Bild: Felix Leichum
Funk, R&B, HipHop, Soul, Afropop – auf seinem dritten Album „THE RUDE AWAKENING OF MR BIG JUICE.“ liefert Kelvin Jones eine tanzbare Genre-Mischung, die seinem Werdegang Tribut zollt. Der Wahlberliner wurde in Simbabwe geboren und wuchs in London auf. Mit seinem viralen Hit „Call You Home“ gelang ihm vor neun Jahren der Durchbruch, seitdem hat der Vollblutmusiker sich in der deutschen Musik- und Medienlandschaft fest etabliert: 2022 war der Teilnehmer von „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“, 2024 ist er in der Jury von „Dein Song“. Im Interview verrät der 29-Jährige, weshalb er sich einen neuen Künstlernamen zulegte, was für ihn der perfekte Song ist und warum auf seiner kommenden Tour jeder Abend anders wird.
Kelvin Jones: Ich habe letztes Jahr damit angefangen. Es kam daher, dass ich die Shows für mich, die Band und das Publikum frisch halten wollte. Jeden Abend die gleiche Setlist zu spielen, kann sich eintönig anfühlen. So wird die Show zu einem gemeinsamen Erlebnis, das jeden Abend neu entsteht. Es ist beängstigend, aber genau deshalb aufregend für uns alle.
Es hält mich wachsam. Ich muss wirklich im Moment sein und das Publikum genau im Blick behalten. Dadurch fühlen sich die Shows lebendiger und unberechenbarer an.
Ab und zu spiele ich Coversongs, aber das ist meistens eine spontane Entscheidung. Das Publikum beeinflusst auf jeden Fall die Energie der Setlist. Wenn ich spüre, dass sie etwas anderes wollen – direkt oder indirekt – passe ich die Show an.
Bei einem Gig hat jemand „Acapella“ gerufen, bevor ich einen Song gesungen habe. Also habe ich meine Gitarre weggelegt und den Song einfach so gesungen. Die Freiheit, so etwas zu tun, während das Publikum komplett still und aufmerksam ist, bekommt man als Künstler nicht oft. Das war wirklich ein besonderer Moment.
Die Show ist oft sehr lustig. Als Künstler ist es dein Job, deine innersten Gefühle und Kämpfe zu teilen, damit die Leute sich darin spiegeln können. Aber ich glaube noch mehr daran, dass du, wenn du die Menschen dazu bringst, über ihre Probleme zu lachen oder darüber zu singen, ihnen eine tiefere Erleichterung gibst.
Big Juice ist der Name, zu dem ich meinen Künstlernamen langsam ändere. Ich habe vor einiger Zeit gelernt, dass der Nachname Jones, den ich mir mit 19 ausgesucht habe, Wurzeln in der Sklaverei hat. Es ist ein Name, den Plantagenbesitzer ihren Sklaven gaben, weshalb heute viele Schwarze diesen Nachnamen tragen. Deshalb habe ich beschlossen, meinen Künstlernamen zu ändern. Big Juice fühlt sich für mich größer als das Leben an und gibt mir die Freiheit, Ideen auszudrücken, die größer sind als ich selbst. Etwas Distanz zu meinem Künstlernamen gibt mir die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, die ich mich unter meinem eigenen Namen nicht getraut hätte.
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich gerne allein bin, um Dinge zu verarbeiten und zu erschaffen, und mitten in der Nacht ist eben die Zeit, in der alle schlafen. Ich glaube, ich wäre ein Tagmensch, wenn dann alle schlafen würden und mein Handy still bliebe.
Ich habe mich weiterentwickelt, und je mehr ich gewachsen bin, desto mehr Genres habe ich gehört und war von verschiedenen Arten von Musik begeistert. Am Anfang habe ich einfach das gemacht, was ich kannte, und das tue ich immer noch. Aber das, was ich kenne, ist jetzt breiter gefächert. Mein Ziel für die Zukunft ist es, mich auf die zwei Genres zu konzentrieren, die mich am meisten bewegen: Afrobeats und organische, soulige Musik. Innerhalb dieser Genres kann ich alles andere einfließen lassen.
Wie bei uns allen war Musik immer im Hintergrund präsent. Sie war der Soundtrack zu vielen wichtigen Momenten in meinem Leben. Aber mit 16 rückte die Musik in den Vordergrund – und ist seitdem nicht mehr von dort gewichen.
Ja, sehr gut. Es war bei einer Jazznacht in der Schule, und ich hatte riesige Angst. Aber es lief gut, und ich war sofort süchtig. Seitdem war meine einzige Obsession: „Wo ist die nächste Bühne?“
Ich erinnere mich immer an die Shows, bei denen ich etwas zum ersten Mal ausprobiert habe. Auf der letzten Tour habe ich experimentiert und eine ganze Show auf ein Thema ausgerichtet. An diesem Tag sprach ich über meine Eltern. Das gab der Show ein Gefühl von Vollständigkeit, das mir gefallen hat.
Hör doppelt so viel zu, wie du selbst schreibst. Die Lektionen, die du durch das Zuhören von Musik aufnimmst, sind wertvoller als Jahre des Studiums der Musik.
Ich weiß nicht, ob es so etwas gibt, aber die Songs, die mich am meisten packen, haben oft etwas, das ich nicht verstehe. Ob es das Arrangement, die Gesangsperformance oder etwas anderes ist – es gibt oft eine Stelle, die mir dieses kindliche Gefühl gibt von „Wie haben die das gemacht?“
Die „4AM TOUR“ von Kelvin Jones startet am 9. April in Karlsruhe. Tickets bekommt ihr mit einem Klick auf den Button.