immer dabei haben?

Komischerweise muss ich immer Bargeld in der Hosentasche haben. Das hat sich über die Jahre ergeben und ist zu einem ordentlichen Zwang herangewachsen. Es muss nicht viel sein, aber auf jeden Fall vorhanden…

Hast du Lampenfieber, bevor du auf die Bühne gehst?

Nach all den Jahren sogar etwas mehr als früher! Doch ich genieße das Gefühl inzwischen so gut ich kann und hoffe, dass es noch lange so bleibt.

Kannst du dich noch an deinen allerersten Auftritt erinnern?

Ja, sogar ziemlich gut. Das war im Jugendzentrum in Mannheim als Support für eine Punk-Band, vor sieben zahlenden Zuschauern. Wir haben damals Deutschrock gemacht, wurden zunächst ausgebuht und konnten im Verlauf zwei Leute überzeugen. Schön war‘s nicht.

Gibt es einen Rat, den du dem jungen Laith mit deinem heutigen Wissen gerne mit auf den Weg gegeben hättest?

Mach keine wichtigen Verträge, wenn du dich damit nicht auskennst! Gib lieber etwas Geld für eine Beratung aus und sieh zu, dass deine Beratung vom Fach ist. Und hör nicht zu sehr auf das was die anderen sagen.

Welchen deiner Auftritte wirst du im positiven Sinne immer in Erinnerung behalten?

Mein erstes Mal Hessentag, 2002, zusammen mit meinem Keyboarder Tobi. Nur zu zweit vor 20.000 Menschen. Wir haben uns damals fast eingenässt, doch das Publikum hat uns als einzigen wirklichen Live-Act des Tages damals emotional in den Arm genommen und gefeiert… unvergesslich!

Gibt es auch einen, den du lieber für immer vergessen würdest?

Nein, aus Fehlern lernt man und daher behält man immer etwas Gutes… oder  mindestens etwas Lustiges zu erzählen.

Kamen dir auf der Bühne schon mal die Tränen?

Das passiert mir immer wieder mal, vor allem bei persönlichen Songs, in denen man emotional an bestimmte Situationen erinnert wird. Ein paar Mal musste ich kurz aufhören zu singen.

Hast du Rituale, bevor du auf die Bühne gehst?

Es gibt Schnaps! Für alle Beteiligten und dabei schwören wir uns auf das bevorstehende Konzert ein. Ein schönes Ritual.

Was vermisst du, wenn du auf Tour gehst?

Am meisten fehlt mir mein Bett – in meinem Zuhause – mit dem ganzen Familyhaufen. Auch wenn meine Partnerin und Managerin dabei ist, sind Hotelübernachtungen einfach nicht mehr so erholsam wie in den Anfängen.

Gibt Venues oder Kollaborationen, die noch auf deiner Wunschliste stehen?

Nach der „Dein Begleiter“-Tour stehen bereits ein paar Kollaborationen auf dem Plan. Ich werde direkt nach der Tour weiter Musik machen und möchte andere Stilistiken mit feinen Kollegen verbauen. Mehr wird noch nicht verraten…

Was können die Fans auf deiner kommenden Tour erwarten?

Wir gehen nach längerer Zeit wieder mal auf Clubtour und haben eine aufwendig produzierte Platte mit vielen Sounds im Gepäck. In der Umsetzung stellt sich das gern rockiger dar oder teilweise reduzierter, was ich sehr gerne habe. Und ich freue mich zusätzlich auf ein paar leckere Akustik-Versionen der früheren Lieder.

Ab dem 9. April 2024 ist Laith Al-Deen auf Club-Tour. Die Termine und Tickets findet ihr mit einem Klick auf den Button.

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